Berlin

Grafik: Das ist der russische Anteil am deutschen Energieverbrauch

Carl Lando Derouaux
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Von Carl Lando Derouaux
| 28.04.2022 18:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Industrieanlagen, wie hier bei BASF, sind von Gaslieferungen abhängig, die zu großen Teilen aus Russland stammen. Foto: dpa | Uwe Anspach
Industrieanlagen, wie hier bei BASF, sind von Gaslieferungen abhängig, die zu großen Teilen aus Russland stammen. Foto: dpa | Uwe Anspach
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Deutschland hat vergangenes Jahr große Teile seiner Energie aus Russland importiert. Besonders groß ist die Abhängigkeit bei Gas, wie eine Grafik veranschaulicht.

Der russische Anteil am Energieverbrauch hierzulande ist seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine Gegenstand für Diskussionen. Die Bundesregierung hat zwar von der Idee eines abrupten Importstopps Abstand genommen, möchte die Abhängigkeit aber so schnell wie möglich reduzieren. Wie hoch war der Anteil russischer Energie vergangenes Jahr in Zahlen?

Wie die Statista-Grafik auf Grundlage von Daten des Münchener ifo-Instituts zeigt, scheint die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen besonders hoch zu sein: Verbrauchte Deutschland im vergangenen Jahr insgesamt rund 900 Terrawattstunden Gas, stammten davon mehr als die Hälfte (55 Prozent) aus Russland. Auch beim Öl hat sich Deutschland den Angaben zufolge 2021 zu mehr als einem Drittel (34) auf Lieferungen aus Russland verlassen.

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zufolge dürfte dieser Anteil mittlerweile um Einiges geringer sein: Durch das strategische Ersetzen von Lieferverträgen sei man derzeit bei einer Abhängigkeit von nur noch zwölf Prozent angelangt. Der Grüne konkretisierte am Dienstag: Ein Ausfall russischer Ölimporte durch einen Importstopp oder ein Embargo sei im Bereich Öl mittlerweile „handhabbar.“

Der Grafik zufolge hat Deutschland im vergangenen Jahr außerdem 600 Terrawattstunden Kohleenergie verbraucht. Der russische Anteil daran lag den Angaben zufolge 2021 bei 26 Prozent. Auch in diesen Umstand ist in der Zwischenzeit Bewegung gekommen: Nachdem die Bilder von Gräueltaten in der ukrainischen Stadt Butscha ans Licht gekommen sind, hat die EU ein Verbot von Kohleimporten aus Russland verhängt, dass schrittweise in Kraft treten soll. Erst vergangene Woche bekräftigte auch Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) die Ambitionen Deutschlands, bis zum Sommer völlig auf russische Kohle verzichten zu wollen.

Derweil hat Russland anderen Ländern der Europäischen Union den Gashahn abgedreht, was in Europa und in Deutschland Besorgnis ausgelöst hat.

Lesen Sie dazu die Einschätzung aus unserer Redaktion

Mit der Frage, was ein abrupter Abfall von Gaslieferungen volkswirtschaftlich für Deutschland bedeuten könnte, hat sich das renommierte ifo-Institut bereits befasst. In dem Artikel von Anfang April werden die „wirtschaftlichen Auswirkungen eines möglichen Stopps russischer Energieimporte auf die deutsche Wirtschaft diskutiert.“ Unter anderem modellierten die Ökonomen ein Szenario, bei dem der Gasverbrauch in Deutschland um 30 Prozent einbrechen würde. Pro Jahr würde das einen Rückgang des Bruttoinlandproduktes (BIP) von 2,2 Prozent bedeuten. Umgerechnet auf den Einzelnen entspräche das demnach Kosten von 800 bis 1000 Euro, wie die Forscher schreiben.

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