Leipzig Thomas Anders schreibt mit seinen russischen Fans
Seit den Zeiten von Modern Talking ist Thomas Anders ein Superstar in Russland und der Ukraine. Wegen des Krieges musste er eine für März geplante Tournee durch die beiden Länder absagen und spart im Interview nicht mit klaren Worten.
In einem Leipziger Hotel sprechen wir über den Krieg, die Häme von Journalisten und seinen ersten eigenen Wein:
Frage: Herr Anders, Sie ahnen nicht, wer mir als erster von einem Werbeplakat entgegen lachte, als ich hier in Leipzig aus dem Hauptbahnhof kam.
Antwort: War ich das etwa?
Frage: Nein, Dieter Bohlen.
Antwort: Da müssen Sie jetzt durch (lacht).
Frage: Bis auf Werbung ist der Mann ja derzeit mehr oder weniger arbeitslos. Hat er Ihnen schon ein Angebot übermittelt, Modern Talking noch mal wiederzubeleben?
Antwort: In der Tat wurde ich von ihm schon mal gefragt, aber abgesehen davon bekomme ich diese Frage in regelmäßigen Abständen von vielen Menschen gestellt. Meine Antwort muss ich Ihnen ja gar nicht geben, denn wenn ich “Ja” gesagt hätte, wären wir ja schon auf Tournee.
Frage: Auf Tournee sind Sie ja dennoch. Haben Sie sich schon wieder an das Gefühl gewöhnt, in vollen Hallen aufzutreten?
Antwort: Man entwöhnt sich nicht. Das ist so, als ob man eine fremde Sprache spricht und nach Jahren wieder in dieses Land reist - vielleicht sucht man anfangs nach ein paar Vokabeln, aber spätestens nach einem Tag ist fast alles wieder da. Da müssten mehr als zwei Jahren Pandemie kommen, damit ich das nicht mehr drauf habe (lacht). Wobei ich in den letzten Monaten auch schon wieder im Ausland vor größerem Publikum aufgetreten bin.
Frage: Wie haben Sie die ganze Corona-Zeit denn erlebt?
Antwort: Ich fing mit einer kompletten Fehleinschätzung an, weil ich dachte, das sei in ein paar Monaten überstanden, davon war ich fest überzeugt. Hätten wir alle damals gewusst, dass es über zwei Jahre dauert, mehr oder weniger nicht auf der Bühne stehen zu können, dann hätte uns das wohl in eine Depression gebracht (lacht). Insgesamt habe ich die Zeit aber gut durchlebt - das ist mir aber erst richtig bewusst, seit meine Frau mich darauf aufmerksam machte.
Frage: Das müssen Sie erklären.
Antwort: Als der erste Lockdown kam, mussten alle Termine für die nächsten Monate umgelegt werden. Es war also trotz des Lockdowns eine arbeitsreiche Zeit. Ich habe die ganzen Termine in den Herbst verschoben, was dann natürlich auch wieder „Asche“ war. Also konnte ich wieder von vorne anfangen und alles umlegen. Aber meine Frau meinte, dass mir die Pause und die Zeit bei der Familie einfach gut getan haben, weil ich dadurch aus meinem Hamsterrad herausgekommen bin.
Frage: Welches Hamsterrad?
Antwort: Vor Corona lief es bei mir hervorragend. Ich bin durch die ganze Welt geflogen, hatte verschiedene Projekte und die Zusammenarbeit mit Florian Silbereisen stand gerade am Anfang. Und wenn man so in einem Flow ist, merkt man gar nicht, wie viel man arbeitet, sondern nimmt es als selbstverständlich und vergisst ein bisschen das Neinsagen. Und dann kam die „unsichtbare Glaswand“, hinter der man nichts machen konnte außer zu Hause zu arbeiten. Das hat mich zum einen ausgebremst, aber zum anderen habe ich die Zeit mit der Familie unglaublich genossen.
Frage: Sie haben sich in dieser Zeit ja auch ausgiebig mit Wein beschäftigt und mit dem Winzer Dirk Würtz zusammen kreiert.
Antwort: Das stimmt - Dirk sagt immer, wir seien ein Pandemie-Paar (lacht). Ich bin weder Winzer noch Weinexperte, aber Weinliebhaber und wir beide haben uns von Anfang an verstanden und fanden uns extrem sympathisch. Ich habe versucht, ihm zu beschreiben, wie für mich ein Wein schmecken muss und er sagte: Hast Du darauf Lust, dass wir Deinen Wein zusammen machen? Ich habe ihm sehr viel zugehört, eine Menge über Wein gelernt - und tatsächlich ist es am Ende ein Wein geworden, bei dem ich mich jedes Mal freue, wenn ich eine Flasche davon öffne. Und jedes Glas, dass ich heute davon trinke, trinke ich mit einem hohen Respekt vor dieser Kunst, so etwas hinzukriegen. Wir freuen uns sehr, dass er auch so toll bei den Leuten ankommt.
Frage: Wie würden Sie den Charakter Ihres Weins denn beschreiben?
Antwort: Mein Weißwein ist ein Grauburgunder. Ich liebe junge, spritzige, leichte Weine. Dirk Würtz sagte einmal: „Unser Wein hat keinen Trinkwiderstand“ (lacht).
Frage: Ist die Beschäftigung mit Wein eine Option für die Zukunft? Werden Sie vielleicht Hobby-Winzer?
Antwort: Es wird in jedem Fall mit dem Anders Grauburgunder auch im nächsten Jahr weitergehen. Dirk und ich planen aber auch schon für 2023 einen Rosé auf den Markt zu bringen. Das macht mich nicht zum Hobby-Winzer, aber definitiv bleibe ich Weinliebhaber – und das sogar mit eigenem Tropfen (lacht).
Frage: Gehört ein Glas Wein auch zu Ihren Ritualen vor einem Auftritt?
Antwort: Auf dieser Tour habe ich natürlich meinen Wein dabei und vor dem Auftritt gibt’s auch mal ein Gläschen. Ansonsten habe ich eigentlich keine Rituale im eigentlichen Sinne. Ich wollte mir das nie angewöhnen, weil ich mich damit ja abhängig vom Ritual gemacht hätte. Wenn ich beispielsweise immer dreimal irgendwo draufklopfen würde und dann stehe ich mal auf der Bühne und mir fällt ein, dass ich nicht geklopft habe, darf mich das ja nicht beeinflussen.
Frage: Für den März hatten Sie eine Tournee mit zwölf Shows in der Ukraine und Russland geplant. Und dann kam der Krieg. Wie haben Sie das damals erlebt?
Antwort: Ich war natürlich geschockt - wie die ganze westliche Welt, die ja ein bisschen im Elfenbeinturm gelebt hat und es einfach nicht kommen sehen wollte. Aber warum bringt eine russische Regierung über Wochen und Monate 150.000 Soldaten an die Grenze eines Landes? Sicher nicht, um dann wieder abzuziehen. Wir wollten es nicht sehen, weil wir dieses vermeintlich Unmögliche für so unmöglich gehalten haben, dass wir total geschockt waren, dass es doch möglich ist. Es ist eine Zeitenwende für unsere Welt, die Welt wird nicht mehr so sein wie sie vorher war. Jedoch haben sich die Welt und die Zeiten immer verändert. Wir müssen alle umdenken und in eine andere Richtung gehen, energiepolitisch, geostrategisch, emotional und noch vieles mehr.
Frage: Wie haben Sie reagiert?
Antwort: Es war natürlich klar, dass meine Band und ich jetzt nicht auftreten werden. Interessant war, dass unsere russischen Veranstalter fragten, warum ich absage. Die Shows wären ausverkauft und ich sollte doch nach Russland kommen. Sie haben einfach nicht mitbekommen, dass Russland einen Angriffskrieg in der Ukraine gestartet hat. Ein paar Tage später baten sie dann höflichst um neue Termine. Mein Agent fragte dann: Auf welchen Zeitraum sollen wir denn jetzt verschieben? Die Antwort aus Russland war: Im Herbst ist doch alles wieder normal. Sie tappten offenbar tatsächlich im Dunkeln.
Frage: Sie haben dann eine Mail an die Vorsitzende Ihres russischen Fanclubs geschrieben, die enttäuscht von der Tourneeabsage war, und ihr geschildert, wie die Lage tatsächlich ist.
Antwort: Ich habe ihr geschrieben, dass von der russischen und belarussischen Grenze aus die Ukraine vom russischen Militär überrollt wird. Das war für sie eine neue Information, da in den russischen Medien nur von einer Sonderoperation und nicht von Krieg berichtet wurde. Bei einer späteren Mail war ihr Blickfeld ein anderes. Da sie und ihr Mann aus der Ukraine stammen und ihre Verwandtschaft noch in der Ukraine und im Donbass lebt, war und ist die Situation sehr belastend. Sie schrieb nur: Es ist ein Alptraum, der nicht aufhört.
Frage: Sie sind ja Ehrenprofessor der National-Universität für Kunst und Kultur in Kiew - mit der Begründung, Modern Talking habe den Musikgeschmack einer ganzen Generation geprägt.
Antwort: Was ja stimmt (schmunzelt), aber dass man dafür gleich zum Professor h.c. ernannt wird, fand ich damals sehr überraschend und auch ein wenig schmeichelhaft (lacht). Auf meiner Visitenkarte steht auch nicht Professor h.c. Thomas Anders.
Frage: Aber bei den Rotariern werden Sie als Professor geführt.
Antwort: Das stimmt, hat aber einen ganz anderen Grund. Wir hatten ein Mitglied, das sehr bedacht darauf war, dass man ihn immer mit seinem Doktortitel anspricht, weil er ein Dr. h.c. ist. Und da habe ich gedacht: Okay, dann lege ich mal einen drauf (lacht).
Frage: Sie haben sich ja bereits sehr deutlich positioniert und gesagt, wie inakzeptabel der russische Angriff auf die Ukraine für Sie ist. Befürchten Sie, dass Sie damit Ihre russischen Fans vor den Kopf stoßen und möglicherweise verlieren?
Antwort: Ich glaube nicht, dass ich sie vor den Kopf stoße. Und wenn einige dabei sind, die sich vor den Kopf gestoßen fühlen, dann ist es eben so. Ich will nicht arrogant wirken, aber damit müssten sie dann leben. Meinen Wertekompass kann und will ich nicht danach ausrichten, ob ich damit Fans vergraule. Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass man Musik und Politik nicht mischen sollte. Barbara Streisand hat mal gesagt “Music transcends politics” - Musik geht weiter als Politik. Weil Musik die Menschen viel tiefer berührt.
Frage: Sie wollen also irgendwann wieder in Russland auftreten?
Antwort: Die Menschen können doch nichts dafür, ich bin davon überzeugt, dass die russische Nation nicht für diesen Krieg ist. Offiziell wissen sie gar nicht, dass es überhaupt ein Krieg ist. Würden die russischen Medien über die Wahrheit dieses Krieges berichten, dann würden die meisten Russen sagen: Nein, das geht nicht, das wollen wir nicht. Aber sie werden manipuliert, und wenn eine Oma in Irkutsk nur durch das russische Staatsfernsehen informiert wird, dann ist der Westen für sie eben das Böse. Die jungen Leute sehen das nicht so, deshalb hauen jetzt ja so viele von ihnen ab, was Russland noch wehtun wird.
Frage: Sie gehören ja eigentlich zur Generation Sorglos. Anfang der Sechziger geboren, haben Sie keinen Hunger und keinen Krieg erlebt, dafür jede Menge Wohlstand. Und dann kommen plötzlich die Zwanzigerjahre mit Corona, Klimakrise und Krieg. Wie schwer oder leicht ist es da, Gute-Laune-Musik zu machen?
Antwort: Das ist überlebenswichtig. Es ist unsere Aufgabe, den Menschen gute Laune zu bringen. Wir sind so etwas wie die Minnesänger der Neuzeit (lacht) - einfach da, um die Menschen auf schöne Gedanken zu bringen. Ich bin ein absolut positiv denkender Mensch, und führe für mich mein Traumleben. Dann muss ich doch das Talent, dass der liebe Gott mir gegeben hat, dafür einsetzen, den Menschen Freude zu bereiten. Es gibt nichts Schöneres.
Frage: Und trotzdem hat Ihre Musik ja immer polarisiert, vor allem zu Zeiten von Modern Talking. Den vielen Millionen Fans standen Medien gegenüber, die Sie und Dieter Bohlen mit Häme überkübelt haben.
Antwort: Medien sind ja die andere Seite der Geschichte. Im Laufe meines Lebens habe ich eins kapiert: Gefalle nie einem Kritiker, denn dann floppt Deine Platte (lacht).
Frage: Teilweise wurde ja der Tatbestand der Beleidigung erfüllt - als der “Musikexpress” Sie als “höhensonnengegerbte Sangesschwuchtel” bezeichnete, haben Sie erfolgreich geklagt und 25.000 D-Mark bekommen. Den Spruch kann man aber bis heute in Ihrem Wikipedia-Eintrag nachlesen.
Antwort: Ich musste einfach klagen. Wenn ich es nicht getan hätte - was hätte sich dann der nächste Journalist rausgenommen? Das ist auch eine Form von Selbstschutz. Nur weil ich erfolgreich bin und vielleicht nicht auf dem Geschmack des “Musikexpress” liege, sondern anderen vielen Millionen Menschen gefalle, muss ich nicht die Augen nach unten schlagen und mir alles gefallen lassen. Irgendwann hört’s einfach auf.
Frage: Hat sich der Autor Martin Brem eigentlich jemals bei Ihnen entschuldigt?
Antwort: Das ist eine ganz witzige Geschichte. Ich habe ihn später mal bei einer Fernsehaufzeichnung getroffen, er kam auf mich zu und sagte: Mein Name ist Martin Brem. Und ich sagte zu ihm: Ich hoffe, Sie waren damals so clever und haben nach einer Gehaltserhöhung gefragt. Das brachte das Eis sofort zum Schmelzen. Er hatte sich auf alle Hasstiraden der Welt eingestellt, aber auf diesen Spruch wäre er nicht gekommen.(lacht) Wir haben uns dann zusammengesetzt und ich habe die Geschichte dahinter erfahren.
Frage: Jetzt bin ich gespannt.
Antwort: Er war nämlich selbst Sänger, hatte für Österreich am Eurovison Song Contest teilgenommen und dabei den letzten Platz belegt. Und deshalb habe er gedacht: Warum hat er Erfolg und nicht ich? Das hat mir einiges gezeigt über seine Motivation hinter dieser ganzen Häme. Ich finde: Man kann als Journalist Modern Talking ja scheiße finden, aber man sollte immer noch den nötigen Abstand haben.
Frage: Lesen Sie heute noch Kritiken?
Antwort: Ja, ich verschließe ja nicht die Augen davor. Interessanterweise interessieren mich die positiven überhaupt nicht so sehr, sondern mehr die negativen. Und ich habe gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen. Ich bin so lange im Geschäft, dass ich selber ganz gut einschätzen kann, wann ich gut und wann ich schlecht war. Und wenn ich mal nicht so gut war, kann ein Kritiker natürlich Salz in die Wunde streuen. Aber am Ende ist es nur das, was ein einziger Mensch darüber denkt und schreibt. Andere denken das vielleicht schon wieder ganz anders.
Frage: Nächstes Jahr werden Sie 60. Haben Sie Angst, dass es wehtut?
Antwort: Überhaupt nicht, warum sollte es wehtun? Wir sind auf der Welt, um älter zu werden. Und wenn ich das nicht will, muss ich früher sterben. Solange ich gesund bin und so ein tolles Leben habe, ist es doch wunderbar, dass ich so etwas feiern und genießen darf.
Frage: Klingt nach großer Party.
Antwort: Ja, es wird auf jeden Fall was gefeiert. Ich liebe es ja zu feiern, vielleicht mache ich ja einfach eine Sommerparty, denn als am 1. März Geborener hat man eigentlich nie das Wetter auf seiner Seite (lacht).
Frage: Was war rückblickend die beste Zeit in diesen 60 Jahren?
Antwort: Die beste Zeit ist immer jetzt.
Frage: Gibt’s auch Jahre, die Sie im Nachhinein gerne überschreiben würden?
Antwort: Es gibt Jahre, in denen es nicht gut lief, aber die sind gut für die Persönlichkeitsentwicklung. Jede Problemphase, in der es mal nicht wie geschmiert läuft, ist gut, ist wichtig und macht demütig. Die braucht man einfach. Und jetzt mit fast 60 weiß ich, dass es auch wieder vorbeigeht.
Frage: Ihr Sohn wird nächsten Monat 20 - hat er ein leichteres oder ein schwierigeres Leben vor sich als Sie es hatten?
Antwort: Ich finde, dass er ein schwierigeres vor sich hat. Er aber hat die Gnade der Jugend und sagt, er freue sich auf alles, was kommt. Wir haben wirklich ein super Verhältnis und vor ein paar Tage habe ich ihm gesagt: Weißt Du, Alexander, ich mache mir wirklich Gedanken um die Zukunft. Was passiert mit der Welt? Du bist ein junger Mensch und wir haben wieder Krieg in Europa, die größte Herausforderung ist die Klimaveränderung, da kommen Aufgaben auf Eure Generation zu, die mir Sorgen machen. Und er antwortete einfach: Irgendwie kriegen wir das hin.
Frage: Mag Alexander eigentlich Ihre Musik?
Antwort: Er akzeptiert sie (lacht). Er hört American HipHop und versucht immer, mir den näher zu bringen. Aber ich sage immer: Junge, das schaffst Du nicht. Und ich begründe ihm das auch: Ich bin ein Mensch, der Melodie und Stimme braucht. Ich bin ein Bewunderer von tollen Melodien und tollen Stimmen.
Frage: Dann ist HipHop wirklich nicht Ihre Baustelle.
Antwort: Grönemeyer auch nicht (lacht).
Frage: Was haben Sie denn gehört, als Sie so alt waren wie Ihr Sohn jetzt ist?
Antwort: Abba, Barry Manilow, den fand ich damals und heute immer noch ganz großartig. Das war tolle Musik, die Achtziger waren geprägt von super Melodien. Da wurde an einer Melodie ja noch gearbeitet und so etwas auch noch geschrieben. Heute hat man eine Melodieführung, die dann kopiert wird und zu der am Computer noch das eine oder andere reingeschnitten wird.
Frage: Und was hören Sie heute so?
Antwort: Barry Manilow höre ich immer noch gern, ich bin aber auch ein Fan der Bee Gees. Bei mir läuft den ganzen Tag Musik, sehr viel Lounge Music, weil sie immer im Hintergrund läuft. Böse Zungen nennen sie auch Fahrstuhlmusik (lacht). Zum Entspannen brauche ich Musik, bei der ich nicht nachdenken muss, wie man sie produziert. Sobald ich die Musik eines Kollegen höre, fange ich an nachzudenken - wie ist die Melodieführung, wie ist die Produktion?
Frage: Sie stammen ja aus einem Dorf bei Koblenz und leben bis heute in Koblenz. Was macht Sie als weltweit erfolgreichen Musiker so heimatverbunden, dass Sie der Gegend ein ganzes Leben lang treu geblieben sind, obwohl Sie ständig in der ganzen Welt unterwegs sind?
Antwort: Wahrscheinlich genau das. Ich kenne den Unterschied und weiß, was Heimat bedeutet und was es für mich ausmacht, dass ich dort leben darf. Es wäre für mich kein Luxus, in Berlin, London oder sonst wo leben zu können - der wahre Luxus ist, dass ich es mir erlauben kann, in einer kleinen Großstadt leben zu dürfen. Das macht es für mich aus. Man ist so nah, so schnell überall, die Menschen mögen und respektieren mich. Wenn ich am Samstagvormittag in den Supermarkt gehe, komme ich unter zwei Stunden nicht zurück, weil irgendjemand immer irgendwas mit mir zu quatschen hat (lacht).
Frage: Haben Sie noch Freunde von früher in Koblenz? Alte Schulkumpels?
Antwort: Ja, meinen engsten Freund kenne ich noch aus der Schule, der lebt heute in Koblenz und in Los Angeles. Die meisten meiner Freunde sind eigentlich von damals.
Frage: Was sagen die zu Ihnen - Thomas oder Bernd?
Antwort: Kommt drauf an. Der Schulfreund sagt natürlich Bernd, diejenigen, die mich am Anfang von Modern Talking kennengelernt haben, sagen Thomas. Das ist ganz lustig, wenn wir zusammen essen gehen und der eine sagt Thomas und der andere Bernd (lacht).