Tauziehen um Kinderbetreuung im Kreis Aurich Gemeinden wollen Kitas nicht hergeben
Der Landkreis Aurich will sämtliche Kitas im Kreisgebiet übernehmen. Die Städte und Gemeinden aber lehnen dies ab und fordern eine rasche Klärung. Der Landkreis gab ihnen am Mittwochabend eine Antwort.
Aurich - Kurz vorm Vatertag haben die Städte und Gemeinden im Kreis Aurich klargestellt: Sie wollen die Verantwortung für die Kindertagesstätten behalten und nicht an den Landkreis abgeben. Die Reaktion des Landkreises ließ nicht lange auf sich warten. Noch am Mittwochabend teilt Landrat Olaf Meinen (parteilos) mit, man begrüße die „Rückkehr zum Dialog“. Er macht aber auch deutlich, dass sich die Kinderbetreuung im Kreisgebiet ändern muss.
„Die Städte und Gemeinden haben in der Vergangenheit viel in die Kitas investiert“, schreibt Erwin Adams (parteilos) in einer Pressemitteilung von Mittwoch. Der Bürgermeister von Großefehn ist Sprecher der Hauptverwaltungsbeamten im Landkreis Aurich. „Wir wollen gemeinsam mit dem Landkreis diese erfolgreiche Arbeit fortsetzen und die Kindertagesstätten qualitativ hochwertig weiterentwickeln.“
Bürgermeister fordern baldige Klärung
Landrat Meinen hatte im Februar überraschend verkündet, dass der Landkreis vom kommenden Jahr an sämtliche Kitas im Kreisgebiet übernehmen werde. Betroffen sind 126 Kindertagesstätten zwischen Juist und Wiesmoor, zwischen Baltrum und Großefehn. 66 davon werden von freien und kirchlichen Trägern betrieben, 60 von Städten und Gemeinden.
Die Bürgermeister lehnen das Vorhaben des Landkreises nach wie vor ab. Der Ton der Pressemitteilung ist jedoch versöhnlich. Man wolle „zeitnah die Verhandlungen hinsichtlich der Kita-Verantwortlichkeit“ fortsetzen, schreibt Adams. Im Interesse aller müsse man zu einer baldigen Klärung kommen. „Nach wie vor sind die Kommunen gewillt, die Gesamtverantwortung für die Kitas zu behalten.“
„Deutliche finanzielle Entlastungen“ gefordert
Wie dem Landkreis gehe es auch den Kommunen um Qualität, betont Adams. „Aus diesem Grund sollten bei der zukünftigen finanziellen Ausgestaltung das Kita-Angebot in den Kommunen vor Ort, Qualitätsmerkmale und das Gütesiegel Berücksichtigung finden.“ Im Hinblick auf die stark gestiegenen Kinderbetreuungskosten müsse es allerdings eine „deutliche finanzielle Entlastung“ der Gemeinden geben, so Adams. „Eine gute Kinderbetreuung kostet nun mal Geld.“
Auch der Landkreis schreibt in seiner Pressemitteilung, dass es wichtig sei, zeitnah ins Gespräch zu kommen. Außerdem betont die Kreisverwaltung, dass aus ihrer Sicht nicht primär finanzielle Aspekte, sondern die Qualität der Kinderbetreuung im Mittelpunkt der Betrachtung stehen müsse. „Hier sind wir uns mit den Städten und Gemeinden völlig einig“, wird Landrat Meinen zitiert. Deshalb begrüße er auch „die Abkehr von der Forderung nach einer pauschalen Zweidrittel-Finanzierung und die gleichzeitige Rückkehr zu der damaligen Finanzierungssystematik“.
„Wir planen Kita 2030“
Um eine gleichermaßen hochwertige Kinderbetreuung für das gesamte Kreisgebiet sicherzustellen, müsse die letzte Entscheidung über die Trägerschaft der Einrichtungen allerdings auf Grundlage von Fakten getroffen werden, so der Erste Kreisrat Dr. Frank Puchert. Hierfür seien die vom Landkreis bei den Gemeinden erfragten Kita-Daten unverzichtbar. Sie sollen die Basis für ein Gesamtkonzept sein, das pädagogische Standards und Ausbauquoten festschreibt, die zukünftig kreisweit gelten. Der Landkreis wolle so eine stabile Grundlage für den Ausbau der Kita-Strukturen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten schaffen.
„Wir planen Kita 2030“, so Landrat Meinen. Bislang gebe es unter anderem beim Versorgungsgrad mit Kita- und Krippenplätzen erhebliche Unterschiede zwischen den Kommunen. Aufgabe des Landkreises sei es, für gleichwertige Standards zu sorgen. Das Gesamtkonzept werde dann auch die Frage nach der Trägerschaft für die Kindertagesstätten beantworten.
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