Kein Geld für Beschäftigte Emder Werft Fosen Yard bangt offenbar um ihre Zukunft
Das aus den Nordseewerken hervorgegangene Schiffbauunternehmen steckt möglicherweise in Schwierigkeiten. Die Gehälter für den Mai wurden bislang nicht ausgezahlt.
Emden - Die Werft Fosen Yard Emden bangt offenbar um ihre Zukunft. Nach Informationen dieser Zeitung steckt das aus den Nordseewerken hervorgegangene Unternehmen, das seit 2019 zur norwegischen Fosen-Gruppe gehört, aktuell in Zahlungsschwierigkeiten. Demnach sind die Löhne und Gehälter für den Monat Mai bislang noch nicht an die rund 100 Beschäftigten ausgezahlt worden.
Was und warum
Darum geht es: die Zukunft des Unternehmens Fosen Yard Emden
Vor allem interessant für: alle, die sich für die maritime Wirtschaft interessieren oder die wirtschaftliche Entwicklung in Emden interessieren
Deshalb berichten wir: Die Redaktion hatte einen Hinweis erhalten, dass die Werft für den Mai keine Gehälter an die Mitarbeiter ausgezahlt hat. Diesen Hinweisen sind wir nachgegangen. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht. Der Geschäftsführer der Werft, Carsten Stellamanns, und der Betriebsratsvorsitzende Frank Hieronimus waren am Mittwoch für Stellungnahmen nicht zu erreichen. Die IG Metall wollte sich auf Nachfrage dieser Zeitung bislang nicht äußern. Es lägen noch keine näheren Informationen vor, hieß es von der Emder Gewerkschaft. Insider sprechen davon, dass die Zukunft der Werft auf Messers Schneide stehe.
Ist der Großauftrag in Gefahr?
Möglicherweise stehen die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Finanzierung des Großauftrages, den die Werft am Ende des vergangenen Jahres an Land gezogen hatte. Es handelt sich dabei um den Bau von gleich sechs Handelsschiffen.
Die sogenannten Minibulker mit einer Länge von jeweils 88 Metern sollten nach Unternehmensangaben in diesem und im nächsten Jahr ausgeliefert werden. Damit würde für den traditionsreichen Werftstandort und den Schiffbau in Emden eine lange Durststrecke enden. Der letzte vergleichbare Stapellauf liegt etwa 13 Jahre lang zurück.
Noch vor Monaten herrschte viel Zuversicht
Die Auftraggeber für die sechs Frachter kommen aus Deutschland. Die Vorlagen für die Schiffe stammen Fosen zufolge vom niederländischen Ingenieurbüro Conoship International in Groningen. Neben einem dieselelektrischen Antrieb sollen sie mit sogenannten Ventifoils ausgestattet werden. Das sind flügelförmige Elemente, die durch Windkraft eine im Verhältnis zu ihrer Größe hohe Vortriebskraft erzeugen und so den Verbrauch an Kraftstoff senken.
Nach der Unterzeichnung der Verträge mit deutschen Auftraggebern hatten Geschäftsführung und Betriebsrat von Fosen Yard Emden noch sehr optimistisch in die Zukunft der Werft geblickt. Beide Seiten rechneten damit, dass zusätzliche Stellen geschaffen werden und auch Zulieferbetriebe in der Region profitieren. Bei den Beteiligten herrschte auch Zuversicht, dass sich die Emder Werft auch über den Bau der sechs Massengutfrachter hinaus neu am Markt etablieren könne.
Die Werft baute zwei Lachsfarmen und einen Schiffsrumpf
Die norwegische Fosen-Gruppe, die vor drei Jahren in die mehrfach von der Insolvenz gebeutelten Nordseewerke eingestiegen war, hatte in Emden bislang zwei sogenannte Offhohre-Lachsfarmen und einen Schiffsrumpf für die Diedrich-Werft in Oldersum bauen lassen. Weil bis Ende des vergangenen Jahres ein Folgeauftrag fehlte, waren die Beschäftigten zwischenzeitlich an andere Firmen ausgeliehen worden oder in Kurzarbeit gegangen.
Ins Gerede gekommen war die Fosen Yard Emden im November des vergangenen Jahres, weil angeblich offene Rechnungen ostfriesischer Handwerks- und Zulieferbetriebe in Zusammenhang mit dem Bau und der Verschiffung von Segmenten der Lachsfarmen nicht mehr bezahlt worden waren. Hintergrund soll ein Streit zwischen den beiden norwegischen Unternehmen Norway Royal Salmon als Auftraggeber und der Fosen Seafarm Construction SA, einer Tochter der Fosen-Gruppe, über die Bezahlung der zwei in Emden gebauten Offshore-Lachsfarmen sein.