Dorfentwicklung
Pläne für Dorf-Treffpunkt sind einen Schritt weiter
Eine Untersuchung soll zeigen, wie teuer die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses in Woltzeten genau wird. Der Erfolg des Projekts hängt jedoch von mehreren Faktoren ab.
Woltzeten - Seit Jahrzehnten stehe man „hinten an“ und es werde nicht in das Dorf investiert. Mit diesen und ähnlichen Vorwürfen wurden am Mittwoch die Mitglieder des Krummhörner Infrastruktur- und Planungsausschusses konfrontiert. Dutzende Anwohner waren in das Woltzetener Dorfgemeinschaftshaus gekommen, dessen schlechter Zustand Kern der Diskussion war. Zum Ende hin gab es dann Applaus, auch wenn viele Fragen noch unbeantwortet sind.
Was und warum
Darum geht es: um die Herausforderung, ein Dorfgemeinschaftshaus für die Zukunft zu rüsten
Vor allem interessant für: Bewohner von kleinen Orten, in dem diese Häuser eine wichtige Rolle spielen
Deshalb berichten wir: Der Krummhörner Infrastrukturausschuss hatte den ersten Teil seiner Sitzung vom Mittwoch in Woltzeten abgehalten. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Aktuell wird davon ausgegangen, dass 846.000 Euro in das Gebäude investiert werden müssen, um es für die Zukunft zu rüsten. Eine stolze Summe, wenn man bedenkt, dass in Woltzeten nur knapp 200 Menschen leben. Zwar gibt es im Rahmen des Entwicklungsprogramms Dorfregion „Sieben Warfendörfer“ finanzielle Unterstützung in Höhe von einer halben Million Euro. Auf die Gemeinde käme jedoch auch ein Eigenanteil zu, der nach jetzigem Stand bei 346.000 Euro liegen soll. Angesichts der Entwicklung im Bausektor kann es aber auch teurer werden.
Dorfgemeinschaft muss dahinterstehen
Sollte man das Risiko eingehen und darauf hoffen, dass das Gebäude durch die Sanierung möglichst beliebt wird und die laufenden Kosten wieder reinkommen? Das waren die wohl wichtigsten Fragen des Abends, zu denen es unterschiedliche Meinungen gab. Focko Smit (SPD) verwies auf das Dorfgemeinschaftshaus in Visquard, wo es seiner Meinung nach gut läuft. Durch dessen Vermietung könne man die laufenden Kosten decken. Allerdings stehe auch die Dorfgemeinschaft voll hinter der Einrichtung – wie auch in vielen anderen Dörfern. Das sei auch in Woltzeten die Grundvoraussetzung, betonte er. Auch müsse jemand den Hut bei allem aufhaben.
Gleichzeitig begrüßte er die Idee aus dem Publikum, in dem Woltzetener Haus öffentliche Toiletten zur Verfügung zu stellen, wie es beispielsweise auch schon in Jennelt, Pilsum, Freepsum und Hamswehrum gemacht wird. Freepsums Ortsvorsteher Johannes Voß (SPD) betonte, dass zumindest in seinem Heimatort diesbezüglich alles gut funktioniere.
Das sind die Mängel
Anja Thomsen arbeitet beim Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) in Aurich, das für die Bewilligung von Fördermitteln im Rahmen der „Sieben Warfendörfer“ zuständig ist. Auch sie betonte bei der Sitzung die Rolle der Dorfgemeinschaft, die essenziell für die Zukunft des Hauses sei, von dem auch umliegende Orte und Urlauber profitierten. Die Zweckbindung laufe zudem zwölf Jahre lang. Wenn das Dorfgemeinschaftshaus also nicht mindestens so lange ein Dorfgemeinschaftshaus bleibt, verfällt die Förderung.
Thomsen stimmte zu, dass 846.000 Euro eine Menge Geld sind, aber zu den notwendigen Maßnahmen auch zwingend eine energetische Sanierung gehöre. Außerdem hieß es bei der Ausschusssitzung, dass Wände feucht sind, eine neue Drainage notwendig ist, das Dach neu gedeckt werden muss, dass der Estrich abgängig ist, eine neue Heizung notwendig ist und auch in die Außenanlage samt Spielplatz investiert werden muss.
Spenden sind keine gute Idee
Zunächst stand dabei noch die Option im Raum, die Außenanlagen außen vor zu lassen, um Kosten einzusparen. Dann entschied sich der Ausschuss aber auf Empfehlung von Thomsen doch einstimmig dafür, erst einmal alles zu berücksichtigen. Ohnehin steht nun erst einmal eine genauere Kostenanalyse durch ein Planungsbüro an, ein sogenanntes Leistungsverzeichnis, für das der Ausschuss nun grünes Licht gab. Laut Ina Droll-Dannemann, der Bauamtsleiterin der Gemeinde, drängt die Zeit. Das Verzeichnis sei die Grundvoraussetzung, um Fördermittel zu bekommen und laut Thomsen gibt es bald eine neue Förderrichtlinie. Bis sie in Kraft tritt, müssen alle bisherigen Anträge bewilligt worden sein.
Es wurde im Ausschuss aber auch betont, dass der jetzige Beschluss nicht bedeutet, dass das Dorfgemeinschaftshaus am Ende auch wirklich saniert wird. Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) und die anderen Ratsmitglieder stimmten jedoch der Kritik aus dem Publikum bei. „Jetzt muss auch mal Woltzeten dran sein“, betonte Looden.
Auf das Sammeln von Spenden sollten die Bewohner des Ortes jedoch in diesem Fall besser verzichten: Laut Thomsen werden diese mit den Fördermitteln verrechnet. Außerdem müsse die endgültige Spendensumme schon feststehen, bevor das Projekt eingereicht und bewilligt wird, warnte sie mit Verweis auf die Landeshaushaltsordnung.