Rückschlag für Schiffbau Emder Werft Fosen Yard meldet Insolvenz an
Vieles hatte schon darauf hingedeutet: Die Emder Werft Fosen Yard ist pleite. Einige Beschäftigte erleben die fünfte Insolvenz innerhalb von 13 Jahren.
Emden - Schwerer Rückschlag für den Schiffbau-Standort Emden: Die Werft Fosen Yard Emden ist pleite. Das aus den traditionsreichen Nordseewerken hervorgegangene Unternehmen hat am Mittwochvormittag Insolvenz beim zuständigen Amtsgericht in Aurich angemeldet. Das geht aus einer Bekanntmachung des Gerichts hervor. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat die Justiz den Oldenburger Rechtsanwalt Dr. Christian Kaufmann bestellt.
Was und warum
Darum geht es: den nächsten Rückschlag für den Schiffsbau in Emden
Vor allem interessant für: alle, die sich für die maritime Wirtschaft in Ostfriesland interessieren
Deshalb berichten wir: Das Unternehmen Fosen Yard Emden, eine Tochtergesellschaft der norwegischen Fosen-Gruppe, hat am Mittwoch Insolvenz beim zuständigen Amtsgericht in Aurich angemeldet. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Die Nachricht vom Insolvenzantrag kam am Mittwoch nicht ganz überraschend. Diese Zeitung hatte bereits am Tag zuvor erfahren, dass Fosen Yard Emden in akuten Zahlungsschwierigkeiten steckt. Es war bekannt geworden, dass das der norwegischen Fosen-Gruppe gehörende Unternehmen die Löhne und Gehälter für den Mai nicht an die etwa 100 Beschäftigten ausgezahlt hat. Das hatte bereits für Unruhe in der Belegschaft gesorgt.
Betriebsrat spricht von „katastrophaler Situation“
Der Betriebsratsvorsitzende Frank Hieronimus und der Emder IG-Metall-Vize Thomas Preuß äußerten sich in ersten Reaktionen betroffen von der jüngsten Entwicklung. „Das ist eine katastrophale Situation“, sagte der Gewerkschafter dieser Zeitung. Für einige der Beschäftigten, die schon bei den Nordseewerken tätig gewesen waren, sei es die fünfte Insolvenz innerhalb von 13 Jahren. „Das macht was mit den betroffenen Menschen und deren Familien“, fügte Hieronimus hinzu. Die Stimmung sei „schon länger am Boden gewesen, jetzt aber in den Keller gerutscht“.
Der Betriebsrat hat für Donnerstag eine Betriebsversammlung angesetzt, um die Belegschaft über die aktuelle Situation zu informieren. Dazu wird auch der Insolvenzverwalter erwartet. Es gehe zunächst darum, dass die Beschäftigten des Unternehmens ihren Lohn über das Insolvenzgeld erhalten.
Kritik gibt es am Informationsfluss
Kritik äußerten Preuß und Hieronimus an der Kommunikation der Geschäftsführung. Bis zum Mittwochabend habe es vonseiten der Geschäftsführung keine Mitteilung an die Belegschaft gegeben. „Viele Kolleginnen und Kollegen erfuhren aus anderen Kanälen davon“, klagte der Betriebsratschef. Das sei „kein guter Stil“.
Ob der Geschäftsführer von Fosen Yard, Carsten Stellamanns, an der Betriebsversammlung teilnimmt, blieb am Mittwoch noch unklar. Nach Informationen dieser Zeitung war er am Dienstag und am Mittwoch nicht in Emden. Auf mehrfache Anfragen dieser Zeitung reagierte Stellamanns bislang nicht.
Auch die Stadt Emden engagierte sich
Der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) bedauerte am Mittwoch die Entwicklung bei der Werft. „Der Schiffbau ist ein Stück DNA dieser Stadt, deshalb ist es besonders tragisch“, sagte er. Die Stadt habe in den vergangenen Monaten in engem Kontakt zur Geschäftsführung des Unternehmens gestanden und auch Gespräche mit dem Land vermittelt. Gemeinsam seien auch Lösungsansätze gefunden worden. „Am Ende waren die Lasten aber wohl zu erdrückend“, sagte das Stadtoberhaupt.
Die Fosen Yard Emden ist offenbar schon länger als ein halbes Jahr in finanziellen Nöten. Nach Informationen dieser Zeitung hat das Unternehmen bereits seit September 2021 keine Mieten mehr an die DSD Nordseewerke Holdinggesellschaft gezahlt, die das gesamte Gelände der früheren Nordseewerke verwaltet. Sie gehört zur Stahlbaugruppe DSD Steel mit Sitz in Saarlouis, die das Areal im Jahr 2013 gekauft hatte.
Werft engagiert sich in Stralsund
Die norwegische Fosen-Gruppe, die zum 1. April 2019 die insolventen Nordseewerke übernommen hatte, hatte in Emden bislang zwei sogenannte Offshore-Lachsfarmen für einen norwegischen Auftraggeber sowie einen Schiffsrumpf für die Diedrich-Werft in Oldersum bauen lassen. Weil zunächst ein Folgeauftrag fehlte, waren zeitweise bis zu 45 Beschäftigte der Emder Werft an andere Schiffbauunternehmen ausgeliehen worden. Die meisten Mitarbeiter befinden sich derzeit in Kurzarbeit.
Zuletzt sollte ein Auftrag über den Bau von sechs Frachtschiffen neuen Schwung in den Schiffbau in Emden bringen. Der Bau sollte früheren Angaben des Unternehmens zufolge in diesem Frühjahr beginnen. Daran waren große Hoffnungen für die Zukunft des Standorts geknüpft worden. Wie es aus Werftenkreisen heißt, ist dieser Auftrag aber wegen explodierender Stahlpreise infolge des Ukraine-Krieges immer wieder aufgeschoben worden. Branchenkenner bewerten diesen Auftrag ohnehin als „eine Fata Morgana“, zumal die sechs Neubauten, sogenannte Minibulker für Stückgut mit einer Länge von 88 Metern, innerhalb von zwei Jahren abgeliefert werden sollten und der Bau in dieser kurzen Zeitspanne kaum möglich sei.
Aktuell engagiert sich Fosen Yard auch an einem zweiten Standort in Deutschland. Der Schiffbauer pachtete in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) eine große Halle, Freiflächen und Büros auf dem Gelände der früheren Volkswerft, die zu der insolventen MV-Werften-Gruppe gehörte. Eigentümerin des Areals ist die Stadt Stralsund, die dort einen maritimen Gewerbepark entwickeln will. Laut Medienberichten führte der Geschäftsführer von Fosen Yards Emden die Verhandlungen in Stralsund. Der Pachtvertrag sollte an diesem Mittwoch wirksam werden, also am selben Tag, an dem Fosen Yard Emden den Insolvenzantrag stellte.
Emder Werft Fosen Yard bangt offenbar um ihre Zukunft
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Zerstörte Hoffnungen
Gehen Schiffbauaufträge für Fosen jetzt nach Stralsund?