Schirmherrschaft von Klaus-Peter Wolf  „Hospiz am Meer“ – Von einer Idee zum Fan-Projekt

Rebecca Kresse
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Von Rebecca Kresse
| 31.05.2022 10:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Elgaard Neubauer, Schatzmeisterin des Fördervereins (von links), Bettina Göschl und Schirmherr Klaus-Peter Wolf, Miriam Glave, Erste Vorsitzende des Fördervereins „Hospiz am Meer“und Projektleiterin Christina Bitiq auf der Baustelle des Hospiz und einem gespendeten Stein für den Eingangsbereich mit dem Logo des Vereins. Foto: Rebecca Kresse
Elgaard Neubauer, Schatzmeisterin des Fördervereins (von links), Bettina Göschl und Schirmherr Klaus-Peter Wolf, Miriam Glave, Erste Vorsitzende des Fördervereins „Hospiz am Meer“und Projektleiterin Christina Bitiq auf der Baustelle des Hospiz und einem gespendeten Stein für den Eingangsbereich mit dem Logo des Vereins. Foto: Rebecca Kresse
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Im Herbst sollen die ersten Patienten im Neubau in Hage einziehen. Dafür haben viele Ehrenamtliche jahrelang gekämpft. Durch Klaus-Peter Wolf konnten sie ganz neue Unterstützer gewinnen.

Norden/Hage - Das „Hospiz am Meer“, das derzeit in Hage gebaut wird, ist das einzige stationäre Hospiz im gesamten Landkreis Aurich. Acht Plätze für unheilbar kranke Menschen, die hier in Würde ihre letzten Tage verbringen und Abschied vom Leben nehmen können. Eine solche Einrichtung gab es im Kreis Aurich bisher nicht. Umso überraschender ist es, dass nicht der Landkreis oder eine Gemeinde dieses Projekt initiiert haben, sondern ein Verein. Ein Verein mit ausschließlich ehrenamtlichen Mitgliedern, deren Plan komplett auf Spenden aufgebaut ist. Sie haben innerhalb kürzester Zeit und trotz vieler Hindernisse und Bedenkenträger etwas geschafft, woran zunächst niemand geglaubt hat.

Der Eingangsbereich des Hospizes: Die Bauarbeiten gehen voran. Die Wände sind verputzt, der Estrich drin, im Herbst sollen die ersten Gäste einziehen. Foto: Rebecca Kresse
Der Eingangsbereich des Hospizes: Die Bauarbeiten gehen voran. Die Wände sind verputzt, der Estrich drin, im Herbst sollen die ersten Gäste einziehen. Foto: Rebecca Kresse

Auch, weil sie seit dem 25. Oktober 2016 den bekannten Norder Autor Klaus-Peter Wolf an ihrer Seite haben. Er hat die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen. Gemeinsam mit den vielen Ehrenamtlichen und den Fans des Autors ist das „Hospiz am Meer“ mittlerweile zu einem erfolgreichen Gemeinschaftsprojekt unzähliger Menschen geworden. Seit Juli 2021 wird in Hage gebaut, im Herbst dieses Jahres sollen die ersten Gäste ins Hospiz einziehen. Doch bis dahin war es ein langer Weg. Miriam Glave, Erste Vorsitzende des Fördervereins „Hospiz am Meer“, Christina Bitiq, Projektleiterin, Elgaard Neubauer, Schatzmeisterin des Fördervereins und Schirmherr Klaus-Peter Wolf mit seiner Frau Bettina Göschl haben unserer Zeitung bei einem Baustellenrundgang davon erzählt.

Klaus-Peter Wolf: Ich hatte Schiss vor Hospizen

„Ich hatte Schiss vor Hospizen und wollte damit nichts zu tun haben“, gibt Klaus-Peter Wolf zu. Aber dann erreichte ihn vor mehreren Jahren eine Anfrage vom Hospiz in Jever. Ein großer Fan sei dort untergebracht und ein letzter Wunsch von dem Mann sei es, den Autor kennenzulernen, erzählt Wolf. „Weil ich Schiss hatte, habe ich meine Frau Bettina gefragt, ob sie mitkommt“, so Wolf. Trotz aller Bedenken packten die Beiden ihre Gitarre und den neuesten Krimi ein und fuhren ins Hospiz. Anders als erwartet, erlebten sie dort nicht Trauer und Tod, sondern verlebten mit dem Mann und anderen Bewohnern einen, wie sie sagen, wunderschönen Nachmittag, mit viel Freude und viel Leben. Verstanden, was Hospiz bedeutet, habe Wolf beim anschließenden Besuch auf dem Zimmer seines Fans. „Dort stand ein Sektkübel mit einer Champagnerflasche“, erzählt er. Auf die guckte der Patient vom Bett aus. Davon etwas empört sprach Wolf mit einem Pfleger darüber. „Der ist doch voll mit Medikamenten, der kann doch da nicht Champagner trinken“, so Wolf zum Pfleger. Der habe ihm zur Antwort eine einfache Frage gestellt: „Herr Wolf, hätten Sie in ihren letzten Tagen Lust auf eine Urinflasche zu gucken oder auf einen Sektkübel?“ Das war der Moment, an dem Wolf verstanden hat, was Hospiz ist und sein kann, sagt er.

So soll das „Hospiz am Meer“ in Hage mal aussehen. Grafik: Architekturbüro Peter Voss
So soll das „Hospiz am Meer“ in Hage mal aussehen. Grafik: Architekturbüro Peter Voss

Nicht lange danach erfuhr er vom Förderverein „Hospiz am Meer“, und dass die ein Gesicht für das Projekt brauchten. Es stand die Frage im Raum, ob er nicht als Schirmherr fungieren würde. „Ich bekomme viele solche Anfragen, aber hier habe ich sofort Ja gesagt“, erinnert sich Wolf. Er band seinen Verlag mit ein. Anfangs wurde da noch auf der Weihnachtsfeier für das Hospiz gesammelt. „Die haben mir dann 3000 Euro für ‚mein‘ Hospiz übergeben“, erinnert sich Wolf mit einem Schmunzeln. Mittlerweile ist das Hospiz längst auch ein Gemeinschaftsprojekt seiner Fans geworden. In jedem seiner Ostfriesen-Krimis ist auf der letzten Seite ein Spendenaufruf für das „Hospiz am Meer“ abgedruckt. Eine Autogrammkarte mit einem Foto der Grundsteinlegung liegt bei. Im Roman „Ostfriesenfluch“ band er eine Mitarbeiterin des Fördervereins und das geplante Hospiz in die Handlung mit ein.

Es gab viele Bedenkenträger

Was sich anfangs keiner der Ehrenamtlichen vorstellen konnte: Es gab zunächst sehr viel Gegenwind für das Projekt, das bis dahin ja nur eine Idee auf dem Papier war. „Wir haben den Gegenwind mittlerweile zum Rückenwind gemacht“, erzählt Christina Bitiq, nicht ohne Stolz. Wolf beschreibt es etwas poetischer: „Es war wie ein Rennen in einen Wattebausch.“ Keiner reagierte böse oder sagte etwas Schlimmes. Es gebe ja niemanden, der ein Hospiz doof findet. Trotzdem ging das Projekt nicht weiter. Dabei wollte der Förderverein eine existierende Versorgungslücke im Kreis Aurich schließen. Gestartet ist der Verein mit einem Kontostand von null Euro. Brauchen tun sie mittlerweile für das Projekt 2,2 Millionen Euro. „Viele scheuen einfach die Kosten, weil es für die reinen Investitionskosten keine staatlichen Zuschüsse gibt“, sagt Bitiq. Viele hätten Sorgen gehabt, wie das gehen soll. „Das hat viele zurückschrecken lassen, die Entscheidungen hätten treffen können“, sagt sie. Allerdings seien die Bedenkenträger auch für etwas gut gewesen. „Es war für uns Anlass, noch mal genau auf das Projekt und die Pläne drauf zu schauen“, so Bitiq. Der Vorteil des Vereins: „Wir haben einen klasse Vorstand mit vielen Kompetenzen und jeder hat seine Stärken mit eingebracht“, sagt Bitiq. Das habe den Verein so weit gebracht.

Klaus-Peter Wolf (Bildmitte) hat am Wochenende bei einer Autogrammstunde in der Buchhandlung „Lesezeichen“ in Norden wieder Spenden an den Förderverein „Hospiz am Meer“ übergeben. Foto: Rebecca Kresse
Klaus-Peter Wolf (Bildmitte) hat am Wochenende bei einer Autogrammstunde in der Buchhandlung „Lesezeichen“ in Norden wieder Spenden an den Förderverein „Hospiz am Meer“ übergeben. Foto: Rebecca Kresse

Der zweite, nicht weniger wichtige Teil war das Gesicht von Klaus-Peter Wolf und sein Einsatz für das Hospiz. „Die Fans vertrauen ihrem Autor, die wissen, dass ihre Spenden auch ankommen“, sagt Wolf. Er kann zahlreiche Anekdoten davon erzählen, wo er alles von ihm wildfremden Menschen Geld für „sein“ Hospiz zugesteckt bekommen hat. Mittlerweile hat er nicht nur eine Spendenbox, die er bei seinen Terminen aufstellt. Er hat auch im Portemonnaie ein extra Fach für spontan gereichte Spenden. Die überraschendste Spende in Höhe von 10.000 Euro fand er erst kürzlich anonym in seinem Briefkasten. Mittlerweile hat sich die Spenderin dem Autor offenbart. Bei einer Autogrammstunde im Café „Ten Cate“, setzte sich die Dame neben ihn und raunte ihm zu, dass das Geld von ihr stamme, erzählt Wolf. Außerdem wolle sie ihr Testament auch noch zugunsten des Hospizes ändern. Danach ging die Dame wieder. Ihren Namen kennt Wolf bis heute nicht.

Lob aus der Politik

Mittlerweile sind die Bedenkenträger der Anfänge längst überzeugt, sagt die erste Vorsitzende Miriam Glave. Sowohl von der Politik als auch von den Banken und Sparkassen höre sie nur noch Lob. „Die hätten nie gedacht, dass wir das so schnell und so gesichert auf die Beine stellen würden“, sagt Glave. Gerade aus den Reihen der Politik sei sie angesprochen worden, wie unglaublich schnell der Verein dieses Rieseprojekt im Ehrenamt auf die Beine gestellt habe. Mittlerweile wolle jeder Teil des Projektes sein. Der Landkreis Aurich unterstützt das Hospiz mit einmalig 500.000 Euro.

Schirmherr Klaus-Peter Wolf (links) informiert sich über den Baufortschritt beim „Hospiz am Meer“. Foto: Rebecca Kresse
Schirmherr Klaus-Peter Wolf (links) informiert sich über den Baufortschritt beim „Hospiz am Meer“. Foto: Rebecca Kresse

Die Spendenarbeit wird auch dann weitergehen, wenn das Haus im Herbst in den Betrieb geht. Denn viele Angebote, die das Hospiz bietet, werden durch die Krankenkassen nicht gegenfinanziert, weil sie offiziell nicht nötig sind. So gibt es im „Hospiz am Meer“ zum Beispiel zwei Angehörigenzimmer, die letztlich über die Spenden finanziert werden müssen. Die Pflegekassen übernehmen pro Belegungstag pro Gast einen Tagessatz. Rund 95 Prozent der Kosten sind dadurch gedeckt. Diese Finanzierung endete aber mit dem Tod eines Gastes. „Es wird aber Pausen und Leerzeiten in der Belegung geben, damit wir würdevoll Abschied nehmen können“, so Bitiq. Auch das müsse über Spenden finanziert werden. Genauso wie das würdevolle Ambiente mit schöner Beleuchtung, der Möglichkeit mit dem Bett auf die Terrasse zu fahren, schönen Bildern an den Wänden des Hospizes. Auch dafür hat schon eine Künstlerin aus Darmstadt eine Sammlung mit 50 Bildern zum Thema Mensch zur Verfügung gestellt. Insgesamt werden im laufenden Betrieb rund 100.000 Euro an Spendengeldern benötigt.

Auch am Wochenende wieder gesammelt

Wieder einen kleinen Teil davon hat Klaus-Peter Wolf auf die Baustelle mitgebracht. Bei seiner Tournee hat er Spenden für gemeinsame Selfies bekommen, 1690 Euro. Und auch die Spendenbox von einer Autogrammstunde am Wochenende ist schon wieder gut gefüllt.

Viele seiner Leser sind mittlerweile Mitglied im Förderverein. 407 Mitglieder gibt es zurzeit. Und jede einzelne Spende, jeder einzelne Beitrag fließt direkt in das Projekt. „Hier ist jede Fuge ehrenamtlich“, sagt Christina Bitiq. Sie freut sich, wenn das Hospiz endlich mit der Arbeit beginnt, für die es gebaut wird. „Hier soll ganz viel Leben stattfinden. Das wird schön.“ Davon sind alle Beteiligten überzeugt.

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