Emder Werft insolvent Fosen-Geschäftsführer nimmt Stellung
Der Geschäftsführer der insolventen Fosen-Werft in Emden, Carsten Stellamanns, nimmt Stellung. Er weist Spekulationen über einen Rückzug nach Stralsund zurück.
Emden - Der Geschäftsführer der insolventen Emder Werft Fosen Yard, Carsten Stellamanns, hat sich klar zum Standort Emden bekannt. Er widersprach am Freitag Spekulationen, wonach Fosen gezielt Schiffbauaufträge von Emden an den neuen Standort in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) verschieben wolle.
Was und warum
Darum geht es: die Insolvenz und die Zukunft der Emder Werft Fosen Yard
Vor allem interessant für: alle, die sich für die maritime Wirtschaft in Ostfriesland interessieren und diejenigen, die wissen wollen, wie es mit der insolventen Werft weitergeht
Deshalb berichten wir: Der Geschäftsführer der Werft hat am Freitag erstmals seit der Insolvenzanmeldung gegenüber dieser Zeitung Stellung genommen. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Die Insolvenz in Emden und die Neuansiedlung in Stralsund hätten „gar nichts miteinander zu tun“, sagte Stellamanns dieser Zeitung. Fosen habe „bis heute keinen Euro in Stralsund investiert, der in Emden benötigt wurde oder jetzt fehlt.“ Vielmehr sei es Ziel, beide Werften zu betreiben. Das sei auch für Emden von Vorteil, weil sich dadurch in Stralsund kein weiteres Konkurrenzunternehmen ansiedeln könne. Denkbar seien auch gemeinsame Projekte.
Gesellschaften sind unabhängig voneinander
Die Fosen-Gruppe hatte im April einen Pachtvertrag über Teile des maritimen Industrie- und Gewerbeparks Volkswerft mit der Stadt Stralsund abgeschlossen. Er wurde in dieser Woche wirksam – zeitgleich mit der Insolvenzanmeldung des Emder Ablegers. Es handelt sich um das Areal der ehemaligen Volkswerft, die zu der insolventen MV-Werften-Gruppe gehört. Dafür gab es mehrere Interessenten.
Für den Betrieb des zweiten deutschen Fosen-Standorts befindet sich laut Stellamanns derzeit noch eine neue Gesellschaft in der Gründung. Sie sei von Emden unabhängig. Die Verhandlungen in Stralsund habe er als Vertreter der norwegischen Holding von Fosen in Deutschland geführt.
Zur Insolvenz führten mehrere Faktoren
Zur Insolvenz der Werft in Emden haben laut Stellamanns mehrere Faktoren geführt. Das Unternehmen sei seit dem September 2021 ohne Auftrag geblieben und habe deshalb „keine wesentlichen Einnahmen“ erzielt. Der Auftrag für den Bau von sechs Frachtschiffen, sogenannten Minibulkern mit einer Länge von 88 Metern, habe sich mehrfach verzögert und aufgrund der massiv gestiegenen Preise für Stahl und andere Komponenten schließlich nicht mehr umsetzen lassen.
In diesem Zusammenhang widersprach der Werftchef auch Meldungen, das Unternehmen habe seit Monaten keine Miete an die Eigentümerin des ehemaligen Nordseewerke-Geländes, die Stahlbaugruppe DSD Steel mit Sitz im saarländischen Saarlouis, gezahlt. In Absprache mit DSD seien nach Stundungen Teilzahlungen geleistet worden. „Das ist sauber und mit rechten Dingen gelaufen“, so Stellamanns.
Jetzt wird nach Perspektiven gesucht
Der Geschäftsführer betonte, dass der Erhalt des Standortes Emden für ihn als Emder „eine Herzensangelegenheit“ sei und er zu der Belegschaft stehe. Es sei „grundsätzlich schon ein großer Erfolg“, die Werft innerhalb von drei Jahren ans Laufen gebracht und nach dem Bau von zwei sogenannten Offshore-Lachsfarmen auch Schiffsbauaufträge erhalten zu haben.
Wie es mit der Werft in Emden weitergeht, sei noch unklar. „Gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter versuchen wir jetzt, kurz- und mittelfristige Perspektiven zu entwickeln“, sagte Stellamanns. Er führte am Freitag ein erstes längeres Gespräch mit dem Insolvenzverwalter Dr. Christian Kaufmann. Der Oldenburger Rechtsanwalt hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass der Geschäftsbetrieb der Emder Werft weiterläuft.
Die Fosen Yard Emden GmbH, die 2019 aus den traditionsreichen Nordseewerken hervorgegangen war und zur norwegischen Fosen-Gruppe gehört, hatte am Mittwoch Insolvenz beim zuständigen Amtsgericht in Aurich angemeldet. Es ist die fünfte Pleite an diesem Standort innerhalb von 13 Jahren.
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