Osnabrück

Oper „Griechische Passion“ könnte eine Entdeckung werden

Jan Kampmeier
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Von Jan Kampmeier
| 28.04.2022 11:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Vorgeschmack auf die Inszenierung: Probenszene aus der Oper „Griechische Passion“ Foto: Stephans Glagla
Vorgeschmack auf die Inszenierung: Probenszene aus der Oper „Griechische Passion“ Foto: Stephans Glagla
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Mit Bohuslav Martinůs „Griechischer Passion“ widmet sich das Osnabrücker Theater einer Rarität. Die Oper aus der Mitte des 20. Jahrhunderts könnte eine spannende Entdeckung sein.

Ganz unbekannt ist er ja nicht. Andererseits: Wer hat schon eine konkrete Vorstellung davon, wie Bohuslav Martinůs Musik klingt? Was erwartet das Publikum also in seiner Oper „Die griechische Passion“, die kurioser Weise kurz nach dem Ende der Passionszeit Premiere am Osnabrücker Theater hat?

Bohuslav Martinů, 1890 in Böhmen geboren, war selbst zunächst Geiger, wurde aber als Student wegen „unverbesserlicher Nachlässigkeit“ vom Prager Konservatorium geworfen. Zum Komponisten ausgebildet wurde er vom Dvořák-Schüler Josef Suk. Für einen Intensivkurs bei Albert Roussel sollte er eigentlich drei Monate in Paris weilen, doch am Ende blieb er dort 17 Jahre. Erst 1941 verließ er die Stadt, floh er vor den Nazis in die USA, kehrte in den 50ern nach Europa zurück und starb 1959 in der Schweiz.

Ein ungemein produktiver Komponist, der komplexe Partituren mit Vorliebe auf langen Spaziergängen ersann und in seiner Musik die unterschiedlichsten Elemente verarbeitete: Traditionelle Stilistik, inspiriert durch englische Madrigale, die Choräle der Böhmischen Brüder oder die Folklore seiner Heimat ebenso wie aktuelle Strömungen, etwa Debussys Impressionismus, den Jazz und den Neoklassizismus des frühen Strawinskij. Nur der Atonalität öffnete er sich nie. „Ich war nie ein Avantgardist“, so Martinů über sich selbst, stattdessen versuchte er sich an einer „Synthese vergangener Epochen“.

Martinůs Oper „Die griechische Passion“ ist ein Spätwerk und wurde erst nach seinem Tod uraufgeführt, im Repertoire halten konnte sie sich nicht. Doch das sagt über ihre Qualitäten wohl wenig aus, denn überhaupt gibt es aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts so gut wie keine Opern, denen das gelungen wäre. Basierend auf einem Roman des griechischen Autors Nikos Kazantzakis schrieb sich Martinů selbst das englische Libretto.

Er komponierte zwei unterschiedliche Fassungen, und in Osnabrück hat sich Andreas Hotz für die Erstfassung entschieden. Beide hätten ihre Vorzüge, diese aber sei dramatischer, so der Dirigent: „Die erste Fassung ist Musiktheater, die zweite ist Oper.“ So passt sie vielleicht besser zur ebenfalls dramatischen Handlung, in der es – ziemlich aktuell – um Konflikte geht, die in einem griechischen Dorf nach der Ankunft einer Gruppe von Flüchtlingen entstehen und zu tragischen Konsequenzen führen.

Neben Dvořák sei Martinů der wichtigste tschechische Komponist, sagt Andreas Hotz. Ihn als Neoklassizisten zu bezeichnen, wie es gemeinhin üblich ist, hält er für ein großes Missverständnis. Und überhaupt: „Den einen Martinů-Stil gibt es gar nicht, er hat eine enorme Entwicklung durchgemacht.“ Die griechische Passion sei das Werk eines sehr erfahrenen Meisters: Eine großartige Choroper voller archaisch klingender Anleihen bei der Musik der griechisch-orthodoxen Kirche, aber auch bei folkloristischen Tanzrhythmen Griechenlands.

Einige Stellen habe Martinů als Melodram gestaltet und durchweg sehr einfallsreich instrumentiert. Insgesamt so Andreas Hotz, eine vielschichtige, sehr mutige und moderne Partitur.

Die Premiere ist nach einer Verschiebung nun am Freitag, 19.30 Uhr. Nächste Vorstellungen: 4., 15. und 19. Mai. Karten unter 0541 7600076 oder theater-osnabrueck.de

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