Aufatmen nach der Pandemie  24-Stunden-Flohmarkt in Simonswolde kommt zurück

| | 30.05.2022 19:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mitten in der Nacht in Trödel stöbern: Das ist auf dem 24-Stunden-Flohmarkt in Simonswolde möglich. Foto: Archiv/Ortgies
Mitten in der Nacht in Trödel stöbern: Das ist auf dem 24-Stunden-Flohmarkt in Simonswolde möglich. Foto: Archiv/Ortgies
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Simonswolde atmet auf: Nach zwei Jahren Pandemie-Pause kehrt der 24-Stunden-Flohmarkt zurück. Ohne Schnickschnack, aber mit einer ungewöhnlichen Neuerung.

Simonswolde - Nach zwei Jahren Pandemie-Pause kehrt eine Kultveranstaltung zurück nach Simonswolde: der 24-Stunden-Flohmarkt. Er ist weit über die Grenzen Ostfrieslands hinaus bekannt und lockt stets bis zu 20.000 Besucher. Am Sonnabend und Sonntag, 20. und 21. August, sind die Stände von 17 bis 17 Uhr geöffnet. Arno Ulrichs (parteilos), Bürgermeister von Ihlow, freut sich sehr. „Die Simonswoldmer fiebern dem Flohmarkt entgegen“, sagt der 60-Jährige, der selbst in dem Ort wohnt. „Die ganze Gemeinde Ihlow freut sich.“ Nur die Parkplatzfrage sei noch nicht abschließend geklärt.

Der 24-Stunden-Flohmarkt, der in diesem Jahr zum 39. Mal stattfindet, wird erneut von der Firma Harms Flohmärkte (Oldenburg) veranstaltet. Sie hatte die Organisation 2017 kurzfristig übernommen und damit eine jahrelang andauernde Phase der Unsicherheit beendet. Der wachsende Zuspruch hatte Verkehrsprobleme mit sich gebracht. 2011 stand der Flohmarkt, der in den Anfangsjahren ab 1981 von der Dorf-Arbeitsgemeinschaft organisiert worden war, erstmals auf der Kippe.

Zurück zu den Wurzeln

Damals rettete der Unternehmer Theo Fecht aus Großefehn als Veranstalter den Flohmarkt. Nach dem plötzlichen Tod Fechts sprang 2015 eine Firma aus Großefehn ein, die mittlerweile nicht mehr existiert. 2016 übernahm der Eventmanager Claas Meyer aus Oldenburg den Flohmarkt. Er warf im Mai 2017 das Handtuch, weil er mit der Veranstaltung einen Verlust erwirtschaftet hatte. Meyer beklagte sich über angeblich zu strenge Sicherheitsauflagen des Landkreises Aurich. Dann kam Horst Harms.

Er kehrte beim Konzept zurück zu den Wurzeln: nur Flohmarkt, kein Halligalli. Auf eine Bühne mit Show-Programm verzichtete er. Das werde auch diesmal so sein, sagt Harms. Nur eine Besonderheit will er neu ins Programm nehmen: Hubschrauberrundflüge. Allerdings nicht während der gesamten 24 Stunden, sondern nur im Hellen, betont der Veranstalter, der viel Erfahrung mit der Organisation von Flohmärkten hat. Der Straßenflohmarkt in Klein-Hesel (Landkreis Leer) Anfang Mai sei noch besser besucht gewesen als vor der Pandemie, sagt Harms: „Die Leute wollen raus.“

Von Hesel nach Simonswolde gezogen

Der 65-Jährige ist von Simonswolde so begeistert, dass er sein Haus in Hesel verkauft hat und mit seiner Frau nach Simonswolde gezogen ist: „Weil es uns hier so gut gefällt.“ Im vergangenen Jahr habe er das Gebäude der ehemaligen Raiffeisenbank erworben und umgebaut. Zuvor habe er mit seiner Frau auf dem Dorfplatz gesessen, ein Fischbrötchen gegessen und sinniert, wie schön es wäre, in Simonswolde zu wohnen. Als dann das Gebäude der Raiba zum Verkauf stand, habe er zugeschlagen.

Zuletzt fand der 24-Stunden-Flohmarkt im August 2019 statt, damals mit rund 500 Ständen. 2020 sagte die Firma Harms den Flohmarkt wegen des bundesweiten Verbots von Großveranstaltungen ab. 2021 sollte er trotz Pandemie stattfinden, mit Zugangskontrollen und Hygienekonzept. Doch das wurde vom Landkreis Aurich nicht genehmigt, da die Einhaltung der niedersächsischen Corona-Verordnung nicht gewährleistet werden könne, wie es hieß. Im öffentlichen Straßenraum könnten Besucherströme nicht gelenkt werden, so die Kreisverwaltung. Auch die Erfassung von Kontaktdaten sei an dieser Stelle problematisch.

Über solche Dinge muss sich Harms diesmal keine Gedanken machen. Er habe Anfragen von Beschickern aus Bayern und Mönchengladbach, sagt der Organisator. Neulich habe er in Wiesmoor das Gerücht gehört, dass der Flohmarkt in Simonswolde bereits ausgebucht sei. „Das ist natürlich Quatsch.“ Noch sei es nicht zu spät, Interessierte könnten sich bei seiner Firma melden. Die Höhe der Standmiete sei unverändert. Privatleute, die Trödel verkaufen möchten, zahlen sieben Euro pro Meter, wenn sie nur für einen Tag kommen, zwölf Euro für beide Tage. Verkäufer von Neuware zahlen etwa das Doppelte.

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