Wandel in Auricher City „Windhunde“ und ihre Nase für gute Laden-Mietpreise
Die Stadt will einen Laden im Taubenschlagtempo vermieten. So soll Abwechslung in die Innenstadt gebracht werden. Andere Vermieter sind derzeit eher glücklos.
Aurich - Bühne frei für alle experimentierwilligen und -freudigen Unternehmer: In der Burgstraße 41 stellt die Stadt Aurich ab sofort ein Ladenlokal bereit, das für eine sehr kurze Zeit, nämlich eine Woche, bis maximal drei Monate angemietet werden kann. Das Angebot solle die Innenstadt beleben, sagt Vicki Janssen am Mittwoch. Die City-Managerin ist froh, dass sie dieses „Wir-sind-da-und-auch-schon-wieder-weg“-Ladenlokal, auch Pop-up-Store genannt, ausfindig gemacht hat und anmieten konnte. Es dient verschiedenen Zwecken: „Angemietet werden kann es sowohl von Gründern, die eine Geschäftsidee testen wollen, als auch von etablierten Firmen, die dort einen Abverkauf von bestimmten Artikeln lancieren möchten.“
In dem Ladenlokal sind bis vor fast einem Jahr Textilien verkauft worden. Seither steht es leer, ebenso wie die Geschäfte mit den Hausnummern 39, 37, 35. Dieser tote Winkel wird sowohl von den anderen Einzelhändlern, aber auch vom Kaufmännischen Verein sowie der Stadt beklagt. Es geht eine negative Sogwirkung davon aus, heißt es ein ums andere Mal. Deshalb hat die Stadt durch das EU-Sofortprogramm „Perspektive Innenstadt“ Fördergeld akquiriert, um Leerstände wirkungsvoller bekämpfen zu können. Eine Aktion ist der Pop-up-Store mit seiner Ladenfläche von 120 Quadratmetern. Zusätzlich gehören ein kleines Lager und eine Küche dazu. Vor einigen Tagen hat Vicki Janssen das Schaufenster von einer Fachfirma gestalten lassen.
Interessenten sollten schnell reagieren
Grundsätzlich könne es ab sofort genutzt werden, sagt die City-Managerin: „Wer sich interessiert, kann mir eine Mail an v.janssen@stadt.aurich.de schreiben. In ein paar kurzen Sätzen sollte erklärt werden, für welche Zwecke man das Ladenlokal nutzen möchte.“ Es sei ratsam, rasch in die Puschen zu kommen. Die Ladenmiete sei sehr günstig. Einen konkreten Preis wollte Vicki Janssen nicht nennen, weil die Miete immer individuell ausgehandelt werde. Die Konditionen würden dem Einzelfall angepasst. Sprich: Einem Start-up, das über vergleichsweise wenig Mittel verfüge und das Geschäft nur kurz zur Erprobung eines Produkts nutzen möchte, nehme man weniger Geld ab als einem Traditionsunternehmen, das dort lediglich einen Abverkauf von Saisonartikeln organisiere. Der häufigere Nutzerwechsel gehöre zum Konzept und solle den „Jagdinstinkt“ des Kunden aktivieren. Der weiß nämlich irgendwann, dass es sich lohnt, in dem Haus an der Burgstraße 41 vorbeizuschauen, weil dort Schnäppchen abzugreifen sind.
Mit diesem Karussell-Effekt spielt auch Silvia Zeller. Der Unternehmerin gehört das an den Pop-up-Store angrenzende Ladenlokal. Dort hat der Filialist Ernstings family bis vor wenigen Wochen seine Produkte angeboten. Derzeit steht das Geschäft leer, sieht aber nicht danach aus: „Ich habe aus meinem Kunst- und Trödel-Geschäft in Norden einige Artikel entnommen und das Schaufenster schön dekoriert“, sagt Silvia Zeller. Vor dem Geranienmarkt habe sie damit begonnen, damit das Ladenlokal nicht so trist ausschaut. Sie werde die Auslage in regelmäßigen Abständen ändern, um den Passanten immer wieder neue Anreize zu bieten. Die Artikel seien im Übrigen mehr als ein Blickfang. Sie verkaufe die Waren selbstverständlich auch. Dafür genüge ein Anruf, um sich mit ihr in Verbindung zu setzen. „Manchmal bin ich aber auch in Aurich im Ladenlokal, dann kann man mich gerne ansprechen“, sagt die Geschäftsfrau.
Kein Geld für Delikatessen
Noch bis vor wenigen Wochen war sie guter Hoffnung, dass sie einen Mietvertrag mit einem Interessenten für das 250 Quadratmeter große Ladenlokal abschließen wird. Der Jung-Unternehmer wollte in dem Ladenlokal Delikatessen verkaufen. „Doch leider ist er abgesprungen“, sagt Silvia Zeller. Es habe offenbar Probleme mit der Bank gegeben. Wie auch immer. Die Vermieterin kann verstehen, dass in diesen Zeiten niemand einen Laden eröffnet. „Erst die Corona-Pandemie, dann der Krieg! Wer will unter diesen Bedingungen ein großes, finanzielles Risiko eingehen?“, stellt die Geschäftsfrau eine rhetorische Frage.
Ebenfalls in einer Warteschleife steckt die Vermieterin des Eckhauses an der Burgstraße 35. Dort gibt es nach deren Aussage einen Vertrag mit einem Mann, der dort ein Geschäft eröffnen möchte. Aus welcher Branche er kommt und was im Angebot sein wird, wollte die Vermieterin nicht verraten. Eines schloss sie allerdings kategorisch aus: Dass in dem Geschäft ein Media-Store der Emder Zeitung eröffnet wird. Dieses Gerücht hielt sich in den vergangenen Wochen sehr hartnäckig. Was sind die Gründe für die verzögerte Öffnung: „Es gibt offenbar Probleme mit dem Verlegen des Teppichbodens.“ Auch die Vermieterin des Eckhauses spricht von Zukunftsängsten und veränderten Miet-Konditionen. Der Vertrag laufe nur über eine Zeit von zwei Jahren. Das sei einer Anpassung an die unsicheren Zeiten geschuldet. Früher seien bei Geschäftsimmobilien Verträge mit Laufzeiten bis zu zehn Jahren üblich gewesen.
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