Hamburg Hört endlich auf, Trailer zu gucken – sie ruinieren jeden Film
Bock, die besten drei Minuten eines Filmes schon vor dem Kino-Besuch zu sehen? Nein? Ich auch nicht! Aber genau das ist das Prinzip von Trailern. Wer sich von Filmen noch überraschen lassen will, sollte auf Trailer verzichten.
In diesem Artikel erfährst Du:
Wann bist Du das letzte Mal aus dem Kinosessel aufgestanden und dachtest, „Wow! Der Film hat mich jetzt aber so richtig überrascht“ Lange nicht mehr? Kein Wunder! Schuld sind die Trailer. Sie sollen Bock auf den Film machen – und versprechen daher viel zu viel. Sie sind wie Freunde, die uns ein Restaurant empfehlen, in dem uns dann später das falsche Essen serviert wird. Da hilft nur eins: Freundschaft beenden - überspitzt gesagt. Oder anders ausgedrückt: Hört endlich auf, Euch Film-Trailer anzugucken. Sie machen das Leben nicht besser.
Reisen wir zurück ins Jahr 2015: Du als riesiger „Star Wars“-Fan (zumindest hypothetisch) freust Dich mega auf den ersten Teil der neuen Trilogie. Die Entscheidung ist gefallen. Du wirst Dir den Film im Kino ansehen – ganz egal ob mit oder ohne Trailer.
Geschaut haben wir den Trailer trotzdem alle; haben schon Monate vorher gesehen, dass Han Solo plötzlich wieder im Millennium Falcon über die Kinoleinwand rast. Dass Chewbakka und Prinzessin Leia wieder eine Rolle spielen. Und dass auch dieses Mal wieder ein Typ mit schwarzer Maske und rotem Lichtschwert allen das Leben schwer macht. Und jetzt stell Dir mal vor, all das hättest Du erst live im Kino erfahren. Wie cool und aufregend wäre das bitte gewesen?!
Okay, zugegeben: Wer ganz ohne vorher zumindest ein wenig gespoilert zu werden in einen „Star Wars“-Film gehen will, muss sich wahrscheinlich ein halbes Jahr lang im Keller einschließen. Aber es gibt genügend Filme, bei denen es problemlos möglich ist, nicht schon vorher in die Trailer-Falle zu tappen.
Ich verstehe, dass die Versuchung, sich im Voraus etwas anzusehen, manchmal stärker sein kann, als die Macht in Luke Skywalker. Aber wer sich zwei oder drei Trailer zu einem Film anguckt, kennt schon vor dem Release zehn Minuten des Streifens. Und das Schlimme daran: Es sind wahrscheinlich die besten zehn Minuten. Und am Ende sind wir im Kino dann enttäuscht, dass nicht jede Szene so cool war, wie die, die wir bereits kannten.
Wenn wir einen Trailer anschauen, machen wir uns zudem schon eine grobe Vorstellung von der Handlung und ziehen erste Schlussfolgerungen, was passieren könnte. Und wenn wir dann beim Anschauen des Filmes merken, dass alles ganz anders kommt, fühlen wir uns womöglich betrogen.
Oder noch schlimmer: Der Trailer spoilert den halben Film. So passiert zum Beispiel in der Vorschau zu „Terminator: Genisys“. (SPOILER-ALERT!!) Ohne jegliche Vorwarnung wurde in dem zweieinhalb-minütigen Clip verraten, dass sich der Held der Reihe, John Connor, plötzlich selbst in einen bösen Terminator verwandelt.
Kennst Du den Film „Knives Out“? (Falls nicht: Klare Guckempfehlung!) Hier hatte der Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson Zuschauer vor der Veröffentlichung sogar davor gewarnt, sich Trailer anzugucken und den Film stattdessen ganz unvoreingenommen zu schauen.
Man solle den Film „clean“ schauen, empfiehlt Johnson in diesem Tweet:
Und eigentlich müssen Star Wars, Marvel und Co. ihre Filme gar nicht mit Trailern bewerben. Ins Kino würden trotzdem genug Leute gehen. Warum sie dennoch Trailer produzieren? Weil die großen Studios eben nicht nur die Hardcore-Fans ansprechen wollen, sondern auch Neulinge ins Kino locken möchten. Noch wichtiger sind Trailer - zumindest finanziell gesehen – sogar für die „kleineren“ Produktionen. So soll sichergestellt werden, dass das Publikum auch weiß, dass der Film überhaupt ins Kino kommt.
Einige Produktionen gehen mittlerweile aber neue Wege. „Deadpool“ zeigte im Trailer zum Beispiel alternative Szenen, um dem Publikum später im Kino etwas Neues zu bieten. Und im Trailer von „Avengers: Infinity War“ verwendeten die Regisseure absichtlich irreführende Szenen, die nicht im Film vorkamen, damit die Fans nicht vorher die Handlung erraten konnten.
Trailer wollen, dass wir Filme lieben. Und wir wollen Filme lieben. Aber irgendwie passt es nicht zusammen. Wir sind wie Han Solo – und Trailer sind wie Kylo Ren. Und bevor sie uns also das Lichtschwert ins Filmerlebnis rammen, sollten wir lieber abschalten.