Umweltschutz
Vorerst keine Drachenwiesen in der Krummhörn
Eigentlich sollten in der Krummhörn spezielle Wiesen für Drachensportler ausgewiesen werden. Daraus wird jetzt aber erstmal nichts. Wie sieht es in anderen Orten aus?
Krummhörn/Hinte/Dornumersiel - Wer an der falschen Stelle einen Drachen steigen lässt, kann Vögeln damit Schaden zufügen. Darum gibt es an mehreren Orten in Ostfriesland spezielle Drachenwiesen, die für diesen Sport offiziell ausgewiesen sind. Auch in der Krummhörn dachten die Touristik GmbH und die Gemeinde noch im vergangenen Herbst darüber nach. Nun wird daraus aber erst einmal doch nichts.
Was und warum
Darum geht es: Man sollte nicht überall einen Drachen steigen lassen. Teilweise ist das sogar ausdrücklich verboten.
Vor allem interessant für: Personen, die gerne bei Wind nach draußen gehen
Deshalb berichten wir: Am Wochenende war in Dornumersiel das erste Drachenfest Ostfrieslands seit dem Beginn der Pandemie. Das haben wir zum Anlass für eine Folgegeschichte genommen, die jeden Besitzer eines eigenen Drachens betreffen kann. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Der Vorstoß von Insa Steffens, der Leiterin des Nationalparkhauses Greetsiel, ist nämlich offenbar auf „keinen fruchtbaren Boden“ gefallen, teilt auf Nachfrage unserer Zeitung der Marketingleiter der Touristik GmbH, Wolfgang Lübben, mit. Somit biete sich auch die Erstellung einer digitalen Karte vorerst nicht an. Diese sollte mehrere Wiesen in der gesamten Gemeinde Krummhörn ausweisen, auf denen das Drachensteigenlassen besonders empfohlen wird. Damit verbunden gewesen waren Gespräche mit den Eigentümern von geeigneten Flächen.
Drachen erinnern an Greifvögel
In der Gemeinde Hinte, wo es in diesem Jahr erstmals ein großes Drachenfest geben soll, gibt es derzeit ebenfalls keine offiziellen Drachenwiesen, bestätigt auf Nachfrage Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos). Allerdings gebe es auch dort Vogelschutzgebiete, von denen Drachensportler mithilfe von geeigneten Ausweichflächen ferngehalten werden könnten.
Wie Insa Steffens unserer Zeitung bereits im Herbst erklärte, können vor allem Lenkdrachen ein Problem darstellen, da deren dreieckige Form an die Silhouette eines Greifvogels erinnert und deshalb andere Vögel verschrecken oder zumindest stressen kann. Störend sei für die Tiere auch das Surren, das die Drachen verursachen, so Steffens. Das kann jetzt während der Brut- und Setzzeit besonders fatal sei – ebenso wie zu den Zeitpunkten, wenn Zugvögel auf ihren oft Tausende Kilometer langen Wegen im Wattenmeer rasten, um sich Nahrungsreserven für den Weiterflug anzufressen.
Schnüre nie zurücklassen
Laut einem Ratgeber der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer ist deshalb auch das Fliegen in den Ruhe- und Zwischenzonen des Nationalparks grundsätzlich untersagt. „Dies gilt ebenso für mit Drachen betriebene Strand-Sportgeräte wie Buggy-Kiting oder Kite-Skating.“ Es drohen Bußgelder. Dahingegen seien Drachen in der Erholungszone grundsätzlich zulässig, sofern es keine anderslautenden örtlichen Regelungen gibt. Es wird jedoch immer darum gebeten, keine abgerissenen Schnüre zurückzulassen, da sich Vögel darin leicht verheddern und schlimmstenfalls dadurch sterben können.
Sensoren erfassen jetzt Menschen in der Krummhörn
Technische Lenkung von Besuchern schreitet voran
Um die Tiere besser vor den Drachen zu schützen, gibt es beispielsweise in der Gemeinde Dornum sogar schon zwei Drachenwiesen – in Dornumersiel und Neßmersiel, schreibt auf Nachfrage der Geschäftsführer der dortigen Tourismus GmbH, Rolf Kopper. „Die Wiese in Dornumersiel wird wesentlich besser genutzt. Dies liegt zum einen daran, dass im Deichvorland meist gute Windbedingungen bestehen. Zudem liegt die Wiese direkt angrenzend an Strand, Freibad und Campingbereich. Sie ist also auf kurzem Weg erreichbar.“
Das macht eine gute Drachenwiese aus
Der Standort ist jedoch nur ein Faktor, der eine gute Drachenwiese ausmacht, weiß Kopper. „Da man beim Drachensteigenlassen ja nun öfter nach oben schaut, sind Stolpergefahren, Löcher und Pfützen möglichst zu vermeiden.“ Sitzgelegenheiten und eine Toilette in der Nähe seien ebenfalls empfehlenswert, um Leute anzuziehen, erklärt er. Darüber hinaus sollte es natürlich genug Platz geben. „Bei Großdrachen sind die Leinen meist 150 Meter lang. Die Fläche sollte also ausreichend groß sein [...] und sie sollte regelmäßig gemäht werden.“
In der Gemeinde Dornum habe man die Wiesen vor allem deshalb angelegt, um die Drachensporter von den Stränden fernzuhalten. „Lenkdrachen sind am Strand sehr gefährlich.“ Aber auch der Vogelschutz habe bei der Auswahl der Fläche eine Rolle gespielt. Man befinde sich außerhalb des Landschaftsschutzgebiets.
Ein weiteres Beispiel für eine Drachenwiese in Ostfriesland ist die in Norddeich. Gleichzeitig dient diese als Fläche für Festivals und andere Veranstaltungen.