Folge des Kriegs in der Ukraine
Kein Stahl: Stillstand auf der Baustelle am Leeraner Hafenkopf
In Leer wartet man seit Jahren auf den Baubeginn für die Wohn- und Geschäftsgebäude und die Promenade am Hafenkopf. Das Warten geht weiter, schuld ist der Krieg in der Ukraine.
Leer - Auf der Homepage der Terfehr Projektentwicklung klingt es so, als sei schon alles erledigt: Realisierung 2020/21 steht da unter dem Projekt „Wohn- und Geschäftshaus am Hafenkopf in Leer“. Die Realität ist eine ganz andere: Bis auf die Suche nach explosiven Überbleibseln aus dem Zweiten Weltkrieg hat sich auf der Fläche zwischen Polizeigebäude und Hafenbecken bis heute nicht viel getan.
Was und warum
Darum geht es: Weil es derzeit kaum Stahl auf dem Markt gibt, tut sich bis auf Weiteres nichts mehr auf der Baustelle am Hafenkopf.
Vor allem interessant für: alle, die sich auf einen attraktiven Hafenkopf gefreut haben
Deshalb berichten wir: Auf der Baustelle vor dem Polizeigebäude tut sich nichts. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Dabei wird es bis auf Weiteres auch bleiben: Wegen des Kriegs in der Ukraine müsse der Baubeginn auf unbestimmte Zeit verschoben werden, sagt Terfehr-Geschäftsführer Johannes Kirchner. Russland und die Ukraine seien große Stahllieferanten und wegen des Kriegs fehle dieser unverzichtbare Baustoff derzeit auf dem Markt. Ohne Stahl gebe es aber auch keine Bohlen für die Spundwand im Hafenbecken, die wiederum fertig sein müsse, um mit den Bauarbeiten beginnen zu können. Am Hafenkopf sollen zwei große Wohn- und Geschäftshäuser sowie eine Promenade mit gastronomischem Angebot und hoher Aufenthaltsqualität entstehen.
Auch Baufirmen hamstern
Wie lange die Bauarbeiten pausieren müssen, kann Kirchner derzeit nicht einschätzen. „Aktuell gehe ich eher von Wochen oder Monaten als von Jahren aus“, sagte er auf Nachfrage. Es sei aber nicht absehbar, wie lange der Krieg noch dauern werde und welche Folgen er in den verschiedenen Bereichen haben werde.
Es sei aber zu erwarten, dass sich auf dem Stahl-Weltmarkt mittelfristig neue Anbieter und Vertriebswege etablierten. Allerdings konkurriere man mit einer großen Zahl von potenziellen Abnehmern. Von denen horteten einige mehr Stahl, als sie eigentlich aktuell bräuchten. Im Privaten werde Toilettenpapier und Sonnenblumenöl gehamstert, im Baubereich halt Stahl, so Kirchner. In Abstimmung mit der Fachfirma, die voraussichtlich die Arbeiten im Hafenbecken übernehmen werde, beobachte man den Stahlmarkt genau und werde zuschlagen, sobald sich die Gelegenheit ergebe. Wenn die Spundwand-Elemente da seien, könnten sie auch eingebaut werden – wohl auch im Winter: „Es sei denn, der Hafen friert zu, aber das kommt ja eher selten vor.“
Synergieeffekte können nicht genutzt werden
Auch ein anderes großes Bauprojekt am Hafenkopf hatte in der jüngeren Vergangenheit mit gravierenden Problemen zu kämpfen: der Neubau der Uferpromenade zwischen Tourist-Info und dem Hotel Hafenspeicher durch die Stadt. Weil die beauftragte Firma Lindschulte die Bodenbeschaffenheit im Hafenbecken falsch eingeschätzt hatte, verschoben sich schon eingebrachte Spundwand-Elemente vom Land weg, als der Zwischenraum mit Sand verfüllt wurde. Auch hier kam der Zeitplan gehörig in Verzug. Die Kosten für die Stadt stiegen noch einmal deutlich.
Nun ist die Fertigstellung absehbar. Das ist eine gute Nachricht für die Stadt, eine schlechte für Terfehr. Stadt und Projektentwickler hatten gehofft, dadurch, dass die Baustelle quasi um das Hafenbecken herumwandert, Synergieeffekte nutzen zu können. Daraus wird jetzt nichts, sagt Kirchner. Auch der einstige Fußweg, der unterhalb des Polizeigebäudes am Hafenbecken vorbeiführte, könne für die Zeit des Bau-Stillstands nicht wieder geöffnet werden.
Weniger Sorgen macht sich Kirchner um den Fortgang der Arbeiten am Baugebiet an der Groninger Straße, für die ebenfalls Terfehr zuständig ist: „In weiser Voraussicht“ habe man die notwendigen Baustoffe schon frühzeitig bestellt. „Ich gehe davon aus, dass alles auch geliefert wird.“ Dann stehe einem Beginn der ersten Bauarbeiten im Sommer nichts im Wege.