Diamantene Hochzeit in Emden

Trotz langer Ehe herrscht „nicht immer nur Sonnenschein“

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 05.05.2022 07:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Seit mehr als 60 Jahren vereint: Gertrude und Hermann Dirksen feiern an diesem Donnerstag in Emden ihre diamantene Hochzeit. Foto: H. Müller
Seit mehr als 60 Jahren vereint: Gertrude und Hermann Dirksen feiern an diesem Donnerstag in Emden ihre diamantene Hochzeit. Foto: H. Müller
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Hermann und Gertrude Dirksen feiern an diesem Donnerstag in Emden ihre diamantene Hochzeit. Wenn es mal kracht, hilft die plattdeutsche Sprache.

Emden - Der Zufall brachte sie zusammen: Bei einem Fest in einem Jugendheim in Norden begegneten sich Hermann Dirksen und seine Frau Gertrude Dirksen im Jahr 1957 das erste Mal - und beim Tanzen hat es gleich gefunkt. An diesem Donnerstag feiern die Eheleute in Emden ihre diamantene Hochzeit. Das Ja-Wort gaben sich beide vor genau 60 Jahren in Norden. Dort wuchsen beide auf.

„Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt der 85-jährige Ehejubilar. Und seine vier Jahre jüngere Frau stimmt ihm nach kurzem Zögern zu. Hermann Dirksen war an jenem Abend des Kennenlernens mit Freunden aus der Stadt gekommen und hatte Musik gehört, die aus dem Jugendheim nach draußen drang. Er ging hinein - und fand die Liebe seines Lebens.

Nach dem ersten Treffen kam die Suche

Gertrude Dirksen, geborene Tatjes, war als damals 16-Jährige in Begleitung ihres Onkels und ihrer Tante auf dem Ball, den Kriegsheimkehrer im Jugendheim feierten. Das erste Wiedersehen der beiden danach ließ aber noch auf sich warten: „Ich musste sie anschließend erstmal suchen“, erzählt der Ehemann.

Er erlernte in Norden das Malerhandwerk in einer Autolackerierei, tauschte Anfang der 1960er-Jahre aber die weiße gegen eine schwarze Arbeitskleidung. Er wechselte zum Bahnbetriebswerk in Emden. Bei der damaligen Bundesbahn stieg er nach dem Besuch mehrerer Fortbildungslehrgänge vom Arbeiter zum Lokführer auf.

Von der Dampflok auf die E-Lok

Zunächst stand Dirksen hauptsächlich in den Führerständen der Dampfloks, die zur Blütezeit des Massengutumschlags im Emder Hafen mit Kohle und Erz zwischen dem Ruhrgebiet und der ostfriesischen Hafenstadt pendelten. „Der Hafen war damals voll“, sagt der 85-Jährige. Später stieg er auf E-Loks um. Die letzte Lok, die er bediente, war eine der Baureihe 111. „Sie fuhr bis zu 160 Kilometer pro Stunde, mehr ging nicht“, erinnert sich der Senior. Seit 1999 ist er im Ruhestand.

Gertrude Dirksen arbeitete zunächst drei Jahre lang als Hauswirtschafterin in einem Norder Pastorenhaushalt, bevor sie im Alter von 17 den Beruf der Näherin erlernte und war später einige Jahre lang in der Norder Spirituosenfabrik Doornkaat tätig.

Vier Kinder und drei Enkel gratulieren

Aus der Ehe gingen drei Töchter und ein Sohn hervor. Darunter ist auch ein Zwillingspaar. Sie leben heute alle mit ihren Familien in der engeren Umgebung ihrer Eltern und sind immer zur Stelle, wenn Hilfe benötigt wird. „Was wir aber selbst machen können, machen wir auch selbst“, sagt Gertrude Dirksen. Zu den Gratulanten am Ehrentag gehören auch die drei Enkelkinder des Paares.

Nach der Geburt des ersten Kindes hatte die 81-Jährige sich ganz der Familie gewidmet. Denn ihrem Mann blieb als Lokführer dazu wenig Zeit. „Man musste zu jeder Zeit und jeder Stunde da sein“, sagt Hermann Dirksen. „Da kam es auch vor, dass der Papa schlief und die Kinder vor dem Haus spielten“, erzählt er. Nebenbei engagierte sich Dirksen für das Bahnsozialwerk, betreute Rentner und Pensionäre, organisierte Feste und Ausflugsfahrten.

Ein Rezept für eine lange Ehe haben sie nicht

Ein Rezept für eine lange und glückliche Ehe haben beide nicht. Nur so viel: „Man muss sich auch mal in die Wolle kriegen“, sagt Hermann Dirksen. Es sei eben „nicht immer alles nur Sonnenschein“. Und wenn es mal Krach gibt, hilft die plattdeutsche Sprache. Beide wuchsen damit auf und pflegen sie auch untereinander. „Auf Platt kann man auch schon mal ein Schimpfwort sagen“, meint Hermann Dirksen. Im Hochdeutschen würde seine Frau ihn vermutlich „lange Zeit nicht mehr angucken“.

Die Eheleute leben seit mehr als 60 Jahren in Emden. Ihre jetzige Erdgeschosswohnung an der Schwabenstraße bezogen sie vor zehn Jahren, weil Gertrude Dirksen das Laufen und Treppensteigen schwerfällt. Dort begehen sich auch ihren Ehrentag im kleineren Familienkreis. Für diese Woche ist aber noch ein Familienessen in einem Restaurant geplant.

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