Ausflugsschiff  Warum findet die „Gretje“ keinen Kapitän?

Jens Schönig
|
Von Jens Schönig
| 17.05.2022 07:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Viele fleißige Hände haben die MS „Gretje“ überholt und herausgeputzt. Was ihr noch fehlt, ist die ruhige Hand eines weiteren Kapitäns. Foto: Schönig/Archiv
Viele fleißige Hände haben die MS „Gretje“ überholt und herausgeputzt. Was ihr noch fehlt, ist die ruhige Hand eines weiteren Kapitäns. Foto: Schönig/Archiv
Artikel teilen:

Seit Anfang des Monats ist das Ausflugsschiff „Gretje“ wieder in den Timmeler Gewässern unterwegs. Aber es fehlt noch ein zweiter Kapitän. Könnten Fahrten ausfallen?

Timmel - An ihrem Liegeplatz im Timmeler Hafen strahlt die MS „Gretje“ wie seit zwei Jahren nicht mehr. Frisch überholt ist das alte Plattbodenschiff der Großefehn Tourismus GmbH (GTG) in die Saison gestartet und hat ihre ersten Ausflugsfahrten schon hinter sich. Auch das Wetter spielt mit und sorgt für gut besuchte Touren übers Timmeler Meer und durch die Meeden.

Es könnte also fast perfekt sein. Aber nur fast. Denn die GTG sucht händeringend nach einem zweiten Kapitän für die „alte Dame“. Das Problem haben die Touristiker seit einigen Jahren. Eine nachhaltige Lösung scheint sich aber nicht abzuzeichnen.

Kleines Schiff mit großen Anforderungen

Dabei liegt es keineswegs daran, dass sich niemand meldet. Seitdem das Schiff vor einem Monat aus der Werft zurück an seinen Liegeplatz gebracht wurde, gab es durchaus Interessenten. „Das Problem ist, dass man zwei Patente für das Schiff braucht“, sagt Kerstin Fleßner von der GTG. „Ein Patent für die Binnenschifffahrt und eins für die Personenbeförderung.“ Letzteres fehle demnach vielen erfahrenen Binnenschiffern, die sich schon gemeldet hätten. „Zuletzt haben wir sogar einen Interessenten mit Kreuzfahrt-Erfahrung gehabt, der ist auf der ‚Aidaʻ gefahren“, so Fleßner weiter. „Aber dem fehlte dann das Binnenpatent.“

Den Fahrplan der „Gretje“ sieht Fleßner noch nicht in Gefahr. „Mit dem festen Kapitän, den wir haben, bekommen wir die geplanten Fahrten schon hin“, sagt sie. „Aber mit einem zweiten Kapitän wäre es für ihn natürlich viel entspannter. Wir haben zwar noch einen Springer aus Aurich, aber der hat auch noch ein eigenes Boot und ist gern in den Niederlanden unterwegs, deshalb kann er uns nicht oft zur Verfügung stehen.“ Darum haben die Touristiker inzwischen eine Stellenausschreibung vorbereitet, die in den kommenden Tagen veröffentlicht werden soll. „Zudem suchen wir noch eine Hilfskraft, die Arbeiten an Bord übernimmt und die Fahrgäste betreut“, so Fleßner.

„Kapitäne wachsen nicht so schnell nach“

Auf der MS „Wiesmoor“, die zu Ausflugsfahrten auf dem Nordgeorgsfehnkanal verkehrt, kennt man das Personalproblem. „Wir könnten auch noch einen Kapitän gebrauchen“, sagt Alfred Meyer vom Förderkreis MS „Wiesmoor“. „Wir haben genug, die gern fahren wollen, aber nicht an allen Tagen.“ So verteilt sich das Kommando bei der „Wiesmoor“ auf drei bis vier Kapitäne.

„Das große Problem ist, dass solche Kapitäne nicht so schnell nachwachsen“, sagt Meyer. „Das müssen schon Leute sein, die bereit sind, ihre Freizeit dafür zu opfern. Und das sind in der Regel Rentner.“ Mit deren Qualifikationen hat es laut Meyer immer wenig Probleme gegeben. „Die Voraussetzungen für die Betriebsgenehmigungen sind anscheinend nicht überall gleich“, vermutet er. Genehmigende Institution für den Betrieb der MS „Wiesmoor“ ist laut Meyer der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). „Und die sagen, wenn ein Kapitän schon Tanker oder Rettungs-U-Boot gefahren ist, dann kann man ihm auch zutrauen, mit einem Schiff geradeaus zwischen zwei Uferböschungen durchzufahren“, so Meyer.

Ähnliche Artikel