Russlands Atomangriff-Übung

Ein Spiel mit dem Feuer

Thomas Ludwig
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Ein Kommentar von Thomas Ludwig
| 05.05.2022 19:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Start einer Iskander-Kurzstreckenrakete in der Nähe von Kaliningrad. Foto: picture alliance /-/Defense Ministry Press Service/AP/dpa
Start einer Iskander-Kurzstreckenrakete in der Nähe von Kaliningrad. Foto: picture alliance /-/Defense Ministry Press Service/AP/dpa
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Die russische Armee simuliert in Kaliningrad einen Angriff mit Atomwaffen – nicht ausgeschlossen, dass Präsident Wladimir Putin im Ukraine-Krieg mit dem letzten Tabu bricht. Es wäre dramatisch.

Wenn Russland im Raum Kaliningrad einen Angriff mit nuklearen Sprengköpfen simuliert, muss man es als das ansehen, was es ist: eine unverhohlene Drohung und eine nachdrückliche Warnung an das transatlantische Verteidigungsbündnis, die es durchaus ernst zu nehmen gilt. Mit der Ostsee-Region ist sicher auch der Ort zum jetzigen Zeitpunkt nicht willkürlich gewählt. Vieles deutet darauf hin, dass Schweden und Finnland schon bald einen Antrag auf einen Nato-Beitritt stellen könnten. Das ist Moskau ein Dorn im Auge. Der Einsatz taktischer Nuklearwaffen gilt Militärexperten längst nicht mehr als undenkbar. Und seine Bevölkerung versucht Russlands Präsident Wladimir Putin in jüngster Zeit auf einen solchen Schritt einzustimmen. Deshalb ist die Zeit für Beschwichtigungen, der Kreml-Herrscher bluffe nur, vorbei.

Putins politisches Überleben hängt zunehmend vom Ausgang des Krieges in der Ukraine ab. Er könnte versucht sein, auch umstrittene militärische Mittel anzuwenden. Das Bittere für den Westen: Egal, was die Nato unternimmt, sie bleibt Putins Willkür ausgeliefert. Mit dem Einsatz von Nuklearwaffen rückte eine Ausweitung des Ukraine-Krieges über das Land hinaus beängstigend näher. Putins Überfall auf das Nachbarland hat aber schon mit vielen Gewissheiten aufgeräumt, warum sollte er nicht auch das letzte Tabu brechen?

Den Autor erreichen Sie unter mantel@zgo.de

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