Osnabrück  Finnland und Schweden in die Nato? Erst mal langsam!

Marion Trimborn
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Von Marion Trimborn
| 16.05.2022 16:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
NATO-Kommando JSEC startet Foto: dpa
NATO-Kommando JSEC startet Foto: dpa
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Raus aus der jahrzehntelangen militärischen Neutralität und rein in die Militärallianz: Finnland und Schweden wollen aus Furcht vor Russland nun der Nato beitreten. Das stellt den Westen allerdings vor Probleme.

Natürlich ist es absolut verständlich, dass Finnland und Schweden aus Angst vor dem aggressiven russischen Nachbarn nun unter den Nato-Schutzschirm flüchten wollen – doch unproblematisch ist diese Zeitenwende nicht. Ist das wirklich der einzig richtige Weg?

Die Folgen sind weitreichend: Im Ergebnis würde die Ostsee damit praktisch zum Hinterhof der Nato. Man mag argumentieren, dass gegenüber einem Kriegsherrn wie Wladimir Putin alles erlaubt ist, doch es ist als klare Demütigung für den russischen Präsidenten zu sehen, der stets gegen eine Nato-Erweiterung agitiert hat. Bei aller Freude über den Zusammenhalt des Westens darf daher die Frage erlaubt sein: Ist dies der richtige Moment für den Beitritt? Und muss es so schnell gehen? Diese erneute Provokation macht es Putin nun noch schwieriger, im Ukraine-Krieg einen Rückzug ohne Gesichtsverlust zu vollziehen, wenn er – hoffentlich bald – an einem Tisch mit der Ukraine nach einer diplomatischen Lösung sucht.

Zudem hat die Nato die Rechnung ohne die Türkei gemacht. Fakt ist: Neue Mitglieder können der Nato nur dann beitreten, wenn alle 30 Mitglieder dafür sind. Die Türkei ist es im Fall von Finnland und Schweden aber nicht. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat in seinem blinden Hass auf die kurdische Partei PKK und die Gülen-Anhänger die beiden skandinavischen Staaten als „Gästehaus für Terrorgruppen“ bezeichnet. Erdogan gefällt sich gerade in seiner Rolle als Vermittler im Russland-Ukraine-Krieg, diese Rolle will er nicht gefährden. Wann und ob Erdogan jemals einlenken wird, ist offen.

Welch Blamage wäre es, wenn die Nato den Antrag Schwedens und Finnlands ablehnen müsste. Falls sich die Nato doch einig wird, sollte sie sich jedenfalls Zeit lassen mit der Aufnahme. Wie wäre es, wenn der Westen Moskau das Angebot macht, die Nato-Erweiterung zu verschieben, wenn Moskau dafür im Gegenzug im Ukraine-Konflikt einlenkt und verhandelt? Der Moment scheint günstig, zumal es Entspannungszeichen aus Moskau gibt und die russische Armee im Kriegsgebiet kaum vorankommt. Jetzt verhandeln, lautet die Devise.

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