Interview

Käsehändler vom Emder Markt: Stadtgarten ist attraktiver

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 30.04.2022 11:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Er möchte, dass der Wochenmarkt während der wärmeren Jahreszeit in den Stadtgarten wechselt. Foto: Ortgies/Archiv
Er möchte, dass der Wochenmarkt während der wärmeren Jahreszeit in den Stadtgarten wechselt. Foto: Ortgies/Archiv
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Der Emder Käsehändler Frans Posthumus hat mit seinem Vorschlag, den Wochenmarkt in den Stadtgarten zu verlegen, eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

Emden - In der Diskussion um den Standort des Wochenmarktes zeichnet sich noch keine Lösung ab. Der Emder Käsehändler Frans Posthumus hat mit seinem Vorschlag, die Verkaufsstände während des Sommers in den Stadtgarten zu verlegen, eine Kontroverse entfacht. Das sei die „deutlich attraktivere Variante“, bekräftigte er in einem Gespräch mit dieser Zeitung.

Frage: Sie gelten als Urheber des Vorstoßes, den Wochenmarkt während der wärmeren Jahreszeit in den Stadtgarten zu verlegen. In der Stadt wird gemunkelt, die Idee sei während eines gemeinsamen Essens von Ihnen und Oberbürgermeister Tim Kruithoff geboren worden. Hat Herr Kruithoff Sie etwa nur vorgeschoben?

Frans Posthumus: Ja, ich bin der Urheber des Vorstoßes. Ich habe meine Idee auf einer der Versammlungen der Marktbeschicker kundgetan und nach der Meinung der anderen Beschicker gefragt. Weil nicht alle anwesend waren und danach die harte Osterwoche für uns zu bewältigen war, sind wir noch dabei, die restlichen Händler zu befragen. Das Ergebnis steht noch aus. Anschließend setzen wir uns als neu gewählter Vorstand zusammen, werten die Ergebnisse aus und besprechen unsere weitere Vorgehensweise. Der Behauptung, dass ich von Herrn Kruithoff vorgeschoben wurde, widerspreche ich vehement. Als gesunder Geschäftsmann, als Mensch und als Einwohner Emdens macht man sich natürlich Gedanken über die Zukunft. Und ich bin der Meinung, dass der Wochenmarkt im Stadtgarten für mich und für die Stadt die deutlich attraktivere Variante ist.

Frage: Was spricht aus Ihrer Sicht für den Stadtgarten?

Posthumus: Für mich persönlich sprechen vor allem vier Gründe für den Stadtgarten: A – die tolle Atmosphäre und B – die Lage. Für die Gäste in Emden ist der Wochenmarkt dort viel besser sichtbar. Es gibt dort viele Anziehungspunkte wie das Otto Huus, das Landesmuseum, die Hafenrundfahren und natürlich den Delft an sich. Außerdem sind da noch C: die Umsätze. Sie waren während der Zeit des Umbaus des Neuen Marktes für mich sehr zufriedenstellend. Und D: dem Großteil unserer Kunden hat der Markt im Stadtgarten gut gefallen.

Frage: Und was spricht aus Ihrer Sicht gegen den Standort auf dem Neuen Markt?

Posthumus: Dagegen spricht eigentlich gar nichts. Das Einzige, was mich stört, ist, wenn mehrere Stände in den Urlaubszeiten von Kollegen fehlen und der Platz dann so extrem leer aussieht. Das bringt natürlich die Gestaltung des Platzes mit sich. Aber man hört dann immer Stimmen, die sagen, dass der Markt auch immer weniger wird - obwohl eigentlich das Gegenteil der Fall ist.

Frage: Der Wochenmarkt ist also gewachsen. Als Argument gegen den Stadtgarten wird von einigen Ihrer Marktkolleginnen und -kollegen immer wieder genannt, dass der Platz dort für die neuen und für weitere Händler nicht ausreicht. Trifft das zu? Posthumus: Dazu kann ich nichts Genaues sagen. Es gibt tolle neue Stände, es haben aber auch welche aufgehört. Das müsste man ausmessen. Der Markt ist an den unterschiedlichen Tagen auch unterschiedlich besetzt, sprich, manche Stände sind nur freitags oder nur samstags da. Deswegen kann ich dies nicht so bestätigen oder abstreiten.

Frage: Gegen den Stadtgarten spricht aus Sicht einiger Ihrer Kolleginnen und Kollegen auch, dass es nur die Zufahrt über den Taxenstand gibt, es deshalb bei der Anfahrt der Händler kompliziert wird und das Rangieren dort ebenfalls schwierig ist. Hinzu kommt der unebene Boden, der es vor allem den Pflanzenhändlern schwer macht, ihre Rollcontainer zu bewegen. Was halten Sie dem entgegen?

Posthumus: Klar, es gibt momentan nur eine Zufahrt dort. Aber das hat ja in der Zeit, als wir während der Umbauphase dort standen, auch gut geklappt! Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass es Kollegen gibt, für die es am Stadtgarten deutlich schwieriger war. Deswegen habe ich auch in der Versammlung den Vorschlag gemacht und nach der Meinung der anderen gefragt. Nun lassen Sie uns erst einmal abwarten, was sich daraus ergibt. Meiner Meinung nach gibt es auf dem Platz im Stadtgarten verschiedene Arten von Pflastern. Das müsste man gegebenenfalls bei der Platzvergabe berücksichtigen

Frage: Kritiker der Verlegung in den Stadtgarten verweisen auch darauf, dass der Umbau des Neuen Marktes auf den Wochenmarkt ausgelegt war und viel Geld in die unterirdischen Versorgungsstationen für die Beschicker investiert worden ist. Soll das alles für die Katz` gewesen sein?

Posthumus: Die Versorgungstationen am alten Platz waren so oder so überfällig. Als wir dieses Problem vor dem Umbau des Neuen Marktes bei der Stadt angesprochen hatten, wurden wir immer damit vertröstet, dass es erst neu gemacht wird, wenn der Markt neu gestaltet wird. So ist es ja auch gekommen. Die Anschlüsse sind ja nun da und die sind ja nicht nur an Markttagen nutzbar. Die können ja auch von der Außengastronomie genutzt werden. Diese Investition ist nicht für die Katz’, sondern sinnvoll.

Frage: Wie geht es jetzt weiter? Gibt es aus Ihrer Sicht Kompromisslösungen?

Posthumus: Wie schon gesagt, die restlichen Marktbeschicker werden nach ihrer Meinung gefragt, dann werden wir das auswerten und einen Termin bei der Stadtverwaltung anfragen, um das Thema zu erörtern. Es wird jetzt ziemlich viel Alarm um dieses Thema gemacht, finde ich. Und es ärgert mich persönlich sehr, dass es zu diesem frühen Zeitpunkt an die Öffentlichkeit gelangt ist. Ein holländisches Sprichwort sagt: Die Suppe wird meist nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wird. Ich habe lediglich meine Marktkollegen gefragt, ob die sich vorstellen können, den Markt in den Stadtgarten zu verlegen. Ich möchte ja nicht das Rad neu erfinden! Ich halte es persönlich nur für besser, aber wenn die Mehrheit meiner Kollegen anders entscheidet, dann werde ich mich dem natürlich fügen.

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