Bürgernähe
Als Dorfsheriff mit dem Rad auf den Markt und an den Strand
Holger Buß sorgt in Esens für Recht und Ordnung. Als Kontaktbeamter ist er aber auch als Parkeinweiser, Stadtführer und Kummerkasten gefragt. Das zumindest sagt sein Vorgänger Joachim Weets.
Esens - Polizeiarbeit ist vielfältig. Wie vielfältig sie sein kann, das überrascht selbst alteingesessene Oberkommissare zuweilen. Plötzlich fungiere man bürgernah als Parkeinweiser, Stadtführer und Kummerkasten, schildert Joachim Elso Weets. Oder man wird spontan Komparse in einem Kurzfilm, Fotomodell für Touristen oder erklärt neunjährigen Geburtstagskindern die Polizeiarbeit. So bunt kann der Alltag eines Kontaktbereichsbeamten, kurz KOB, zuweilen aussehen. Weets habe all diese von ihm geforderten Rollen vorbildlich ausgefüllt, lobt der Wittmunder Polizeichef Andreas Jacobs in einem Gespräch in der Esenser Polizeistation vor ihrem Leiter Gerhard Poldt. Doch jetzt ist Schluss: Ende April geht der stadtbekannte 62-Jährige in den Ruhestand.
Was und warum
Darum geht es: Holger Buß tritt die Nachfolge vom Kontaktbereichsbeamten Joachim Weets an.
Vor allem interessant für: jeden, der sich zumindest ab und an in der Samtgemeinde Esens aufhält oder sich fragt, was eigentlich ein Kontaktbeamter macht
Deshalb berichten wir: Der Wechsel wird am 1. Mai vollzogen. Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de
Damit ist es Zeit für einen neuen Dorfsheriff: Holger Buß ist annähernd bereit, sich auf den Sattel des Polizei-Pedelec zu schwingen und wie sein Vorgänger knapp 4400 Fahrradkilometer in einem Jahr zu radeln. „Aber noch ist der Helm nicht da“, verrät er mit einem Lächeln. Neben einem gewissen Maß an körperlicher Fitness sind es aber ganz andere Qualitäten, die ein Kontaktbeamter mitbringen muss. „Der Job ist es, die Nähe zum Bürger zu halten“, verrät Jacobs. „Er kennt Land, Leute und die Gegend.“ Und er spricht in Esens möglichst noch Plattdeutsch, ergänzt der Leiter des Polizeikommissariats in Wittmund. Dies attestiert er Weets, aber auch seinem Nachfolger Buß, der am 1. Mai offiziell dessen Dienstfahrrad übernimmt. Darüber freue er sich sehr, denn: „Es ist nicht so einfach, jemanden zu finden, der in die Fußstapfen tritt.“
Polizeiarbeit auf der Straße
Diese Fußstapfen sind wie gemacht für den gebürtigen Auricher Buß: „Von meiner Mentalität her bin ich der Richtige. Die Polizeiarbeit auf der Straße ist meins.“ 1990 kam er nach Wittmund und Esens. Die Stadt und Samtgemeinde kennt er schon recht gut. Bald wird er sie noch besser kennenlernen. In den vergangenen Wochen war er schon unterwegs in seiner neuen Mission. Das habe bereits zu skurrilen Situationen in der Esenser Fußgängerzone geführt, verrät er. Zuweilen sei der 54-Jährige dabei verwirrt angestarrt worden: „Ein neues Gesicht“, habe er zu hören bekommen.
Das neue Gesicht wird sicher schon bald ein bekanntes sein. Denn Buß will wie sein Vorgänger präsent, viel auf den Wochenmärkten oder im Sommer in den Sielorten unterwegs sein. In den Wohnsiedlungen nach dem Rechten sehen und das Gespräch suchen. „Mein Ziel ist, als Kontaktbeamter so wahrgenommen zu werden, wie Achim es vorgelebt hat.“ Die Arbeit an der Basis reize ihn an seiner neuen Aufgabe besonders. „Wenn man unterwegs ist, wird man angesprochen“, weiß Weets. Insgesamt gibt es in der Polizeiinspektion Aurich-Wittmund Jacobs zufolge fünf Kontaktbeamte: Zwei in Aurich, sowie je einen in Wiesmoor, Wittmund und Esens. Buß weiß, was auf ihn zukommt: „Man ist Polizist, aber man ist auch ein Stück weit Sozialarbeiter.“
Verfolgungsjagd mit E-Scooter
Gespräche hat Weets in seiner Zeit als KOB seit Oktober 2020 unzählige geführt, erinnert er sich. Ist man als Polizist in einem Streifenwagen unterwegs, sei man unnahbarer als auf dem Rad oder zu Fuß. „Die Hemmschwelle, mich anzusprechen, ist ganz niedrig.“ So tauche er beispielsweise auf unzähligen Urlaubsfotos auf. Sein Fahrrad, die neongelbe Warnjacke und sein Polizeihelm waren stets sein Markenzeichen.
Und sie sind auffällig: Er sei in der Esenser Innenstadt regelmäßig nach dem nächsten Parkplatz gefragt worden, habe Fragen nach dem richtigen Weg beantwortet, aber auch vieles über den Polizeiberuf erzählt. Und sozusagen ganz nebenbei hat er darauf geachtet, dass sich alle an die Regeln halten. Da sei Fingerspitzengefühl gefragt: „Zur Ordnung rufen – aber auch mal abkassieren.“
Meist reichte es, dass er nur da war: „Das ist direkt rum in der Stadt. Aber es gibt auch die Unbelehrbaren.“ Die bleiben dem Kontaktbeamten in Erinnerung. Denn manchmal sorgen die für spannende Verfolgungsjagden – mit Spitzengeschwindigkeiten von 20 Stundenkilometern. Einst habe er den Fahrer eines Elektro-Scooters durch Esens verfolgt. Der sei unerlaubterweise in der Fußgängerzone gefahren. Doch damit nicht genug: „Es gab eine ganze Kette von Verstößen.“ Beispielsweise hatte der Roller keine Versicherung. Der Mann gab Gas, soweit möglich bei einen E-Scooter. „Der fährt nur 20“, erinnert sich Weets mit einem Lachen. Er nahm mit dem Rad die filmreife Verfolgung auf. In einem Versteck stellte er den Mann schließlich. Für den wurde es dann teuer.