Berlin

Scholz eine „beleidigte Leberwurst“? Wie Melnyk überzieht

Rena Lehmann
|
Von Rena Lehmann
| 03.05.2022 17:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Nennt Kanzler Scholz „eine beleidigte Leberwurst“: Der ukrainische Botschafter Andrej Melnyk. Foto: Fabian Sommer
Nennt Kanzler Scholz „eine beleidigte Leberwurst“: Der ukrainische Botschafter Andrej Melnyk. Foto: Fabian Sommer
Artikel teilen:

Der ukrainische Botschafter nennt den deutschen Bundeskanzler eine „beleidigte Leberwurst“. Jetzt ist’s mal gut.

Es ist schon ein starkes Stück, den Regierungschef des Landes, von dem man sich dringend Hilfe erwartet und ja auch bekommt, öffentlich als „beleidigte Leberwurst“ zu bezeichnen. Als solche tituliert der ukrainische Botschafter Andrej Melnyk inzwischen Kanzler Olaf Scholz, weil der wegen der Ausladung Steinmeiers durch Kiew erstmal nicht in die Ukraine reisen will.

Melnyk verliert seit Wochen zunehmend die Contenance. Wofür man angesichts dessen, was seinen Landsleuten widerfährt, viel Verständnis haben kann. Die diplomatischen Gepflogenheiten hat er längst über Bord geworfen. Jeder Tweet ist ein Gefühlsausbruch. Melnyk vergibt die Stilnoten für deutsche Politiker und Journalisten. Viele Wochen war er damit erfolgreich, seine Kritik an der deutschen Russland-Politik der vergangenen Jahre trifft nicht selten ins Schwarze. Aber auch der Ton macht die Musik. Die Frage ist, ob er seinem Land noch hilft, wenn er – wie jetzt – den Bogen völlig überspannt.

Olaf Scholz ist immer noch der deutsche Kanzler. Er kann den Affront gegen Steinmeier nicht ignorieren, sondern würde den Bundespräsidenten im Amt beschädigen, würde er nun nach Kiew fahren. Das ist nicht „beleidigte Leberwurst“ sondern das Einmaleins des Regierungshandelns. Den geeigneten Moment, als die Reise noch von großer Symbolkraft gewesen wäre, hat Scholz ohnehin verpasst. Die ukrainische Regierung hat ihren Anteil daran.

Abgesehen davon, ist die Debatte darum, wer in die Ukraine fährt, wer schon da war und noch hin sollte, eine völlig überflüssige. Bisher hat noch kein Besuch in Kiew dem furchtbaren Krieg eine hoffnungsvolle neue Wendung geben können. Wer hinfahren will, sollte es tun. Am besten, ohne viel Aufhebens darum zu machen.

Ähnliche Artikel