Besucherlenkung startet  Sensoren erfassen jetzt Menschen in der Krummhörn

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 03.06.2022 17:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
So sehen die Kameraaufnahmen aus, die von den Sensoren erfasst werden. Hier ist ein Testbild von der Parkplatzzufahrt in Schillig zu sehen. Foto: Wangerland Touristik
So sehen die Kameraaufnahmen aus, die von den Sensoren erfasst werden. Hier ist ein Testbild von der Parkplatzzufahrt in Schillig zu sehen. Foto: Wangerland Touristik
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Die Krummhörn ist die erste ostfriesische Kommune mit einer digitalen Besucherlenkung. Dort kann man ab jetzt mancherorts sehen, wann es gerade wie voll ist.

Greetsiel/Norddeich/Dornum - Ein Monat ist vergangen, seitdem in Schillig (Wangerland) die digitale Besucherlenkung vorgestellt worden ist. Mithilfe von Sensoren wollen Touristiker entlang der Nordseeküste die Urlauber darüber informieren, wo es gerade besonders voll ist – und gleichzeitig Alternativen aufzeigen. Nun ist dieses neue System auch in Ostfriesland an den Start gegangen. Die Gemeinde Krummhörn ist hier die erste von insgesamt drei Kommunen, wo Daten erfasst werden. Darauf weist auf Nachfrage unserer Redaktion Wolfgang Lübben hin. Er ist Leiter der Marketingabteilung bei der Touristik-GmbH Krummhörn-Greetsiel.

Was und warum

Darum geht es: Die Krummhörner Touristiker wollen ab jetzt untersuchen, wie sich ein neues Leitsystem auf das Verhalten der Besucher auswirkt. Danach wird es womöglich Anpassungen geben.

Vor allem interessant für: Besucher von Urlaubsorten

Deshalb berichten wir: Es ist jetzt ein Monat seit der Einführung des Systems im Wangerland vergangen. Wir wollten wissen, ob es inzwischen auch Neuigkeiten zu dem Projekt aus Ostfriesland gibt.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

„Bei uns sind insgesamt nun sechs Parkplätze angeschlossen (vier in Greetsiel sowie der Pilsumer Leuchtturm und Trockenstrand Upleward)“, erklärt er. Alle von ihnen galten am Freitagnachmittag laut Anzeige als „wenig“ besucht. Wer sich das Ganze einmal selbst ansehen möchte, kann derzeit in der Oase Greetsiel vorbeischauen. In der Einrichtung, die ein Schwimmbad und eine Sauna beherbergt, sind zwei Stelen aufgebaut, die über die Auslastung informieren und über verschiedene Themen in der Gegend Auskunft geben.

Weitere Stelen sollen kommen

Weitere im Ort sind geplant, bestätigt Krummhörns Touristik-Geschäftsführer Heinrich Heinenberg auf Nachfrage. Die erste soll einmal vor der Oase stehen, die zweite am WC-Gebäude beim Greetsieler Mühlenparkplatz und die dritte direkt gegenüber der roten Zwillingsmühle. Eigentlich hätten schon jetzt alle drei in Betrieb sein sollen, aber wegen des Kriegs in der Ukraine komme es zu Lieferengpässen, erklärt Heinenberg. Nun soll die erste Anfang oder Mitte August kommen, die anderen beiden Ende August oder Anfang September. Man kann aber auch online von zu Hause aus sehen, wie voll es an den Messpunkten ist. Entweder unter der Adresse www.greetsiel.de oder unter app.greetsiel.de – jeweils unter dem Unterpunkt „Parkplätze“.

„Jetzt wenig besucht“, teilten am Freitagnachmittag die Sensoren von insgesamt sechs Krummhörner Parkplätzen mit. Fotos: Wagenaar
„Jetzt wenig besucht“, teilten am Freitagnachmittag die Sensoren von insgesamt sechs Krummhörner Parkplätzen mit. Fotos: Wagenaar

Die Erwartungen an die neue Technik sind groß. „Im Zusammenspiel mit vor allem Norden-Norddeich und Dornumersiel versprechen wir uns hieraus mittelfristig gleichmäßigere Besucherzahlen“, erklärt Lübben. „Aktuell sind wir, da diese Technik gerade erst installiert ist, noch in der Phase des Sammelns von Erfahrungswerten.“ So lasse sich auch noch nicht sagen, ob sich dadurch das Verhalten die Verkehrsteilnehmer schon jetzt geändert hat. „Das wird aber kommen, sobald die Gäste diese Informationen in Massen abrufen werden“, ist sich der Marketingleiter sicher.

System soll später Vorhersagen treffen

In einem nächsten Schritt soll das System dann auch dank der gesammelten Daten dazu in der Lage sein, Auslastungen vorherzusagen. Die Touristik indes werte die Daten ihrerseits aus und bespreche sie mit der Gemeinde. „Bis es wirklich valide Daten geben wird, wird es aber noch seine Zeit brauchen“, so Lübben. Dennoch haben die Greetsieler im Vergleich mit anderen Kommunen noch einen Vorsprung, wie beispielsweise ein Blick auf die benachbarten ostfriesischen Feriengebiete zeigt.

Dieser Sensor ist am WC-Container an der Ankerstraße angebracht.
Dieser Sensor ist am WC-Container an der Ankerstraße angebracht.

So hat in der Gemeinde Dornum gerade erst der mit der technischen Umsetzung beauftragte Dienstleister die Arbeit aufgenommen, teilt auf Nachfrage Sabine Habben von der dortigen Tourismus-GmbH mit. Bereits im Januar kündigte Kurdirektor Rolf Kopper die Sensortechnik an zwei Strandzugängen in Dornumersiel, an einem Strandzugang in Neßmersiel und beim Spielpark Sturmfrei an. Informationen sollen die Gäste in der Gemeinde ebenfalls entweder über ein mobiles Endgerät oder über öffentlich einsehbare Monitore in Erfahrung bringen können, die schon jetzt beim Campingplatz, beim Reethaus (Touristinformation) in Dornumersiel und beim Sturmfrei zu finden sind. Neu dazu kommen laut Dornums Tourismuschef Rolf Kopper Anzeigesysteme bei den erwähnten Strandzugängen.

Messpunkte an den Deichen

Wie in Dornum konnte auch in Norddeich der Auftrag für die jetzt anstehenden Aufbauarbeiten erst vor wenigen Tagen erteilt werden, so Jens Albowitz vom Tourismus-Service Norden-Norddeich. Geplant sind ihm zufolge Sensoren an sechs Deichübergängen zwischen der Plaza ganz im Westen des Strands (beim Sanitärcontainer) und beim Restaurant Utkiek am anderen Ende. Wenn man an den Strand kommt, soll man einmal fünf Monitore mit Informationen finden. Ein weiterer soll im Eingangsbereich des Schwimmbads Ocean Wave stehen und dort auch über die Menge an Badbesuchern informieren. Schließlich ist noch ein weiterer direkt beim Großparkplatz an der Tourist-Information vorgesehen.

Sonja Janßen, die Geschäftsführerin der Tourismusgesellschaft „Die Nordsee“, bezeichnete die Besucherlenkung an der Küste bei dessen Startschuss vor einem Monat als „Jahrhundertprojekt“. Die Dachgesellschaft hat das Projekt federführend vorangetrieben. Und selbst eine knappe Viertelmillion Euro investiert. Insgesamt liegen die Kosten für das ganze Vorhaben bei 1,5 Millionen Euro. Ein Teil davon stammt aus Mitteln des Landeswirtschaftsministeriums.

Bei den Aufnahmen der verwendeten Kameras handelt es sich um keine normalen Fotos, sondern um sogenannte Lidar-Aufnahmen, also eine Art dreidimensionales Laserscanning. Weil man damit gerade einmal den Unterschied zwischen Auto und Mensch erkennt, wird die Technik als datenschutzkonform beschrieben.

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