Kolumne: Klare Kante  Die Quote hat sich überlebt

Dieter Weirich
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Eine Kolumne von Dieter Weirich
| 19.05.2022 09:12 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Dieter Weirich
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Für unseren Kolumnisten ist der Fall Lambrecht ein Beleg, dass die Geschlechterquote nichts bringt. Ein kontroverser Beitrag.

Die Bundesministerin für Selbstverteidigung ,Christine Lambrecht, befindet sich in einer Abwehrschlacht, deren Ende leichter als der Ausgang des Ukrainekrieges vorauszusagen ist. Waren es zum Auftakt Kommunikations-Pannen zu den Waffenlieferungen der zögerlichen Deutschen, folgten fortan zahlreiche, Kritik auslösende optische Petitessen, von den langen, lackierten Fingernägeln bis zu den Stöckelschuhen im Kontrast zu Springerstiefeln. Dann musste sie sich des Vorwurfs erwehren, ihren 21 Jahre alten Sohn Alexander, mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr nach vorherigem Truppenbesuch zum Osterurlaub nach Sylt mitgenommen zu haben.

Zur Person

Dieter Weirich (76), Publizist und Buchautor, ist ein Grenzgänger zwischen Medien und Politik. Dergebürtige Schwabe war hessischer Landtags- und Bundestagsabgeordneter und Intendant der Deutschen Welle. Heute lebt er in Berlin.

Noch steht Bundeskanzler Scholz zu seiner angeschlagenen Wehrministerin, die kritisch recherchierenden Journalisten vorsorglich auch mit rechtlichen Schritten droht. Eine Job-Garantie hat die Ex-Justizministerin, die ohne Bundestagsmandat keinen Einfluss mehr in der Fraktion hat, damit aber keinesfalls. Landesverteidigung spielte seit dem Zerfall des Kommunismus und der Wiedervereinigung keine Rolle mehr, was sich auch in der Besetzung des Verteidigungsministeriums, eines klassischen Ressorts zeigt, das einst Schwergewichte wie Franz Josef Strauß, Helmut Schmidt ,Georg Leber oder der spätere Nato-Generalsekretär Manfred Wörner innehatten.

Eine Fehlbesetzung war der über eine Plagiats-Affäre gestolperte Karl-Theodor Guttenberg, der die Wehrpflicht aussetzte und freiwillig auf acht Milliarden Euro im Etat verzichtete. Volker Rühe hat seinem Nachfolger die „Zerstörung der Bundeswehr“ vorgeworfen. Nachfolgerin Ursula von der Leyen verursachte mit der Einstellung eines Beraterheers zur Bekämpfung der Cyber-Bedrohung und des Terrors mehr Probleme, als sie geerbt hatte. Annegret Kramp-Karrenbauer wurde von Merkel als CDU-Vorsitzende in die Kabinettsdisziplin eingebunden, angekündigte Programme zur Strukturreform blieb sie schuldig.

Scholz hatte Lambrecht als treue Parteisoldatin berufen, weil er eine loyale Vorzeige-Frau für die Quote brauchte. Dieses Modell hat sich seit dem Ukraine-Krieg überlebt.

Kontakt: mantel@zgo.de

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