Nachbarstreit in Aurich  Villeneigentümer wehren sich gegen „üble Nachrede“

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 31.05.2022 12:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf dem Grundstück mit dem azurblauen Zaun sind vor etwas mehr als drei Jahren Bäume gefällt worden. Anschließend sollte es bebaut werden. Das ist aber nicht passiert. Foto: Archiv
Auf dem Grundstück mit dem azurblauen Zaun sind vor etwas mehr als drei Jahren Bäume gefällt worden. Anschließend sollte es bebaut werden. Das ist aber nicht passiert. Foto: Archiv
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In der Eschener Allee herrscht seit einigen Tagen Unruhe. Anwohner fühlen sich durch Aussagen eines Nachbarn in ein falsches Licht gerückt. Zwei reden jetzt Klartext.

Aurich - „Wir haben ein exzellentes Nachbarschaftsverhältnis. Es kann überhaupt keine Rede davon sein, dass wir einen Neubau an der Eschener Allee verhindern wollen.“ Mit diesen Worten tritt ein Anwohner unserem Bericht in der vergangenen Woche entgegen, in dem es um Streitigkeiten wegen eines Grundstücks in der Villengegend geht. Dort sind vor drei Jahren 25 alte Bäume gefällt worden, weil ein neues, altengerechtes Gebäude errichtet werden sollte. Außer einem Kahlschlag ist auf der Fläche an der Eschener Allee 3 allerdings nichts passiert. In unserem Bericht hatte der Bauherr den Eindruck erweckt, dass sein Bauprojekt willkürlich von den Nachbarn torpediert werde. Tatsächlich hat sich dort seit der Beseitigung des alten Baumbestands nichts getan. Warum?

Auf diese Frage hin taucht ein Nachbar der fraglichen Fläche gedanklich tief in die Vergangenheit ab. Er sei viele Jahrzehnte lang Pächter des 1600 Quadratmeter großen Grundstücks gewesen. Er hat diese Fläche so natürlich belassen wollen, wie sie war. „Das Stück Natur bildete mit meinem eigenen Garten eine schöne Einheit“, erklärt er auf Nachfrage und spricht von einem kleinen Wald. Dessen Bestand war im Jahr 2018 gefährdet, als die Erben des Grundstücks dieses veräußern wollten. Mit einem weiteren Nachbarn der Eschener Allee und zwei Anwohnerinnen der Lützowallee habe er einen Brief an die Stadt aufgesetzt mit der Bitte, dafür zu sorgen, dass das Grundstück an der Eschener Allee 3 als grüne Lunge so belassen wird, wie es jetzt ist. „Darauf haben wir niemals eine Reaktion erhalten“, wundert sich der Nachbar. Seine Verblüffung habe sich noch gesteigert, als er Monate nach diesem Brief erfuhr, dass einer der Unterzeichner das Grundstück erworben hatte und dort bauen wollte.

Nachbar legte keinen Widerspruch ein

Die Situation stellte sich danach für alle Beteiligten neu dar. Sie mussten sich mit den Bauskizzen auseinandersetzen. Weil es für den Bereich an der Eschener Allee keinen Bebauungsplan gibt, greift eine simple Regelung: Ein neues Haus muss sich von seiner Höhe und seinem Volumen her an den Gebäuden in der Umgebung orientieren. Der Nachbar sagte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass er sich die Pläne ebenfalls angeschaut habe: „Es war alles korrekt, der Abstand zu meinem Gebäude, die Baulinien waren eingehalten worden. Ich habe keinen Widerspruch eingelegt.“

Der Abstand zu seinem Gebäude sei ihm deshalb so wichtig, weil er mit seiner Familie ein denkmalgeschütztes Haus aus dem Jahr 1913 bewohne. Es verfüge über Wohnräume im Tiefparterre, dessen Wände tapeziert seien. „Wenn sich dort Risse bilden, sehe ich es nicht“, formuliert er seine Bedenken. Die hätten sich verstärkt, als er Wochen nach der Betrachtung des Bebauungsplans einen Anruf vom Wasserwirtschaftsamt des Landkreises Aurich erhalten habe. Wegen des Baus einer Tiefgarage auf dem angrenzenden Grundstück sei eine Grundwasserabsenkung erforderlich, habe man ihm mitgeteilt. Das könnte eine Gefahr für sein Haus sein. Durch diesen Eingriff in den Wasserhaushalt kann sich nämlich die Bodenstabilität verändern. Die Folge dieser Ankündigung: Der direkte Nachbar schaltete eine Fachanwaltskanzlei für Bau- und Architektenrecht ein: „Das geplante Bauwerk ist uns einfach zu riskant.“ Diese Bedenken habe er mit Unterstützung des Juristen schriftlich formuliert und an den Landkreis weitergeleitet. Das liege jetzt mehr als zwei Jahre zurück. Seither habe sich auf dem Grundstück nichts getan, was auf eine Bauaktivität schließen ließe.

Nachbar möchte Sicherheit für sein Haus

„Mir ist ganz wichtig, dass ich nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung bin. Ich bin nur besorgt wegen der Sicherheit meines Hauses“, streicht der direkte Nachbar heraus. Das Klima in der Straße sei auch nicht vergiftet, wie es der erste Zeitungsbericht über die Baumfällaktion nahegelegt habe: „Ganz im Gegenteil. Erst vor wenigen Tagen sind wir zu einem Sommerfest eingeladen worden, das einer der Nachbarn ausrichtet.“

Diese Wahrnehmung bestätigt ein weiterer Anwohner der Eschener Allee. Er sei 2016 mit seiner Frau in die Straße gezogen, ebenfalls in ein denkmalgeschütztes Haus: „Wir sind herzlich aufgenommen worden.“ Von dem Streit um das Grundstück habe er gehört: „Es ist nicht ohne, was da passiert. Derjenige, der dort bauen möchte, erzählt jedem eine andere Geschichte.“ Unwahr sei definitiv, dass vier Anwohner das Areal hätten kaufen wollen. Das habe niemals zur Diskussion gestanden. Für seine Nachbarn findet er nur positive Worte: Sie seien offen, tolerant und liberal.

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