Hamburg  Wenn Dein Chef inkompetent und Deine Kollegen intrigant sind

Julia Wadle
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Von Julia Wadle
| 27.05.2022 10:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Michael Scott aus „The Office“, Miranda Priestly aus „Der Teufel trägt Prada“ und Bernd Stromberg aus „Stromberg“: Wer solche Chefs hat, braucht keine Feinde mehr. Foto: Imago images (3)/Cinema Publishers Collection, Zuma Wire, Future Image (Symbolbild)
Michael Scott aus „The Office“, Miranda Priestly aus „Der Teufel trägt Prada“ und Bernd Stromberg aus „Stromberg“: Wer solche Chefs hat, braucht keine Feinde mehr. Foto: Imago images (3)/Cinema Publishers Collection, Zuma Wire, Future Image (Symbolbild)
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Das Gehalt ist okay, die Aufgaben liegen Dir und entsprechen Deinen Fähigkeiten – und trotzdem hasst Du Deinen Job? Dann hast Du vermutlich einen toxischen Arbeitsplatz.

In diesem Artikel erfährst Du:

Kommt Dir diese Szene vielleicht bekannt vor? Montagmorgen, 6 Uhr. Dein Wecker klingelt und Du hast keine Lust aufzustehen. Wenn Du nur an den nervtötenden Smalltalk mit Deinen Kollegen und die irren Arbeitsanweisungen Deines Chefs denkst, möchtest Du Dich am liebsten wieder umdrehen. Denn nicht Deine Arbeit macht Dir das Leben zu Hölle, sondern die Menschen, mit denen Du dafür interagieren musst.

Mal keine Lust auf Arbeit zu haben oder genervt zu sein, ist ganz normal. Deine Kollegen müssen nicht Deine Besties sein und manche Chefs entscheiden anders, als Du es gerne hättest. Aber was, wenn es gar nicht an der Arbeit liegt, sondern an dem Team, in dem Du arbeitest? Dann könnte es sein, dass Du in ein toxisches Arbeitsumfeld geraten bist.

Da kann das Team noch so nett sein: Wenn Du mit Deinem Chef nicht klarkommst, wird Dir die Arbeit keinen Spaß machen. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts „Gallup Organization“ sind Probleme mit dem Chef der häufigste Grund, warum Mitarbeiter kündigen. Jeder Zweite habe schon einmal wegen Problemen mit dem Chef gekündigt, mehr als 70 Prozent der Probleme am Arbeitsplatz lassen sich auf den Vorgesetzten zurückführen, so die Studienautoren.

Wie ist das bei Dir?

Doch warum werden inkompetente Menschen Chefs? Das haben die Forscher L.J. Peter und R. Hull bereits Ende der 60er-Jahre untersucht und das Peter-Prinzip identifiziert. Sie gingen davon aus, dass diejenigen Mitarbeiter befördert werden, die ihre Position besonders gut ausfüllen. Es war eine Art Belohnung für gute Leistungen. Ob diese Personen für die Position, in die sie befördert wurden, geeignet sind, war weniger entscheidend. So steigt man laut des Peter-Prinzips so lange auf, bis man die neue Position nicht mehr ausfüllen kann und bleibt.

In einem Satz zusammengefasst: Man wird bis zur Inkompetenz befördert.

Wie es der Name Peter-Prinzip schon andeutet: Es trifft vor allem auf männliche Mitarbeiter zu. Bereits in den 90er-Jahren wurde dies vor allem von Forscherinnen kritisiert: Frauen würden auf niedrigeren Hierarchien „festgehalten“, für die sie mit wachsender Arbeitserfahrung überqualifiziert werden. Gründe dafür können die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, fehlende Netzwerke oder mangelnde Vorbilder sein.

Vielleicht wäre Dein Chef ein guter Kollege für Dich und ist nur nicht für die Rolle als Chef geeignet.

Vier von fünf Menschen arbeiten mit Menschen zusammen, die sie nicht ab können: Das ist das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung „Fierce Inc“ aus dem Jahr 2016.

Wie ist das bei Dir?

Mal einen schlechten Tag zu haben oder sich in einzelnen Situationen von einer schlechten Seite zeigen, macht aus Deinen Kollegen noch keine schlechte Menschen. Wenn Du aber folgende Verhaltensweisen immer wieder beobachtest, könnte es sein, dass Deine Kollegen toxisch sind:

Wenn Du jetzt feststellst, dass Dein Gefühl Dich nicht getäuscht hat und Dein Chef wirklich nichts kann und Deine Kollegen eher Deine Konkurrenten sind, kannst Du folgendes versuchen:

Wenn das nicht hilft oder Du einfach keine Lust mehr hast, solltest Du Dir überlegen, zu kündigen. Laut einer Studie des Personaldienstleisters Randstad würden 38% der Unter-34-Jährigen ihren Job kündigen, wenn dieser sie unglücklich macht und sie davon abhält, das Leben zu genießen. Auch wenn Du das Gefühl hast, dass das gerade für Dich nicht möglich ist aus finanziellen Gründen: Wenn Du eine Bewerbung schreibst, während Du noch angestellt bist, kannst Du erstmal nichts verlieren – aber alles gewinnen.

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