Ganz viel Musik für Emden  Erstes Innenstadt-Festival steht im Zeichen des Friedens

| | 20.05.2022 11:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Zum Jubiläum des Cafés Einstein 2018 wurde bereits eine Bühne auf dem Stephansplatz aufgebaut. So könnte es beim Kultursommer auch wieder aussehen. Foto: Päschel/Archiv
Zum Jubiläum des Cafés Einstein 2018 wurde bereits eine Bühne auf dem Stephansplatz aufgebaut. So könnte es beim Kultursommer auch wieder aussehen. Foto: Päschel/Archiv
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Der Emder Johannes „Urmel“ Meyering hat diesen Sommer musikalisch viel vor in Emden. Nicht nur plant er ein Friedensfestival, sondern auch einen Kultursommer. Bands können sich melden.

Emden - Im Emder Sommer ist normalerweise jedes Wochenende etwas los: Volksfeste, Street-Food-Aktionen – und natürlich ganz viel Musik. Das soll in diesem Jahr wieder richtig hochfahren – und Kulturschaffende wollen noch eine Schippe drauflegen. Der Emder Johannes „Urmel“ Meyering plant gleich zwei große Musik-Events.

Was und warum

Darum geht es: Emden fährt musikalisch wieder richtig hoch. Im Sommer soll es einige Events geben.

Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder sowie Gäste der Stadt, die gerne an lauen Sommerabenden in der Innenstadt Musik lauschen, Musik- und Kulturschaffende

Deshalb berichten wir: Johannes „Urmel“ Meyering hatte uns schon im vergangenen Jahr von einigen Musik-Plänen berichtet. Jetzt wollten wir wissen, wie diese sich konkret gestalten.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Schon im vergangenen Jahr sprach er gegenüber dieser Zeitung über ein angedachtes Festival für Regionalkultur - auf drei Bühnen und an drei Tagen. In Schwerin organisiere er so etwas gemeinsam mit den Mitgliedern der Emder Band „Spillwark“ bereits seit mehr als zehn Jahren. Die Idee dahinter: Musiker und Musikerinnen aus Deutschland, aber auch dem Ausland, treten mit ihrem regionalspezifischen Programm auf einer Bühne auf. Fördermittel von der Ostfriesischen Landschaft für das Emder Event seien schon Mitte Februar bewilligt worden, sagt Meyering. Dann aber kam der Krieg in der Ukraine.

Mehr als 12 Bands eingeplant

Das hat die ursprünglichen Pläne über den Haufen geworfen. Denn: Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges seien schnell spürbar gewesen. Die Planungssicherheit für ein Festival, bei dem die Leute Eintritt zahlen müssten, um die Kosten wieder auszugleichen, fehlte dem Emder. „Aber die Fördermittel waren ja da.“ Diese allerdings reichten nicht für die Ideen aus. So kam Heika Ring mit ins Boot. Sie ist bei der Stadt Emden Koordinatorin für das EU-Projekt „Perspektive Innenstadt“. „Letzte Woche sind wir uns einig geworden“, sagt Meyering. Mit der Landschaft in Aurich seien auch schon die ersten Vorgespräche positiv verlaufen.

Johannes "Urmel" Meyering ist seit Jahren als Kulturschaffender in Emden bekannt. Foto: Privat
Johannes "Urmel" Meyering ist seit Jahren als Kulturschaffender in Emden bekannt. Foto: Privat

Jetzt soll das dreitägige Event, das vom 2. bis 4. September angedacht ist, ein Benefiz-Friedens-Festival für die Ukraine werden. Der Eintritt soll kostenlos sein. Den Auftakt für die Veranstaltung sollen Bands aus der Ukraine, Polen und Belarus bilden. Musiker aus Süddeutschland, Berlin, Hamburg, Dänemark, den Niederlanden und anderswo werden erwartet. Auch plattdeutsche Musik soll zu hören sein. Der Musik-Stil insgesamt: eher „folkig“, so Meyering.

Bühnen an neuen Orten

Die Bühnen sollen auf dem Neuen Markt, der Hahn‘schen Insel (vor der Kunsthalle) und dem Stephansplatz (vor dem Café Einstein) stehen. „Wir wollen die neu geschaffenen Plätze auch nutzen“, erklärte Heika Ring. Der Neue Markt, der aufwendig saniert wurde, soll besonders in den Fokus rücken. Davon soll auch die dortige Außengastronomie profitieren, so die Idee. Man habe sich bewusst gegen den Stadtgarten als Location entschieden. „Wir wollten von eingebürgerten Orten weg“, sagt sie.

Die Emder und ihre Musik-Events: Das hat Tradition. Zu „Summer in the City“ kommen meist hunderte an die „Tonne“. Foto: J. Doden/Archiv
Die Emder und ihre Musik-Events: Das hat Tradition. Zu „Summer in the City“ kommen meist hunderte an die „Tonne“. Foto: J. Doden/Archiv

Die Idee ist auch, insbesondere direkt vom Ukraine-Krieg Betroffene zu den Festivals einzuladen. Die Musik verbinde über Sprachbarrieren hinweg, so Heika Ring. „Wir wollen alle Leute rausholen.“ Trotz aller schrecklichen Geschehnisse wolle man bei den Festivals auch ein bisschen Freude und Normalität vermitteln. Und: Es soll die Innenstadt beleben, dort mehr Aufenthaltscharakter bringen.

Emder Bands können sich melden

Diese Zeitung hatte zuvor schon einmal angefragt, ob es möglich sei, einige der vielen Emder Bands bei einem Festival auftreten zu lassen. Meyering hat das zum Anlass genommen, das Thema in seinem Apollo-Verein (benannt nach dem ehemaligen Emder Kino) und in einem Ratsauschuss anzusprechen. „Wir nehmen Bands gerne auf“, sagte er nun. Er könne sich eine zusätzliche Bühne vorstellen, als „Local Stage“, auf der Emder Musikerinnen und Musiker auftreten können. Eine Anfrage zu einer möglichen Förderung habe er diesbezüglich auch schon an die Jugendförderung und den Betrieb Kulturevents der Stadt gestellt.

In Schwerin organisiert das Team rund um Johannes "Urmel" Meyering schon seit knapp zehn Jahren ein Festival der Kulturen. Foto: Privat
In Schwerin organisiert das Team rund um Johannes "Urmel" Meyering schon seit knapp zehn Jahren ein Festival der Kulturen. Foto: Privat

Er ruft dazu auf, dass sich Bands bei ihm melden können (Der Kontakt findet sich auf seiner Website). Je nachdem, wie groß die Nachfrage sei, werde er das dann weiter anstoßen. Emden gilt als Treffpunkt vieler Bands - in einigen der Weltkriegsbunker proben zahlreiche. In dem Jugendtreff Alte Post gab es sonst regelmäßige Auftritte zahlreicher Gruppen. Kerstin Rogge-Mönchmeyer, Leiterin von Kulturevents, sprach sich auch bereits gegenüber dieser Zeitung positiv zu der Idee eines Benefizkonzerts aus. In der Nordseehalle habe es bereits am 5. März eines gegeben.

Kultursommer im Juni

Schon um einiges konkreter wird es bei dem Musik-Projekt „Kultursommer“. In den Sommermonaten - vom 11. Juni bis zum 11. September - sollen auf einer Bühne am Stephansplatz regionale Künstler, Musiker und Theatergruppen in den Abendstunden auftreten. Zu den Details wollen Meyering und Ring Anfang Juni etwas sagen. Bis dahin seien die Flyer gedruckt, die letzten Fragen geklärt.

Ein Festival auf der sogenannten Teufelsinsel, einer Landzunge im Emder Außenhafen, ist indes erst einmal auf Eis gelegt, so Meyering. Er hatte mit dieser Zeitung zuvor über die Pläne gesprochen. Die Infrastruktur dort zu errichten, sei allerdings deutlich aufwendiger und teurer, als zunächst angedacht. Im Hinterkopf wolle er die Idee aber auf jeden Fall behalten. Die Teufelsinsel, auf der derzeit nur eine Bootswerkstatt für Jugendliche steht, sei eine tolle Location mit Rundumblick auf den Hafen. „Wir wollen den Hafen mehr in Szene setzen“, betonte auch Heika Ring.

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