Aus für Auricher Bäckerei Insolvenz gescheitert – Ubbos Backhuus wird abgewickelt
Die in Schieflage geratene Auricher Kette Ubbos Backhuus wollte sich selbst aus ihren Schwierigkeiten befreien. Das ist gescheitert – aber warum?
Aurich - Die Hoffnung auf eine Sanierung in Eigenregie währte nur kurz – inzwischen hat etwa 72 Jahre nach der Gründung die Geschichte von Ubbos Backhuus ihr letztes Kapitel abgeschlossen: Weil sie in massive Zahlungsschwierigkeiten geraten war, hatte die kleine Auricher Bäckerei-Kette Ende März Insolvenz angemeldet. Aus diesem Schlamassel wollten die Verantwortlichen sich aber selbst heraus arbeiten, selbst weiter mitentscheiden und das Familienunternehmen retten, unterstützt von einem Sachwalter der Münsteraner Kanzlei BBORS Kreuznacht. Sie verzichteten auf ein reguläres vorläufiges Verfahren, in dem der vorläufige Insolvenzverwalter einen neuen Investor sucht, um das in Schieflage geratene Unternehmen zu verkaufen. Sechs Wochen später war dieser Plan Geschichte.
Zu viele der Filialen schrieben Verluste. Durch gestiegene Energie- und Rohstoffpreise, etwa für Mehl und Öl, häuften sich zusätzliche Kosten an. Da es zudem an Mitarbeitern fehlte und die Umsätze vorher schon kaum reichten, wurde die Sanierung in Eigenregie gestoppt. Es kam direkt zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens – „und da war schnell klar, dass der Betrieb unter Vollkosten so nicht weiterzuführen ist“, sagt Insolvenzverwalter Christian Hanken (Wittmund). „Das Unternehmen war in der Krise, blieb in der Krise. Es war absehbar, dass es nicht genug erwirtschaften wird, um auch dauerhaft die Löhne der Beschäftigten und die Kosten tragen zu können. Entsprechend mussten wir reagieren.“ Alle verbliebenen Filialen sind geschlossen worden. Der Betrieb wird 72 Jahre nach seiner Gründung liquidiert.
Die Hälfte der Filialen und Mitarbeiter gehen an Mitbewerber
Fünf der zehn Filialen sind inzwischen von Mitbewerbern, etwa Lorenz-Bäcker Victorbur und Musswessels (Rhede), übernommen worden. Auch in etwa die Hälfte der zuletzt rund 100 Beschäftigten, denen man habe kündigen müssen, sei bei der Konkurrenz untergekommen, so Hanken. „Das ist durchaus ein Erfolg.“ Abschließende Zahlen kenne er bei allem noch nicht.
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Die Zahl könne sich noch vergrößern. „Alle Mitarbeiter haben ein Übernahme-Angebot von Musswessels erhalten. Allerdings hat das Unternehmen ja seinen Sitz und auch seinen Schwerpunkt im Emsland und im südlichen Ostfriesland. Nicht für jeden der Betroffenen wird es sich zeitlich und finanziell rechnen, jetzt weitere Wege zu einer entsprechenden Filiale auf sich zu nehmen.“
Hohe Kosten für Logistik
Ubbos Backhuus trifft damit ein Schicksal, das in vergangenen Jahren in ähnlicher Form weitere regionale Bäckerei-Ketten getroffen hatte: etwa Back-Center Ewen aus Moormerland, die Bäckerei Schütte aus Timmel, die Bäckerei Ellger aus Ihlow oder die Stadtbäckerei Wotte aus Papenburg. Auch die Bäckerei Lübbers aus Möhlenwarf geriet 2018 in die Insolvenz, blieb durch einen Besitzerwechsel aber in Familienhand. „Es zeigt sich immer wieder: Auch mittelgroße Bäckereien muss man längst hochprofessionell führen, was die Produktion betrifft, das Kosten-Management, das Controlling, aber auch das Marketing. Und das war in diesem Fall ein Problem“, so Hanken.
Insbesondere die Logistikkosten seien, gemessen an der Höhe des Umsatzes, „riesig“ gewesen. Auch habe man schon vor der Insolvenz „immer etwas zu wenig Mitarbeiter“ gehabt, was sich durch Corona erschwerend ausgewirkt habe. „Weil die Erlössituation zuvor schon schwierig war, konnte das Unternehmen natürlich auch keine riesigen Löhne zahlen, und so fehlten dauerhaft immer wieder Mitarbeiter und haben Lücken gerissen, was auch das Geschäft erschwert hat“, so Hanken.
Viele Filialen zu umsatzschwach
„Hinzu kommt, dass Bäckerei-Unternehmen inzwischen einen Großteil ihrer Umsätze mit dem Geschäft in angegliederten Cafés erwirtschaften – und nicht mit klassischen Backwaren. Eine ganze Reihe der Filialen von Ubbos Backhuus war aber zu klein, da war an ein Café nicht zu denken.“ Entsprechend umsatzschwach waren diese Standorte aber auch. „Bei den umsatzstarken Filialen wiederum waren die Mieten, gemessen an den Erlösen, zu hoch – mit langfristigen Verträgen, die mit der Zeit nach oben angepasst wurden. So blieb auch da nicht genug übrig.“
Und natürlich habe auch die Corona-Pandemie mit den Lockdowns die Situation verschärft. Bäckerei-Chefin Ramona Lorenz war für eine Stellungnahme telefonisch nicht zu erreichen.