Verkauf von Hanfprodukten Drogen an ostfriesischen Tankstellen – ist das legal?
An manchen Tankstellen in der Region entdeckt man Produkte, mit einem ungewöhnlichen Inhaltsstoff: Cannabidiol – gewonnen aus Hanfpflanzen. Was steckt dahinter?
Ostfriesland - Man findet sie immer öfter im Sortiment von Kiosken und Tankstellen: CBD-Blüten und weitere Produkte auf Hanfbasis. Zwischen Schokoriegeln und Kaugummis aufgereiht, kann man die kleinen Tüten und Dosen erwerben, die bedruckt sind mit bunten Bildern, und deren Inhalt stark an Cannabis erinnert.
Was und warum
Darum geht es: CBD wird aus der Hanfpflanze gewonnen. Sind Produkte mit diesem Stoff legal und gesundheitlich unbedenklich?
Vor allem interessant für: alle, die sich fragen, was es mit den Tütchen und Ölen auf sich hat
Deshalb berichten wir: Uns sind die ungewöhnlichen Produkte in einem Kiosk aufgefallen. Die Autorin erreichen Sie unter: r.heinig@zgo.de
Diese Droge ist jedoch in Deutschland wegen der berauschenden Wirkung des Inhaltsstoffes Tetrahydrocannabinol (THC) nicht erlaubt. Wie bedenklich sind die Produkte, die an Tankstellen und Co. verkauft werden?
Sind Kauf und Verkauf legal?
Die sogenannten CBD-Blüten und weitere Produkte auf Hanfbasis werden damit beworben, dass sie Cannabidiol – kurz CBD – enthalten. Ein Stoff, der wie THC aus der Hanfpflanze gewonnen wird und eine beruhigende Wirkung haben soll. Frauke Bruhns, Sprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden, erklärt, wie es sich damit rechtlich verhält: „Der Stoff CBD an sich ist nicht verboten“, sagt sie. Ob CBD-Produkte legal sind oder nicht, sei unter anderem abhängig vom enthaltenen THC-Gehalt. Dieser dürfe den Grenzwert von 0,2 Prozent nicht überschreiten. Öle und Cremes, die Hanf enthalten, sind daher in der Regel erlaubt. „Das Problem bei Produkten wie CBD-Blüten ist, dass sie nicht nur Cannabidiol, sondern auch andere Wirkstoffe der Cannabispflanze, also berauschend wirkendes THC, enthalten können“, erklärt Bruhns. Gerade bei den unverarbeiteten CBD-Blüten könne es zu variierenden Zusammensetzungen der Pflanzenteile kommen und der THC-Gehalt nicht zuverlässig bestimmt werden.
Doch nicht nur der THC-Gehalt entscheidet über Legalität. Es gibt ein weiteres Kriterium, das viele Käufer und Verkäufer nicht auf dem Schirm haben: Es müsse beim Verkauf von Cannabis-Produkten ausgeschlossen werden, dass sie zu Rauschzwecken missbraucht werden, heißt es vonseiten der Polizei. Der Handel damit sei nur zu gewerblichen und wissenschaftlichen Zwecken erlaubt. „In Deutschland ist es für den Endverbraucher daher nicht erlaubt, CBD-Blüten zu erwerben und zu besitzen, da ein Rauschzweck nicht ausgeschlossen werden kann“, erklärt Frauke Bruhns die Rechtslage.
Gibt es eine Suchtgefahr bei CBD-Produkten?
Außer diesen rechtlichen Aspekten drängt sich die Frage nach gesundheitlichen Risiken von CBD-Produkten auf. Klaus Weber von der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention Drobs in Leer sieht den Verkauf kritisch. „Cannabis-Produkte, deren THC-Gehalt unter 0,2 Prozent liegt, gelten erstmal nicht als süchtig machend“, erklärt er. Dennoch hat Weber mehrere Bedenken. Ein Problem sieht der Suchtberater in der Art, wie konsumiert wird: „Menschen, die sich CBD-Blüten kaufen, konsumieren sie, um etwas zu erreichen – in diesem Fall ist es die beruhigende Wirkung. Je nachdem, wie regelmäßig der Konsum ist, kann das Verhalten einer Abhängigkeit gleichen“, erklärt Weber.
Außerdem sei die Zusammensetzung der angebotenen Produkte meist für den Käufer nicht ersichtlich. CBD an sich ist laut Weber zwar stofflich unbedenklich und hat keine langzeitlichen Folgen. Der THC-Gehalt könne aber nur bei zertifizierten Produkten genau angegeben werden. „THC gilt als psychoaktiv. Das ist das, was berauscht. Wenn man CBD-Produkte von unseriösen Anbietern konsumiert, deren THC-Gehalt vermeintlich unter der 0,2-Prozent-Grenze ist, weiß man nicht, wie viel da wirklich drin ist“, warnt der Suchtberater. Daher bestehe auch bei diesen Produkten eine Suchtgefahr. Generell solle man seiner Meinung nach die Finger von CBD-Blüten von der Tankstelle oder aus dem Kiosk lassen. „Wer gesundheitliche Probleme hat, und deshalb Cannabis-Produkte konsumieren möchte, ist bei einem Arzt gut aufgehoben. Aber nicht in einer Tankstelle“, sagt Weber.