Streit um Grundstück  In Auricher Villengegend sind sich die Nachbarn nicht grün

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 25.05.2022 13:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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An der Eschener Allee in Aurich möchten die Eigenheimbesitzer gerne unter sich bleiben. Dieser Wunsch geht so weit, dass ein Streit um Baumfällungen auch mal eskalieren kann.

Aurich - Die Eschener Allee in Aurich ist eine Straße mit vielen gepflegten Villen, einer Lichtbildwerkstatt, einer Arztpraxis – und einem sehr großen, sehr verwilderten Grundstück. Eine brachliegende Fläche? Zwei Autominuten von der Innenstadt entfernt? In bester Lage? Der ein oder andere Passant mag sich die Augen reiben. Zu ihnen gehört auch Hans-Gerd Meyerholz. Das ehemalige Mitglied des Auricher Stadtrats fährt regelmäßig dort vorbei. „Ganz schlimm, wie verwildert es dort ist“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Er könne sich noch sehr gut daran erinnern, welchen Wirbel eine große Baumfällaktion im Februar 2019 entfacht hatte.

Damals waren auf dem parkähnlichen Grundstück in der Eschener Allee 3 mindestens 20 Bäume, darunter etliche geschützte, beseitigt worden. Ein Auricher habe dort bauen wollen. Deshalb habe die Stadt die Aktion genehmigt. Jetzt frage er sich, so Meyerholz, warum nach drei Jahren immer noch kein Bagger angerollt sei. Das möchte auch Cornelia Beukenberg wissen. Die Sprecherin der Bürgerinitiative Baumschutz Aurich (Biba) hatte seinerzeit gegen die Aktion protestiert, aber einsehen müssen, dass es dafür keine Grundlage gibt.

Vögel hätten nisten können

„Wir haben nach einer Anfrage bei der Stadt Aurich erfahren, dass die Entfernung der Bäume rechtmäßig ist“, so Cornelia Beukenberg. Der Wunsch eines Investors, auf diesem Grundstück zu bauen, sei rechtlich höher zu bewerten als eine Ortssatzung, die dem Schutz von Bäumen diene, habe die Stadt argumentiert. Die Biba-Sprecherin ärgert sich jetzt darüber, dass die Bäume bereits vor drei Jahren gefällt worden sind: „Wie viel Sauerstoff hätten die noch spenden können? Wie viele Vögel hätten dort ihre Nester bauen können? Nicht zu reden von den Tieren, die sich in dem Mini-Wäldchen hätten verstecken können.“ Es sei ärgerlich, dass es keine zeitliche Synchronisierung zwischen Baubeginn und Fällung gegeben habe.

Nicht nur die beiden Auricher ärgern sich: auch der Bauherr selbst, der ebenfalls an der Eschener Allee wohnt. Namentlich möchte er im Gespräch mit der Zeitung nicht in Erscheinung treten. Gerne hätte er bereits vor drei Jahren gebaut, die Genehmigung habe er in der Tasche gehabt, doch dann habe es viel Sand im Getriebe gegeben. Ein Nachbar habe Einspruch gegen das Vorhaben eingelegt. Seine Bedenken: Weil eine Spundwand gezogen werden muss, könnte sein Gebäude Schaden nehmen. Das folgende Prüfungsverfahren habe eine ganze Reihe von Gutachter auf den Plan gerufen, die das Risiko einer möglichen Grundwasserabsenkung einzuschätzen hatten. „Das ist eine ganz schön unangenehme Angelegenheit für mich, aber das muss ich aushalten“, sagte der Bauherr. Die Aufregung wegen des angeblich verwilderten Grundstücks kann er nicht nachvollziehen. An der Eschener Allee gebe es so viele „Wohnmaschinen“ mit einer maximalen Versieglung der Fläche: „Dort regt sich niemand auf.“

Abneigung gegen „Wohnmaschinen“

Verdruss bereitet dem Bauherrn auch die Vorgeschichte des Grundstücks. Vor vier Jahren, als die Fläche von den Erben des Eigentümers veräußert werden sollte, habe sich unter einigen Villenbesitzern Widerstand geregt. Die Furcht, dass die Fläche einem Immobilienhai in die Hände fallen und ein „so hässliches Haus wie am Wanderweg“ entstehen könnte, sei groß gewesen. Deshalb habe er ursprünglich mit drei Anwohnern die Absicht gehabt, das Grundstück gemeinschaftlich zu kaufen und so zu belassen, wie es ist. „Dadurch hätte ich Zeit gespart und meine Nerven geschont“, sagte der Bauherr. Doch nach und nach sei von dem Käufer-Quartett nur noch ein einziger übrig geblieben: er selbst.

Wann er jetzt bauen könne, sei nicht absehbar. Erschwert werde der ganze Prozess dadurch, dass er ein „schönes Haus im Grünen“ errichten wolle. Das bedeute, dass er das Grundstück eben nicht mit „Garagen zupflastere“, sondern eine Tiefgarage vorsehe. Und die erfordere eine Spundwand, den Auslöser für die Verzögerung des Vorhabens. Man merkt dem Bauherrn in spe an, dass ihn die öffentliche Kritik kränkt. Er soll sich wegen des Fällens von Bäumen rechtfertigen, obwohl er das in seinen Augen Maximale macht, um auf dem Grundstück möglichst wenig Fläche zu versiegeln. „Ich fange nicht an zu weinen, bin aber enttäuscht wegen der mangelnden Gesprächsbereitschaft des klagenden Nachbarn.“ Doch auch das werde er aushalten.

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