Toronto Vegetarische Kinder entwickeln sich ähnlich wie Fleischesser – mit einem Unterschied
Forschende haben in einer Langzeitstudie herausgefunden, dass Kinder, die sich vegetarisch und vegan ernähren, ähnlich gesund sind wie ihre Fleisch essenden Altersgenossen. Doch es gibt ein bedeutendes Defizit.
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Vegetarische und vegane Ernährung boomt. Sie hat nicht nur positive Auswirkungen auf Klima und Tierwohl, sondern auch auf die eigene Gesundheit. Kaum untersucht sind jedoch die Auswirkungen von fleischloser Lebensweise auf Heranwachsende. Forschende vom St. Michael’s Hospital in Toronto, Kanada, haben nun in einer großen Längsschnitt-Kohortenstudie mit fast 9000 Kindern im Alter zwischen sechs Monaten und acht Jahren untersucht, ob vegetarische oder vegane Ernährung negativen Einfluss auf die kindliche Entwicklung hat.
Das Ergebnis der Studie: Vegetarisch lebende Kinder haben ein ähnliches Ernährungs- und Wachstumsniveau wie ihre Fleisch essenden Altersgenossen. Aber: Sie haben auch ein fast doppelt so hohes Risiko, untergewichtig zu sein, berichtet das Team um Kinderarzt Jonathon Maguire im Fachblatt „Pediatrics“.
Maguire fasst die Ergebnisse der Untersuchung wie folgt zusammen: „Diese Studie zeigt, dass kanadische Kinder, die sich vegetarisch ernährten, im Vergleich zu Kindern, die sich nicht vegetarisch ernährten, ein ähnliches Wachstum und ähnliche biochemische Ernährungsmaße aufweisen. Eine vegetarische Ernährung war mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Untergewicht verbunden.“ Das Team empfiehlt Eltern daher, bei vegetarischen Minderjährigen besonders auf einen ausgewogenen Speiseplan zu achten.
Neben dem erhöhten Risiko an Untergewicht konnten die Forschenden jedoch keine gravierenden Abweichungen zwischen den beiden Ernährungsweisen ausmachen. Die Auswertung der Daten ergab, dass Kinder, die sich vegetarisch ernähren, in Sachen Body-Mass-Index (BMI) Körpergröße, Eisen-, Vitamin-D- und Cholesterinspiegel nicht von Fleischessern unterscheiden. Auch einen Nährstoffmangel konnte das Team um Maguire nicht feststellen.
Untergewicht ist ein Indikator für Unterernährung und kann ein Zeichen dafür sein, dass die Qualität der Ernährung des Kindes nicht den Ernährungsbedürfnissen entspricht, um ein normales Wachstum zu unterstützen. „Pflanzenbasierte Ernährungsmuster werden aufgrund der erhöhten Aufnahme von Obst, Gemüse, Ballaststoffen, Vollkornprodukten und reduzierten gesättigten Fettsäuren als gesundes Ernährungsmuster anerkannt“, erklärt Maguire.
Die Studie des kanadischen Studienteams weist jedoch einige Mankos auf: „Da die Anzahl der Kinder mit Untergewicht in der Studie insgesamt sehr niedrig war, ist der scheinbare Unterschied zwischen den zwei Gruppen daher möglicherweise auf einen Zufallseffekt zurückzuführen“, erklärt Peter von Philipsborn von der Ludwig-Maximilians-Universität München im Science Media Center.
Zudem wurde nicht näher unterschieden, ob die Kinder sich vegetarisch oder vegan ernährten. „Aus anderen Studien weiß man, dass es bei einer veganen, das heißt rein pflanzlichen Ernährung, unter anderem zu einem Vitamin-B12-Mangel kommen kann. Deshalb sollten alle Menschen, die sich vegan ernähren, ein Vitamin-B12-Präparat einnehmen“, erklärt von Philipsborn.