Arbeiten am Hafen Nur noch Restarbeiten bei der Uferpromenade in Leer
Die Uferpromenade in Leer scheint nahezu fertig zu sein. Doch damit sind die Arbeiten nicht beendet. Es bleibt die Frage: Was passiert am Hafenkopf?
Leer - Die dunklen Klinker sind verlegt und die Brüstung zum Wasser sieht fertig aus. Die Uferpromenade wirkt, als sei sie fertig. Doch noch stehen die Bauzäune und Materialien liegen auf der Vorzeige-Flaniermeile direkt am Wasser.
Was und warum
Darum geht es: Die Uferpromenade in Leer steht vor der Vollendung
Vor allem interessant für: Leeraner und alle, die gerne durch die Innenstadt laufen
Deshalb berichten wir: Die Promenade sieht fertig aus. Wir wollten wissen, wie der Zeitplan aussieht Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
Doch, wann ist es so weit, dass auf der Promenade flaniert werden kann? „Es sind noch Restarbeiten an der Uferpromenade zu erledigen, so dass der Zeitpunkt der endgültigen Fertigstellung noch nicht bekannt ist“, sagt Stadtsprecherin Sabine Dannen. Allzu lange scheint es aber nicht mehr zu dauern. Gerade, wenn man den aktuellen Stand der Arbeiten einmal mit Februar vergleicht
Schotterpiste im Februar
Gerade einmal drei Monate ist es her, da war die heute breite, gepflasterte Fläche eine Schotterpiste. Gerade von der Nessebrücke aus gesehen, sah dieses Stück wahrlich nicht ansehnlich aus. Die Spundwand war deutlich zu sehen, überall lagen Hügel mit Sand und das eingerahmt von Bauzäunen. Keine Visitenkarte für die Innenstadt. Das hat sich geändert.
Gerade von der Nessebrücke aus gesehen fällt der Blick auf die breite dunkle Promenade, die an den Seiten hell abgegrenzt ist. Auch ein barrierefreier Zugang ist bereits fertig. Jetzt heißt es: Noch ein wenig warten, bis die Zäune weggenommen werden. „Die Freigabe wird zu gegebener Zeit im Rahmen einer kleinen Feierstunde erfolgen“, so die Stadtsprecherin.
Nicht alles lief glatt
Rund um das Bauwerk gab es in der Vergangenheit eine Menge Ärger. Fast 2,7 Millionen Euro hat die Stadt in die Promenade investiert. Geplant waren 1,6 Millionen. Die Kostensteigerung liegt vor allem an einer Fehlplanung durch das beauftragte Ingenieurbüro. Das Büro hatte die Tragfähigkeit des Hafengrunds nicht korrekt eingeschätzt. Es verschoben sich eingebrachte Spundwand-Elemente vom Land weg, als der Zwischenraum mit Sand verfüllt wurde. Deshalb kam es zu einem Baustopp, der das Projekt deutlich in die Länge zog. Die angefallenen Kosten werden teilweise von den beauftragten Büros übernommen, die die ursprüngliche Planung vorgelegt hatten.
„Die neue Spundwand wurde verlängert, die Gurtung verstärkt, die Rückverankerungslänge erhöht. Eine Verformung der Spundwand kann ausgeschlossen werden“, sagte Stadtsprecherin Mara-Jantje Fuß im Februar. Damals bestand die Hoffnung, die Promenade noch im Mai freigeben zu können. Dieses Ziel wurde jedoch nicht erreicht. Generell ist das Areal noch nicht fertig. Auch die Promenade soll noch um den Hafenkopf herum laufen, doch da stehen andere Bauarbeiten still.
Hafenkopf bleibt vorerst Baustelle
Das Sorgenkind bleibt der Hafenkopf. Dort befindet sich seit langem eine Baustelle, auf der quasi nichts passiert. Hier arbeitet die Terfehr Projektentwicklung an einer Idee. „Wohn- und Geschäftshaus am Hafenkopf in Leer“ ist der Titel. Die Realität ist eine andere: Bis auf die Suche nach explosiven Überbleibseln aus dem Zweiten Weltkrieg hat sich auf der Fläche zwischen Polizeigebäude und Hafenbecken bis heute nicht viel getan.
Dabei wird es bis auf Weiteres auch bleiben: Wegen des Kriegs in der Ukraine müsse der Baubeginn auf unbestimmte Zeit verschoben werden, sagte Terfehr-Geschäftsführer Johannes Kirchner vor Kurzem. Russland und die Ukraine seien große Stahllieferanten, und wegen des Kriegs fehle dieser unverzichtbare Baustoff derzeit auf dem Markt. Ohne Stahl gebe es aber auch keine Bohlen für die Spundwand im Hafenbecken, die wiederum fertig sein müsse, um mit den Bauarbeiten beginnen zu können. Am Hafenkopf sollen zwei große Wohn- und Geschäftshäuser sowie eine Promenade mit gastronomischem Angebot und hoher Aufenthaltsqualität entstehen.
Weitere Verzögerung
Wie lange die Bauarbeiten pausieren müssen, konnte Kirchner nicht einschätzen. „Aktuell gehe ich eher von Wochen oder Monaten als von Jahren aus“, sagte er. Es sei nicht absehbar, wie lange der Krieg noch dauern werde und welche Folgen er in den verschiedenen Bereichen haben werde. Es sei aber zu erwarten, dass sich auf dem Stahl-Weltmarkt mittelfristig neue Anbieter und Vertriebswege etablierten. Allerdings konkurriere man mit einer großen Zahl von potenziellen Abnehmern.
Stadt und Projektentwickler hatten gehofft, dadurch, dass die Baustelle quasi um das Hafenbecken herumwandert, Synergieeffekte nutzen zu können. Daraus wird jetzt nichts, sagte Kirchner. Auch der einstige Fußweg, der unterhalb des Polizeigebäudes am Hafenbecken vorbeiführte, könne für die Zeit des Bau-Stillstands nicht wieder geöffnet werden. Es bleibt also einiges zu tun in der Innenstadt.