Berlin
Nach Kliemann-Enthüllungen: Betroffene Hilfsorganisation meldet sich zu Wort
Nach den ZDF-Recherchen zu Fynn Kliemann hat sich jetzt eine betroffene Hilfsorganisation geäußert. Weitere Reaktionen gab es von Prominenten und enttäuschten Fans.
Im Zuge des ZDF Magazin Royale-Beitrags zum angeblichen Masken-Betrug von Fynn Kliemann war auch darüber berichtet worden, dass Kliemann und sein Geschäftspartner Tom Illbruck minderwertige Masken an ein Flüchtlingslager geliefert haben sollen. Jetzt hat sich die betroffene Hilfsorganisation „Wir packen’s an“ zu Wort gemeldet.
Die deutsche Nothilfe-Organisation für Geflüchtete mit Sitz in Bad Freienwalde gibt in einer Stellungnahme des Vorstandes an, im April 2020 händeringend nach Schutzmasken für das Flüchtlingslager Vial auf der griechischen Insel Chios gesucht zu haben. Das Angebot von „GlobalTactics“, der Firma von Tom Illbruck, aus Europa produzierte Masken zum Selbstkostenpreis zu liefern, empfand die Organisation als „Geschenk des Himmels“.
Insgesamt hätte die Organisation nach eigenen Angaben 5400 Masken, die direkt aus Portugal geliefert werden sollten, zum Preis von etwa 6300 Euro gekauft. Darüber hinaus seien 600 Masken von „GlobalTactics“ gespendet und die Versandkosten übernommen worden.
Die nun im Raum stehenden Anschuldigungen, dass die Masken minderwertig waren, nicht fair in Europa produziert und damit nicht zum Selbstkostenpreis verkauft wurden, beschäftigt nun die Hilfsorganisation aus Bad Freienwalde. „Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, fühlen wir uns betrogen und verraten“, schreibt der Vorstand in der Stellungahme. „Das Allerschlimmste daran wäre aber nicht der Umgang mit uns, sondern das Geschäftemachen auf den Rücken von Schutzsuchenden, von Menschen die vor Krieg und Elend flüchten, die Schutz brauchen anstatt Betrug.“
Auch die Reaktionen von Prominenten und Fans ließen nicht lange auf sich warten, handelt es sich bei Kliemann doch um einen der populärsten Influencer in Deutschland. Zu seinen Merkmalen gehört seine Art des Kumpel-Typen von nebenan, der gerne viel ausprobiert und viel Gutes tut. Diese Fassade beginnt nun zu bröckeln. Viele Fans zeigen sich enttäuscht von ihrem einstigen Idol, werfen ihm Geldgier und Betrugsmasche vor.
Am Freitagabend veröffentlichte Kliemann eine siebenminütige Stellungnahme auf seinem Instagram-Account. Dass er kaum einen seiner Follower damit besänftigen konnte, zeigt ein Blick in die Kommentarspalte. „Sorry, aber das wird nicht mehr gut“, schreibt eine Userin. Eine anderer Followerin zeigt sich ebenfalls enttäuscht: „Das traurige ist, dass ich wirklich kurz dachte ‘was will Böhmi von dir – jetzt übertreiben die’. Aber leider hat das ZDF Magazin Royal immer einen Grund wenn sie ein Thema aufgreifen. Extrem enttäuschend für junge, kreative Menschen, die in dir ein Vorbild gesehen haben.“
Ein weiterer Instagram-Nutzer schreibt „Shitstorm kann auch geil sein, ne Fynn“ – eine Anspielung auf eine WhatsApp-Nachricht des YouTubers an seinen Geschäftspartner, in der er bezogen auf die Corona-Pandemie und das Maskengeschäft den Text „Krise kann auch geil sein“ geschrieben haben soll.
Längst nicht alle begegnen Kliemann jedoch mit Enttäuschung und Wut. Eine Followerin schreibt: „Finds gut das du dich äußerst, egal wie, jeder hat schon mal Mist gebaut…und wer hier frei von schuld ist, darf verurteilen und Finger zeigen….ansonsten sollte man die Klappe und den Finger still halten. Auch ein Jan ist nicht frei von schuld.“
Doch nicht nur Fans, auch Prominente äußerten sich zu den jüngsten Enthüllungen. Die Satireseite „Der Gazetteur“ verglich Moderator Jan Böhmermann etwa mit dem YouTuber Rezo, inklusive der „Zerstörung von Fynn Kliemann“.
Der Journalist Stephan Anpalagan nimmt die Enthüllungen über Fynn Kliemann zum Anlass, um darauf hinzuweisen, dass Korruption und Betrug nicht nur Themen in Ländern der Dritten Welt sind.
Auch der Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“, Moritz Hürtgen, meldet sich auf Twitter zu Wort. Er vermutet, dass Kliemann sich nun einen Anwalt suchen wird, den er gegen Kost und Logis engagieren kann. Der Hintergrund: In seinem „Kliemanns-Land“ hatte der YouTuber seine Anhänger ohne Bezahlung arbeiten lassen.