Ostfriesland fährt Rad  Tipps: Wie finde ich das richtige E-Bike für meine Touren?

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 15.05.2022 12:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Beratung wird beim Fahrradtag großgeschrieben.
Beratung wird beim Fahrradtag großgeschrieben.
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Der Auricher Fahrradhändler Armin Kutschke warnt eindringlich davor, sein Rad bei einem Discounter zu erwerben. Am Anfang spare man, dann zahle man drauf. Er erklärt warum.

Aurich - Drahtesel hießen sie früher. Eine liebenswerte, aber heute völlig untaugliche Bezeichnung für Fahrräder. Passender wäre da schon eher der Name Carbon-Rakete. Aus diesem Material sind etliche der heutigen, vielfach elektrobetriebenen Hochleistungsräder gemacht. Aber auch Titan, Stahl und Aluminium werden verwendet. Mit im Schnitt 25 km/h sind die E-Räder im Vergleich zu ihren mit Muskelkraft betriebenen Geschwistern pfeilschnell. Und ins Schwitzen kommt man darauf auch nicht. Diese Vorteile wollen in Deutschland immer mehr Menschen genießen. 2021 sind in Deutschland 1,9 Millionen E-Bikes verkauft worden. 2011 waren es noch 310 000. Die Technik ist immer ausgefeilter geworden. Die Räder wurden immer leichter, die Reichweiten der Akkus immer größer. Sie liegt im Schnitt für Tagestouren bei rund 40 Kilometern, je nachdem für welches Modell man sich entscheidet. Genau bei diesem Punkt taucht die entscheidende Frage auf: Welche Fehler sollte ich beim Kauf eines E-Bikes vermeiden? Diese Fragen stehen auch beim 1. Ostfriesischen Fahrradtag am heutigen Sonntag auf dem Auricher Marktplatz im Mittelpunkt. Fachhändler geben ab 11 Uhr Auskunft. Die Redaktion hat im Vorfeld mit einem Anbieter in Aurich gesprochen, welche Fehler gemacht werden können.

Falsches Modell

Soll es ein E-Trekkingsbike, ein E-Mointainbike oder ein E-Faltrad sein? Um das herauszufinden, fragt Armin Kutschke seine Kunden als erstes, wann sie fahren, wo sie fahren und wie lang die Strecken sind. Ob regelmäßig viel zu transportieren ist, könne ebenfalls ein entscheidender Aspekt sein. Der Inhaber der Auricher Fahrradhandlung Drahtesel im Einkaufszentrum Caro am Fischteichweg sagt, dass für die Bedürfnisse der meisten seiner Kunden ein E-Cityrad ausreichend sei. Im Schnitt würden von der Mehrheit tägliche Strecken zwischen fünf und zehn Kilometern zurückgelegt.

Fahrradhändler Armin Kutschke bietet ein Programm an, das die richtige Rahmengröße für den Kunden berechnet. Fotos: Boschbach
Fahrradhändler Armin Kutschke bietet ein Programm an, das die richtige Rahmengröße für den Kunden berechnet. Fotos: Boschbach

Falscher Motor

Ein Bike kann an drei Stellen elektrisch angetrieben werden: Hinterrad, Vorderrad, Tretlager. Der früher sehr gebräuchliche Vorderradantrieb ist vom Mittelmotor verdrängt worden. „Da hat sich der Hersteller Bosch sehr stark ins Zeug gelegt“, sagt Armin Kutschke über den Marktführer. Wie lässt sich die Leistung des Rads messen? Es ist ein Zusammenspiel aus Motor und dem Drehmoment, also der Kraft, die der Fahrer in die Pedale gibt. Der Fachmann spricht von Newtonmeter. Die marktüblichen Motoren haben einen Leistungsumfang zwischen 40 und 90 Newtonmeter für ein Spitzenmodell. Dieses kann dann bedenkenlos im bergigen Terrain oder mit größerem Gepäck eingesetzt werden. Dafür wären nach Meinung von Experten aber auch bereits 75 Newtonmeter ausreichend.

Falscher Händler

Der größte Fehler, den man beim Erwerb eines E-Bikes machen kann, besteht nach Auffassung von Armin Kutschke darin, sein Rad nicht bei einem Fachhändler zu kaufen, sondern bei einem Discounter oder im Baumarkt. Der Nachteil: Man habe später weder die Gewähr, einen guten Service zu bekommen, noch keine man sein E-Bike reparieren lassen. „Bei den modernen Rädern wird viel über Elektronik gesteuert. Um diese Daten auslesen zu können, benötigt man Informationen des Herstellers, die natürlich für mich nicht verfügbar sind, wenn das Rad woanders erworben worden ist“, sagt Armin Kutschke. Selbst wenn er es wolle, sei er oft gar nicht in der Lage, einen Defekt zu beheben. Im Übrigen könne man davon ausgehen, dass bei einem sehr günstigen E-Bike um 1000 Euro herum an Komponenten gespart werde. Die Bereifung sei dann nicht so hochwertig, das Bremssystem vielleicht weniger langlebig. Nach seinem Dafürhalten liegt die Einstiegspreisklasse für ein akzeptables E-Bike bei rund 2000 Euro.

Falsche Größe

Im Auricher Fachgeschäft Drahtesel bietet Armin Kutschke seit Jahren eine Vermessung des Körpers an, um den optimalen Rahmen für den Kunden zu finden. Wenn die Sitzposition auf dem E-Bike nämlich dauerhaft misslich ist, könnten sich Rücken-, Schultern- oder Hüftprobleme einstellen. Es komme zu Verspannung, schließlich zu Schmerzen. Kutschke arbeitet mit der Software Smartfit eines Freiburger Startups (https://www.onlinesizing.bike/de/) zusammen. Mit dem System werden nach Angaben von Größe, Gewicht und Beinlänge die geeignete Rahmengrößen ermittelt. Die Auswertungen können auf Räder unterschiedlicher Hersteller bezogen werden. Er selbst arbeite mit dem Bielefelder Hersteller Patria zusammen, so Kutschke. Die Firma sei eine der wenigen, die ihre Stahlrahmen für E-Bikes noch in Deutschland herstelle und Räder auch nach individuellen Erfordernissen produziere. „Das ist vor allen Dingen bei großen Frauen oft angezeigt, weil sie oft Schwierigkeiten haben, einen passenden Rahmen zu finden“, sagt Armin Kutschke.

Fahrradhändler Armin Kutschke bietet ein Programm an, das die richtige Rahmengröße für den Kunden berechnet. Fotos: Boschbach
Fahrradhändler Armin Kutschke bietet ein Programm an, das die richtige Rahmengröße für den Kunden berechnet. Fotos: Boschbach

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