Serie „Wiesmoorer Köpfe“  Bei Frau Rautmann lernte man fürs Leben

Werner Wiggermann
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Von Werner Wiggermann
| 10.05.2022 09:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Diesen großen Kochlöffel hat ein ehemaliger Schüler Karin Rautmann geschenkt. Foto: Wiggermann
Diesen großen Kochlöffel hat ein ehemaliger Schüler Karin Rautmann geschenkt. Foto: Wiggermann
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Karin Rautmann hat als Deutsch- und Englischlehrerin in Wiesmoor zwischen 5000 und 6000 Schüler unterrichtet. Resolut, streng, aber immer fair: Viele von ihnen erinnern sich noch immer gern an sie.

Wiesmoor - Eigentlich wollte sie nur drei Jahre bleiben. Weil es hier eine interessante Stelle gab für eine junge Grund- und Hauptschullehrerin voller Tatendrang. Später würde sie weiterziehen, vielleicht nach Oldenburg, wo sie studiert hatte, oder in eine andere große Stadt. 41 Jahre Wiesmoor wurden es dann für die gebürtige Wilhelmshavenerin Karin Rautmann. Ihr ganzes Berufsleben an einer Schule. Das prägt: sie selbst, die Schule und zwischen 5000 und 6000 Schülerinnen und Schüler.

Genau weiß Karin Rautmann nicht, wie viele es wirklich waren, die sie als Lehrerin für Englisch und Deutsch sowie als Klassenlehrerin auf einem wichtigen Teil des Erwachsenwerdens begleitet hat. Die Ersten haben den größten Teil ihres eigenen Berufslebens inzwischen schon hinter sich. Ein bekannter Hotelier gehört dazu oder auch Karl-Heinz Müller und Klaus Frieden, die wir als „Wiesmoorer Köpfe“ bereits vorgestellt haben. „Sie war eine tolle Lehrerin“, findet Frieden, „resolut, streng, aber immer fair.“ Und erfolgreich in dem Bemühen, die englische Sprache wirklich als aktive Kompetenz fürs Leben zu lehren. „Sie ist ihrem Stil stets treu geblieben und sie hat es immer verstanden, die Stärken bei jedem einzelnen herauszukitzeln“, ergänzt Müller.

„Das ist der eigentliche Lohn meiner Arbeit“

Die hohe Wertschätzung vieler ehemaliger Schüler drückt sich auch aus, wenn sie bei gutem Wetter durch die Stadt radelt: „Viele winken dann, immer wieder werde ich freundlich angesprochen. Das ist der eigentliche Lohn meiner Arbeit“, weiß Karin Rautmann. Die war übrigens immer mehr, als „nur“ Sachkompetenz zu vermitteln. Um Respekt ging es vor allem, den lebte sie vor, forderte ihn aber auch ein; wenn sie zum Beispiel jemanden kraftvoll ansprach, der Verpackungen oder anderen Müll achtlos zu Boden fallen ließ. Und wenn dann ein solcher Jemand sein Tun auch noch mit einem vorlauten Spruch krönte wie „Dafür sind die Putzfrauen doch da!“, dann konnte er Frau Rautmann aber mal richtig kennenlernen.

Man lernte eben fürs Leben bei ihr. Schon in den Grundschuljahren. Auch spätere Akademiker bekamen hier ihr Rüstzeug für den Weg zum Abitur, zum Studium und manchmal noch ein gutes Stück weiter. Dass etwa ein erfolgreicher Hamburger Wissenschaftler bei ihr das erste Rüstzeug erwarb, darauf ist die heute 73-Jährige zu Recht stolz. Eigentlich noch wichtiger ist ihr aber, dass sie so viele Hauptschulabsolventen gut auf den Weg in den Beruf und ins Leben gebracht hat. Darunter viele, die heranwachsend als „Loser“ geschmäht worden waren. Manche wurden dann Chefkoch, Abteilungsleiter und andere Leistungsträger. „Aber das ist natürlich nicht allein mein Verdienst“, schränkt Karin Rautmann sogleich ein.

„Wir haben die wohl manchmal ganz schön getriezt“

Besonders mit den Kollegen Hans Westphal und Heinz Grohn konnte sie sehr gut zusammenarbeiten. Das Trio hatte die gleichen Vorstellungen und setzte sie in verschiedenen Fächern um. Ein Anspruch, der forderte. „Wir haben die wohl manchmal ganz schön getriezt“, lächelt sie im Rückblick.

Überhaupt war das Klima in der heutigen KGS (Kooperative Gesamtschule) unter den vielen etwa gleichaltrigen Kollegen anscheinend sehr gut. Noch heute trifft sich ein großer Kreis regelmäßig, wenn die Corona-Lage es zulässt. Ein Kreis von Zeitzeugen, die die Stadt haben wachsen sehen und den Wandel ihres Schulsystems miterlebt und mitgestaltet haben. Einige unter ihnen, die anfangs noch per Residenzpflicht zu Bürgern der Großgemeinde wurden, sich dann (oft durch sanfte Hilfestellung ihres Rektors Harm Eilers) an den Ort binden ließen – und Bürger der Stadt Wiesmoor dann irgendwann aus voller Überzeugung wurden. Wie eben Karin Rautmann und übrigens auch ihr Mann Volker, der ab 1973 auch Kollege in Wiesmoor war.

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