Fehlende Kiga-Plätze in Leer  Den Eltern bleibt nur, auf einen Platz zu hoffen

Katja Mielcarek
|
Von Katja Mielcarek
| 27.05.2022 14:27 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Einen Platz in einem Leeraner Kindergarten wird ab August wohl nicht jedes Kind bekommen, das einen Anspruch darauf hätte. Symbolfoto: Anspach/dpa
Einen Platz in einem Leeraner Kindergarten wird ab August wohl nicht jedes Kind bekommen, das einen Anspruch darauf hätte. Symbolfoto: Anspach/dpa
Artikel teilen:

Um die 250 Plätze in den Leeraner Kindergärten fehlen nach jetzigem Stand. Man tue, was man könne, sagt der Landkreis und macht doch wenig Hoffnung.

Leer - Viele Familien, in denen beide Elternteile arbeiten, und alleinerziehende Berufstätige, die in Leer ab August einen Kindergarten- oder Krippenplatz für ihren Nachwuchs suchen, brauchen derzeit starke Nerven – und womöglich Glück. Rund 200 Plätze fehlten derzeit noch, um alle Anfragen bedienen zu können, hatte Kreisrätin Ute Buntrock vor zwei Wochen verkündet.

Was und warum

Darum geht es: Zum Beginn des neuen Kindergartenjahres im August wird es in Leer wohl viele Kinder geben, die keinen Platz in einer Einrichtung in der Stadt bekommen.

Vor allem interessant für: Eltern und Angestellte der Kindergärten

Deshalb berichten wir: In der Stadt Leer fehlen an die 250 Kindergarten-Plätze. Was können Eltern tun? Was tun Stadt und Kreis?

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Die Stadt präzisiert nun die Zahl: 80 unversorgte Kinder ab einem Jahr mit einem Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz und 175 unversorgte Kinder mit Anspruch auf einen Kindergartenplatz stünden auf der Liste, die die Stadt dem Landkreis zuletzt am 23. Mai übermittelt habe, schreibt Stadtsprecherin Mara-Jantje Fuß auf Anfrage. Kreissprecher Philipp Koenen geht sogar von 185 unversorgten Kindergarten-Kindern aus. „Allerdings ist die Liste dynamisch es, werden immer noch täglich Plätze vergeben, da die Schuluntersuchungen bezüglich der Einschulungskinder noch nicht überall abgeschlossen sind oder zum Teil Eltern zugesagte Plätze wieder absagen“, schreibt Fuß und ist sich darin einig mit dem Kreissprecher.

Übergabe mit Schwierigkeiten

Was die Situation aus Sicht der Eltern zusätzlich kompliziert macht: Die Zuständigkeit für die Kinderbetreuung in der Stadt wechselt mit Beginn des neuen Kindergartenjahres. Die Stadt Leer hat die Vereinbarung mit dem Kreis aufgekündigt, wonach sie – wie alle anderen Kommunen im Kreis – diese Aufgabe für den Landkreis bis dahin übernommen hatte.

Die Übergabe scheint, um es vorsichtig auszudrücken, nicht ganz reibungslos zu laufen. Jedenfalls wirft Buntrock der Stadt vor, Informationen nur unvollständig zu übermitteln, die Stadt weist diesen Vorwurf empört zurück und versichert, sich nach Kräften um einen guten Übergang und die bestmögliche Unterstützung des Kreises zu bemühen. Man habe schon im vergangenen Jahr gleich nach der Kündigung auf einen Austausch mit dem Kreis gedrängt, allerdings ohne Erfolg, betonte Erster Stadtrat Detlef Holz auf Anfrage.

Eltern können nur abwarten

„Sollen wir Eltern uns zusammentun? Soll der Druck von uns kommen? Sollen wir bei Gericht Klage erheben?“, fragt sich eine Leserin und Mutter, die sich an die Redaktion gewandt hat. Ihr dreijähriges Kind hat keinen Platz im Kindergarten bekommen und wird nun mit jüngeren Kindern in einer Kindertagesstätte betreut. Damit gehe es ihr noch deutlich besser als anderen Müttern, die ohne jedes Betreuungsangebot dastünden und arbeiten müssten. „Aber ein Kindergarten erfüllt mittlerweile auch einen Bildungsauftrag und die Vorbereitung auf die Schule. Daher ist es nicht förderlich, ein Kind, das reif für den Kindergarten ist, mit jüngeren Kindern in der Kita zu belassen.“

Weder Stadt noch Kreis haben einen Rat für die Eltern, nur die Zusicherung, dass alles getan werde, um die Situation so weit wie möglich zu entschärfen. „Wir konzentrieren unsere Kräfte jetzt darauf, innerhalb kurzer Zeit so viele zusätzliche Plätze wie nur möglich zu organisieren. Ob am Ende auch alle Kinder untergebracht werden können, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Versprechen können wir es nicht – auch nicht für die Tagespflege“, schreibt Koenen. Die Kreisverwaltung wolle direkt mit den Eltern Kontakt aufnehmen – „auch um herauszufinden, wie hoch ist denn jeweils der Bedarf in den einzelnen Stadtteilen ist.“

Vom Jugendhilfeausschuss hat die Kreisverwaltung die Genehmigung bekommen, Interimslösungen zu treffen und hat wohl auch schon bei den freien Trägern im Landkreis wegen der Errichtung provisorischer Plätze zur Kapazitätserweiterung angefragt. Das teilt jedenfalls die Stadt mit. „Es liegen bereits erste positive Rückmeldungen und konkrete Vorschläge vor. Was sich zu wann realisieren lässt ist der Stadt Leer noch nicht bekannt. In jedem Fall versucht der Landkreis aktiv, kurzfristig noch weitere Plätze zu schaffen“, so Fuß.

Ähnliche Artikel