Hannover  Niedersachsen: Streitbarer Polizeigewerkschafter Schilff macht Weg frei

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 17.05.2022 17:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dietmar Schilff hat am Dienstag nach elfeinhalb Jahren seinen Posten als Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) abgegeben. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Dietmar Schilff hat am Dienstag nach elfeinhalb Jahren seinen Posten als Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) abgegeben. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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Knapp zwölf Jahre lang war Dietmar Schilff der poltrige Landeschef der Gewerkschaft der Polizei in Niedersachsen. Mit seinem Abtritt endet eine Ära. Ein Porträt.

Für Journalisten ist Dietmar Schilff als Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) stets ein dankbarer Gesprächspartner: Klare Kante, deutliche Worte und unmissverständliche Forderungen. Am Dienstag nun hat der 60-Jährige beim Landesdelegiertentag in Hannover den Weg frei gemacht für einen Generationenwechsel an der Spitze der mit ihren rund 15.000 Mitgliedern größten Polizeigewerkschaft Niedersachsens und Deutschlands (rund 185.000 Mitglieder).

Ganz freiwillig geht Schilff allerdings nicht, denn bei der Polizei gibt es eine Altersgrenze von 62 Jahren und bei der GdP gilt das ungeschriebene Gesetz, sich ebenfalls daran zu halten. Der kernige und manchmal auch etwas poltrig auftretende gebürtige Braunschweiger, der auch im gehobenen Alter noch einen Ohrstecker trägt und dabei von einem „Überbleibsel aus Jugendzeiten“ spricht, hätte also keine vierjährige Amtsperiode mehr absolvieren können.

Und auch wenn Schilff seinen Vorsitz nun an den 33-jährigen Kevin Komolka aus Harsum bei Hildesheim abgegeben hat, so ist er kein bisschen leiser. Bei der Besoldung der Polizisten belege Niedersachsen im Ländervergleich gerade mal den 13. Platz. „Da muss dringend was passieren“, sagt er und ist sich mit Blick auf Forderungen nach Härtezulagen für Beamte, die etwa bei der Leichenschau oder im Bereich von Kinderporno-Ermittlungen besonderen Belastungen ausgesetzt sind, sicher: „Das muss und wird kommen.“

Schilff, nach eigenen Worten seit 20 Jahren „glücklich verheiratet“, ist in Braunschweig als Sohn eines Polizeiverwaltungsbeamten und einer Krankenschwester aufgewachsen. Er und seine beiden Brüder - einer ist etwas jünger, der andere etwas älter - hätten nicht nur früh gelernt, im Haushalt mitzuhelfen, sondern auch für andere einzustehen. Insofern sei für ihn, der in Braunschweig kommunalpolitisch für die SPD aktiv ist, der Weg zur Gewerkschaft in gewisser Weise vorgezeichnet gewesen.

In seinen knapp zwölf Jahren an der GdP-Spitze hat Schilff mit seinen knallharten Forderungen nicht nur manchen Politiker immer mal wieder die Augen verdrehen lassen, sondern durchaus auch Erfolge zu verzeichnen. So ist in seiner Amtszeit ist die Zahl der Polizisten in Niedersachsen um 1600 angestiegen. Und dass unter den 25.000 Polizisten im Land mehr als 15.000 „seiner“ Gewerkschaft angehören, ist eine Größenordnung, die sich sehen lassen kann.

Im GdP-Bundesvorstand hat Schilff überdies am Unvereinbarkeitsbeschluss für AfD-Mitglieder mitgewirkt. Demnach ist eine AfD-Mitgliedschaft mit der Mitgliedschaft in der GdP unvereinbar. „AfD-Mitglieder sind bei uns nicht willkommen“, stellt Schilff klar und verweist im Gespräch mit unserer Redaktion auf weitere Erfolge: Bessere Rahmenbedingungen, ein höheres Ansehen der Polizei und nach wie vor eine Präsenz in der Fläche, indem die Schließung kleiner Dienststellen abgewendet wurde, nennt Schilff rückblickend einige Beispiele, macht aber auch direkt deutlich, dass dies keiner alleine könne, sondern immer als Teamleistung zu verstehen sei.

Mit Blick auf die Zukunft der GdP in Niedersachsen jedenfalls ist Schilff nicht bange. Ob er einen Tipp für seinen Nachfolger parat hat? Die Antwort ist ein echter Schilff: „Ich brauche meinem Nachfolger keine guten Ratschläge zu geben. Der steht mitten im Leben und wird das gut machen.“

Und in der Tat ist für den dreifachen Vater Komolka, der mit einer Polizistin verheiratet ist und zuletzt als Einsatzführer in Hildesheim tätig war, bevor er für die Personalratsarbeit freigestellt wurde, die Gewerkschaftsarbeit kein Neuland. Komolka war seit 2014 stellvertretender GdP-Landesvorsitzender in Niedersachsen und adressiert als neuer, mit 98 Prozent gewählter Vorsitzender auch gleich erste Forderungen an die Politik. So schlägt der Polizeihauptkommissar und Kriminologe mit Masterabschluss vor, dass Polizisten den öffentlichen Personennahverkehr kostenlos nutzen dürfen. So soll ein zusätzlicher Anreiz für den Polizeiberuf geschaffen werden.

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