Osnabrück

Franken-Tatort „Warum“ heute Abend: Eindringlich und stark

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 28.04.2022 15:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die trauernden Eltern Marie Keller (Valentina Sauca) und Fritz Keller (Karl Markovics) am Tatort. Foto: BR/Hager Moss Film GmbH/Hagen Keller
Die trauernden Eltern Marie Keller (Valentina Sauca) und Fritz Keller (Karl Markovics) am Tatort. Foto: BR/Hager Moss Film GmbH/Hagen Keller
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Max Färberböck ist wieder da: Der Erfinder des Franken-Tatorts zeichnet als Regisseur und Autor auch für die Folge „Warum“ verantwortlich, die am Sonntag in der ARD zu sehen ist. Das Einschalten lohnt sich.

Glückliche Menschen sind im Krimi eher Mangelware. Und wenn sie dann doch mal auftauchen, dann meist nur, um aus großer Fallhöhe ins Verderben zu stürzen. Lukas Keller (Caspar Schuchmann) ist ein Musterbeispiel dieser Spezies. Gleich zu Beginn des achten Franken-Tatorts sehen wir den jungen Mann mit seiner neuen Freundin Mia (Julie Engelbrecht) beim Austausch von Zärtlichkeiten, wenig später verabredet er sich mit seiner freudestrahlenden Mutter (Valentina Sauca) zum gemeinsamen Abendessen. Und auch sein Chef in einem Nürnberger Speditionsunternehmen (Götz Otto) hält große Stücke auf den beliebten IT-Spezialisten, der auf den ersten Blick keine Feine hat.

Die Chance, dass so jemand einen ganzen Tatort überlebt, ist nahezu gleich null. Und tatsächlich: Zum Abendessen bei seiner vom Vater getrennt lebenden Mutter kommt Lukas nicht mehr. Stattdessen wird er ermordet aufgefunden – der Täter hat den jungen Mann derart grausam zugerichtet, dass die Nürnberger Ermittler Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Felix Voss (Fabian Hinrichs) der Mutter später den Anblick ihres toten Sohnes ersparen wollen. Was den Hinterbliebenen bleibt, ist die titelgebende Frage nach dem „Warum“.

Max Färberböck, der Erfinder des Franken-Tatorts, hat auch bei dieser Folge Regie geführt und einmal mehr gemeinsam mit Catharina Schuchmann das Drehbuch geschrieben – eine Konstellation, die schon mehrfach starke Filme zur Folge hatte („Anonyma – Eine Frau in Berlin“). Auch bei „Warum“ gelingt es den beiden, ihren Film nicht in Dialogen zu ertränken, sondern im richtigen Moment zu reduzieren. Da wird eben nicht alles ausgesprochen, vielmehr lässt Färberböck auch Blicke und kleine Gesten erzählen. Wenn allerdings jemand den Mund aufmacht, dann durchzieht ein klagend gehauchter Leidenston viele Szenen seines Tatorts.

Großen Wert legen Schuchmann und Färberböck auf das Leid, das ein solches Verbrechen bei den Hinterbliebenen verursacht. Es sei ihnen wichtig gewesen, „dass es einmal nicht in erster Linie um den Täter geht, sondern dass die Opfer (denn ein Toter bedeutet ja meistens mehrere Opfer, wenn man die Menschen mitdenkt, die trauernd zurückbleiben) im Fokus des Films stehen,“ erklärt Catharina Schuchmann im Senderinfo.

In diesem Fall war es für sie ganz besonders nachvollziehbar, denn ihr Sohn Caspar ist der Darsteller des ermordeten Lukas. „Das Schlimmste, das man sich vorstellen kann, bleibt der Tod eines Kindes,“ weiß die Drehbuchautorin. „So wurden die Eltern von Lukas das Herzstück dieses Films. Dass sie von diesen beiden wunderbaren Darstellern gespielt wurden, war natürlich ein großes Glück.“ Tatsächlich setzen Karl Markovics und vor allem Valentina Sauca diesem Tatort seine schauspielerischen Glanzlichter auf.

Die überraschendste Rolle aber fällt eindeutig Ralf Bauer zu, den viele noch als Sonnyboy des deutschen Films in Erinnerung haben werden. Diesmal spielt der mittlerweile 55-Jährige einen Obdachlosen, der unter Mordverdacht gerät – und in dieser Rolle einfach nicht wiederzuerkennen ist. Die Art und Weise, wie Voss ihn zu einem Geständnis im Fall Lukas Keller drängen will, stürzt den Kommissar in eine tiefe Sinnkrise und lässt ihn mit seinem Beruf hadern.

Während die Ermittler zwar eine Parallele zu einem erst sechs Monate zurückliegenden Mordfall erkannt haben, ansonsten aber lange Zeit im Dunkeln tappen, nähern sich Lukas Mutter Marie und ihr Mann Fritz (Karl Markovics) im Schmerz wieder an und machen sich gemeinsam auf die Suche nach dem Mörder ihres Sohnes. Ins Zwielicht gerät dabei die alleinerziehende Freundin ihres Sohnes, die nur widerwillig den Kontakt zulässt und offensichtlich etwas verschweigt.

Das alles ist weit entfernt davon, ein Actionthriller zu sein oder sein zu wollen. „Warum“ überzeugt vielmehr durch unaufgeregte Regie, Eindringlichkeit und starke Darsteller. Durchaus sehenswert.

Tatort: Warum. Das Erste, Sonntag, 1. Mai 2022, 20.15 Uhr.

Wertung: 5 von 6 Sternen

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