Osnabrück
Russlands Atomangriff-Übung ist ein Spiel mit dem Feuer
Die russische Armee simuliert in Kaliningrad einen Angriff mit Atomwaffen - nicht ausgeschlossen, dass Präsident Wladimir Putin im Ukraine-Krieg mit dem letzten Tabu bricht. Es wäre dramatisch.
Wenn Russland im Raum Kaliningrad einen Angriff mit nuklearen Sprengköpfen simuliert, muss man es als das ansehen, was es ist: eine unverhohlene Drohung und eine nachdrückliche Warnung an das transatlantische Verteidigungsbündnis, die es durchaus ernst zu nehmen gilt. Mit der Ostsee-Region ist sicher auch der Ort zum jetzigen Zeitpunkt nicht willkürlich gewählt.
Vieles deutet darauf hin, dass Schweden und Finnland schon bald einen Antrag auf einen Nato-Beitritt stellen könnten. Das ist Moskau ein Dorn im Auge. Der Kreml hat für den Fall, dass die beiden Nordländer ihre Neutralität aufgeben, bereits vor einiger Zeit wirtschaftliche und militärische Vergeltungsaktionen angekündigt. Der Einsatz taktischer Nuklearwaffen, also von Waffen mit einer lokal begrenzten, aber doch deutlich höheren Zerstörungskraft als bei herkömmlichen Waffen, gilt Militärexperten längst nicht mehr als undenkbar. Und seine Bevölkerung versucht Russlands Präsident Wladimir Putin in jüngster Zeit auf einen solchen Schritt einzustimmen. Deshalb ist die Zeit für Beschwichtigungen, der Kreml-Herrscher bluffe nur, vorbei.
Putins politisches Überleben hängt zunehmend vom Ausgang des Krieges in der Ukraine ab. Er könnte also versucht sein, auch umstrittene militärische Mittel anzuwenden. Das Bittere für den Westen: Egal, was die Nato unternimmt, sie bleibt Putins Willkür weitgehend ausgeliefert.
Mit dem Einsatz von Nuklearwaffen rückte eine Ausweitung des Ukraine-Krieges über das Land hinaus beängstigend näher. Putins Überfall auf das Nachbarland hat aber schon mit vielen Gewissheiten aufgeräumt, warum sollte er nicht auch das letzte Tabu brechen?