Stadtplanung
Neue Fußgängerzone? Aurich muss sich entscheiden
Die Sanierung der Auricher Fußgängerzone wird deutlich teurer als geplant. Nun sucht die Stadt Mittel und Wege, das Projekt trotzdem durchzuziehen. Bis zum 18. Mai muss die Entscheidung fallen.
Aurich - Die Stadt Aurich sucht Mittel und Wege, um trotz Kostenexplosion die geplante Sanierung der Fußgängerzone zu retten. Die Zahlen fliegen der Kommune um die Ohren. Statt der geplanten 3,2 Millionen Euro muss die Stadt für die Sanierung 4,4 Millionen Euro bezahlen – eine Steigerung um 37,5 Prozent, wie Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) dem Rat am 7. April mitteilte. Das habe die Ausschreibung der Arbeiten ergeben. „Die Zeit ist im Moment sehr schlecht für solche Vorhaben“, sagt der Bürgermeister im Gespräch mit der Redaktion. „Es ist alles sehr teuer geworden.“
Die Stadt muss nun bis zum 18. Mai entscheiden, ob sie den Auftrag vergibt und die Mehrkosten in Kauf nimmt – oder die Arbeiten verschiebt. Bis zu diesem Datum ist die Baufirma an das Ergebnis der Ausschreibung gebunden, wie Feddermann erläutert. Sollte der Auftrag wie geplant vergeben werden, könne es mit den Arbeiten „hoffentlich kurzfristig“ losgehen, möglichst noch in diesem Monat. Steht das Projekt also auf der Kippe? So drastisch will der Verwaltungschef es nicht ausdrücken, aber: „Die Lage ist ernst.“
Neues Pflaster, neue Möbel, neue Lampen
Die Fußgängerzone (Burgstraße und Osterstraße) wurde 1974/75 gebaut. 2018 beschloss der Rat, sie erneuern zu lassen. Die Arbeiten haben im Mai 2019 begonnen und erstrecken sich mit Unterbrechungen über mehrere Jahre. Zunächst wurden die Kanalisation und die Versorgungsleitungen erneuert (Gas, Wasser, Strom, Telekommunikation). Letzte Restarbeiten erledigt die Firma Ludwig Freytag (Oldenburg) derzeit noch in der Burgstraße.
Als Nächstes – womöglich schon Ende Mai, vielleicht aber auch später – gehen die Arbeiten oberirdisch weiter, beginnend am östlichen Ende (Osterstraße). Die Fußgängerzone erhält ein neues Pflaster, neue Möbel und neue Lampen. Die Geschäfte bleiben nach Angaben der Stadt jederzeit erreichbar. Ende 2023 soll alles fertig sein. Auf einer eigenen Internet-Seite erläutert die Stadt Hintergründe, Zeitplan und Vorgehensweise.
Wie bei der Zentralklinik
Aurich hofft nun auf zusätzliches Fördergeld vom Land Niedersachsen. Von dort gibt es zwar positive Signale, aber keine kurzfristige Finanzspritze. Das Problem explodierender Baukosten hätten viele Kommunen, sagt Kerstin van Dyk vom Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems. Dort werden die Landesmittel für die Städtebauförderung verwaltet. Aurich könne eine neue Gesamtkosten- und Finanzierungsübersicht für die Altstadtsanierung vorlegen, erklärt van Dyk. Das werde sich dann aber erst im kommenden Jahr auswirken. Die Mittel würden jeweils für ein Jahr bereitgestellt. Für 2022 gebe es noch keine Zahlen. „Vielleicht vor den Sommerferien, vielleicht auch erst danach.“
Der Auricher Landtagsabgeordnete und Ratsherr Wiard Siebels (SPD) ist zuversichtlich: „Wir werden gemeinsam versuchen, das hinzukriegen.“ Selbstverständlich stelle das Land keinen Blankoscheck aus und schaue auch sehr genau hin, ob höhere Preise etwa durch unnötigen Luxus entstünden. Aber: „Wenn es um Kostensteigerungen geht, die nicht durch die Stadt Aurich zu vertreten sind, dann werden die Fördermittel entsprechend angepasst.“ Das Gleiche gelte zum Beispiel für die Förderung der geplanten Zentralklinik für den Landkreis Aurich und die Stadt Emden in Uthwerdum.
Bürgermeister Feddermann stimmt sich beim weiteren Vorgehen eng mit der Politik ab. Sie werde laufend über die aktuelle Entwicklung informiert. Der nicht öffentlich tagende Verwaltungsausschuss – das höchste Organ nach dem Rat – muss entscheiden, wie es mit der Fußgängerzone weitergeht. Noch vor dem 18. Mai.