Streit um Schleusungen NLWKN kommt den Bootjefahrern entgegen
Schleusengebühren werden künftig wieder pauschal bezahlt. Bei einigen Skippern herrscht aber noch Unklarheit wegen möglicher versteckter Kosten.
Aurich/Norden - Der Streit zwischen Bootjefahrern und dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ist beigelegt. Die Schleusengebühren für den Ems-Jade-Kanal und den Nordgeorgsfehnkanal werden künftig mittels eines „Boots-Passes“ wieder pauschal abgerechnet. Auf dieses Verfahren einigten sich der NLWKN, die Bootssportverbände und die Ostfriesland Tourismus GmbH (OTG).
Was und warum
Darum geht es: Nach einigem Knatsch ums Geld haben sich die Sportbootfahrer und der NLWKN wieder weitgehend lieb.
Vor allem interessant für: alle, die gern auf den ostfriesischen Kanälen schippern, und alle, die gern vom Ufer aus zugucken
Deshalb berichten wir: Der NLWKN vermeldete den Durchbruch in einer Pressemitteilung. Den Autor erreichen Sie unter: j.schoenig@zgo.de
Der „Boots-Pass“ ist ab sofort erhältlich. Für 70 Euro pro Boot kann man damit das ganze Jahr auf dem Ems-Jade-Kanal und dem Nordgeorgsfehnkanal herumschippern. Mitglieder der auf der ostfriesischen Halbinsel ansässigen Motorboot- und Seglervereine zahlen ermäßigt 40 Euro pro Jahr. Gratis fahren Mitglieder des Deutschen Motoryachtverbands (DMYV), der angeschlossenen Sportbootvereinigung (SBV) und des Segler-Verbands Niedersachsen (SVN). Diese Dachverbände übernehmen die Gebühren für ihre Mitglieder. Die müssen nur Versandkosten für eine Vignette bezahlen, die für den Schleusenwärter gut sichtbar an der Backbordseite des Boots angebracht werden muss. DMYV-Mitglieder können sich alternativ mit einer speziellen Verbandsflagge ausweisen. „So wird auch das Schleusen wesentlich vereinfacht, denn ,Boots-Passʻ-Inhaber sind für unsere Mitarbeiter auf den ersten Blick erkennbar“, erklärt Axel Daubenspeck vom NLWKN in Aurich. Die Vignette für Gäste des Wassersportreviers kann ab sofort in den Tourist-Informationen Emden, Wilhelmshaven, Friedeburg und Leer erworben werden. Urlauber und Ortsfremde, die nur einmal im Jahr oder nur auf Teilstrecken fahren, können die Schleusungen weiterhin einzeln bezahlen, jede kostet sechs Euro.
Furcht vor versteckten Kosten
Die neue Regelung ist ein Pilotprojekt, das zunächst für diese Saison gültig ist. Wie der NLWKN auf Nachfrage dieser Zeitung mitteilt, soll es im Herbst eine Evaluierung mit allen Beteiligten geben. Der NLWKN rechnet aber nicht damit, dass die Pauschale künftig kostendeckend sein wird. „Es handelt sich um einen Kompromiss, um die verschiedenen Interessen zusammenzuführen“, so NLWKN-Sprecher Carsten Lippe. Kostendeckend wären demzufolge aber auch die Einzelschleusungen nicht gewesen. „Wir erhoffen uns aber positive Effekte auf die Diskrepanz zwischen unseren gestiegenen Betriebskosten bei gleichzeitig konstant günstigen Nutzungsgebühren“, so Lippe weiter. „Ein wesentlicher Teil der Kosten wird jetzt solidarisch durch viele Schultern getragen, ohne den einzelnen Nutzer übermäßig zu belasten.“
Der stellvertretende Vorsitzende des Bootssportvereins Wiesens, Gerhard Wulff, ist mit der neuen Vereinbarung im Großen und Ganzen zufrieden. Die Wiesenser Skipper waren auf Krawall gebürstet, nachdem der NLWKN 2021 die Preise so gestaltet hatte, dass auch hiesige Bootjefahrer den Tarif der Auswärtigen zahlen mussten. Der Verein plante deshalb sogar schon eine Protestfahrt im Auricher Hafen, nachdem erste Mitglieder in die Niederlande abgewandert waren, wo Schleusungen komplett gebührenfrei sind.
Weil der BV Wiesens dem SVN angehört, zahlen die Wiesenser Skipper jetzt nichts mehr für die Schleusungen. Wulff befürchtet durch diese Regelung aber eine Erhöhung der Verbandsabgaben durch die Hintertür. „Wir müssen jetzt mal gucken, wie viel der Verein ab jetzt an den Verband zahlen muss“, sagt er. Grundsätzlich hätte sich Wulff aber auch lieber eine Regelung wie in den Niederlanden gewünscht. „Dafür hätten sich die Kommunen auch ruhig stärker an den Kosten beteiligen können“, findet er.