Berlin  Lambrechts Heli-Reise mit Sohn: Unpassend, aber kein Rücktrittsgrund

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 10.05.2022 16:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden: SPD-Politikerin Christine Lambrecht steht in der Kritik. Foto: Ole Spata
Das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden: SPD-Politikerin Christine Lambrecht steht in der Kritik. Foto: Ole Spata
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Christine Lambrecht nimmt ihren Sohn öfter mal im Regierungsflieger mit. Das ist nicht verboten - und für sich genommen kein Rücktrittsgrund.

Minister haben einen vollen Terminkalender und sehr wenig Zeit für die Familie. Wenn Christine Lambrecht des öfteren mal ihren Sohn mitnimmt auf Dienstreisen und dies - wie offenbar geschehen – korrekt anmeldet und bezahlt, ist dagegen erstmal nichts einzuwenden. Es ist nicht verboten. Und wenn das nicht mehr möglich ist, wird sich demnächst kaum noch jemand für die Spitzenpolitik entscheiden. Jedenfalls niemand mehr, der eine Familie hat. Das kann niemand wollen.

Bei Christine Lambrecht aber liegen die Dinge noch etwas anders. In ihrem Fall wird die Mücke zum Elefanten, weil es nicht das erste Mal ist, dass die Verteidigungsministerin das nötige Fingerspitzengefühl im Amt vermissen lässt. Einmal verkündet sie die Lieferung von 5000 Helmen an die Ukraine als große Wohltat, nach Amtsantritt flog sie erstmal in den Urlaub, später besuchte sie auf Stöckelschuhen die Truppe im malischen Wüstensand. Wer also ohnehin schon unter verschärfter Beobachtung steht, für den kann der Helikopterflug mit Sohn zum Truppenbesuch und anschließendem Osterurlaub auf Sylt, während Russland die Großoffensive im Osten der Ukraine startet, eben doch zum Problem werden. Es kostet Vertrauen, wenn der Eindruck entsteht, es hat System, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Ein konkreter Rücktrittsgrund ist all das noch nicht – aber die Verteidigungsministerin gibt einfach keine gute Figur ab. Und das in Zeiten, in denen es besonders auf sie ankommt.

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