Bildung in Ostfriesland
Bald möglich: Masterstudium in Leer – unter einer Bedingung
Das duale Masterstudium in Leer soll zum Wintersemester starten. Unternehmen erhoffen sich davon, Führungskräfte wissenschaftlich fundiert ausbilden zu können. Auch Studenten können davon profitieren.
Leer - Ostfriesland hat ein großes Problem: Viele qualifizierte Leute verlassen den Landstrich. Sie suchen ihr berufliches Glück in wirtschaftlich stärkeren Regionen. Sie ziehen zum Studium weg und kommen nicht wieder. Das könnte sich nun ändern. In Leer am Business Campus soll der erste berufsbegleitende Masterstudiengang zum Herbst starten.
Was und warum
Darum geht es: Am Business Campus Leer wird der erste duale Masterstudiengang geschaffen.
Vor allem interessant für: Unternehmen, die Führungskräfte suchen und Studenten, die in Ostfriesland bleiben wollen
Deshalb berichten wir: Das Konzept des neuen Angebots wurde vorgestellt Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
„Ein Teil der Studenten wollte nach dem Bachelor gerne noch den Master machen. Das ging hier aber nicht“, so Oliver Melchert, Geschäftsführer des Business Campus Leer. Was das bedeutet, erklärte Ingo Schmidt, Prokurist beim Leeraner Unternehmen Neemann. „In den letzten zehn Jahren haben wir deshalb vier Leute verloren, die wegen eines Studiums in ein anderes Bundesland gingen“, sagte er. Das soll sich nun ändern.
Neuer Master in Leer
Das Konzept des Masters „Advanced Management“ wurde geschaffen. „Wir wollen so die Führungskräfte der Zukunft für diese Region ausbilden“, so Melchert. Das Konzept ist dabei auf eine duale Ausbildung gerichtet. Das bedeutet, dass die Studenten nebenbei bei einem Partnerunternehmen arbeiten. Der Vorteil für die Unternehmen: Sie müssen während der Ausbildung nicht auf ihre Fachkraft verzichten. „Wir würden mit den Interessenten individuelle Vereinbarungen treffen, um alles unter einen Hut zu kriegen“, so Patrick Engel vom Backring Nord.
So bestehe beispielsweise die Möglichkeit, das auf fünf Semester angelegte Studium auf sechs Semester auszudehnen. Auch sei ein Start im Sommer und im Winter möglich. Zugangsvoraussetzung für den Masterstudiengang sei ein Bachelor-Abschluss, der mindestens die Hälfte der Punkte in BWL-Modulen angeboten hat. „Unser Ziel ist es, gute Leute durch das Angebot auch hier in der Region zu halten“, betonte Melchert.
Interesse wächst
Auch die Studenten haben Vorteile. Sie werden in den Bereichen Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Strukturwandel und Agilität wissenschaftlich fundiert ausgebildet und können das Gelernte direkt im Betrieb anwenden. Die Hoffnung: Das Wissen und der Spaß daran, Neues anzuwenden führt dazu, dass die jungen Leute lange im Unternehmen bleiben.
Aus der Wirtschaft wird die Initiative befürwortet. Rund 60 Unternehmen sind Partner des Business Campus. „Das Interesse der jungen Leute an einem Master wächst. Somit ist das Angebot eine wichtige Sache“, so Schmidt vom Backring Nord. Das Angebot sei für die ganze Region wichtig und biete eine Qualifikation für weitergehende Aufgaben.
Mit Unternehmen entwickelt
Das Konzept, das derzeit noch vom Akkreditierungsrat begutachtet wird, wurde gemeinsam mit Unternehmen aus der Region und Studenten entwickelt. Im Fokus stand dabei, eine gewisse Ausbildungstiefe zu gewährleisten und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die Anforderungen zu bewältigen sind. So stand am Ende folgender Plan: Die künftigen Studenten werden an zwei Abenden in der Woche Seminare haben. Drei Wochenenden im Semester herrscht Präsenzbetrieb. Von Freitag bis Samstagnachmittag wird dann intensiv an Inhalten gearbeitet. Hinzu kommen zwei Blockwochen im Halbjahr. Gleichzeitig gibt es drei veranstaltungsfreie Wochen pro Semester, die für Urlaube genutzt werden können. Sowohl die Unternehmen, als auch der Business Campus, der zur Hochschule Emden/Leer gehört, versprechen sich viel von dem neuen Angebot.
„Wir rechnen mit etwa 20 Studenten pro Startpunkt“, so Oliver Melchert. Ab Mitte Mai bis Mitte Juli kann man sich beim Business Campus für den Master bewerben. Dabei gilt es zu bedenken, dass es sich bei dem Angebot um einen Bezahlmaster handelt.
Die Hochschule und der Student schließen miteinander einen Vertrag. In diesem sind die monatlichen Studiengebühren geregelt, die durch den Studenten oder seinen Arbeitgeber zu entrichten sind. Die Gebühren werden 1500 Euro pro Semester betragen. Weitere Informationen rund um den neuen Studiengang gibt es auf der Website der Hochschule.