Aurich will Innenstadt beleben Bewegliche Bäume sollen Marktplatz mehr Pep geben
Wie kann man der tristen grauen Fläche des Auricher Marktplatzes mehr Leben einhauchen? Vielleicht durch mobile Bäume. Doch der Bürgermeister winkt ab.
Aurich - Wie kann der Auricher Marktplatz attraktiver werden? Der Kaufmännische Verein Aurich (KV) hat eine Idee: Die Stadt soll mobile Baumkübel anschaffen, also bewegliche Bäume. Sie können an unterschiedlichen Stellen platziert und per Gabelstapler versetzt werden. Durch den Anblick der Bäume soll die graue Fläche des Marktplatzes aufgebrochen werden. Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) hält die Idee für nicht realisierbar. Das sagte er am Donnerstagabend in der Ratssitzung. „Hier geraten wir räumlich an unsere Grenzen.“ Durch die Bäume würde den Wochenmarktbeschickern Platz zum Rangieren genommen, und sie würden Rettungswege blockieren. „Es geht nicht.“
Stattdessen schlägt die Verwaltung die Anschaffung herkömmlicher Pflanzkübel mit Büschen vor. Dem CDU-Ratsherrn Bodo Bargmann platzte daraufhin der Kragen. „Ich bin erschüttert“, sagte er am Rednerpult in der Stadthalle. „Wir wollen ausdrücklich keine Blumenkübel, wir wollen Bäume in Kübeln.“ Das sei ein politischer Beschluss, den die Verwaltung umzusetzen habe. „Wir wollen ein Startsignal für unsere Stadt setzen. In Aurich tut sich was, Aurich schreitet voran.“ Davon sei nichts zu sehen.
Streit über Trailerbühnen
Anlass der Diskussion war die Frage, wie die Stadt 250.000 Euro aus dem Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“ des Landes am sinnvollsten umverteilt. Diese Summe war ursprünglich für die Neuordnung der Grünfläche am Pferdemarkt und eine neue Wegeführung vorgesehen. Doch dafür wird die Zeit bis zum Ende des Abrechnungszeitraums (März 2023) zu knapp. Die Verwaltung schlägt vor, das Geld stattdessen für die Gestaltung des Marktplatzes, die Installation eines WLAN-Systems in der gesamten Innenstadt und für eine Verlängerung des Arbeitsvertrags von Citymanagerin Vicki Janssen bis August 2023 einzusetzen.
Für den Marktplatz will die Stadt zwei Trailerbühnen anschaffen. Das sind mobile Bühnen, die schnell auf- und wieder abgebaut werden können. Diesen Vorschlag geißelte Bargmann als unsinnig. Das Geld könne man besser für Baumkübel ausgeben. Feddermann verteidigte die Bühnen: „Man sieht, dass eine Innenstadt lebt, wenn dort Veranstaltungen sind.“
Einmal mit Markthalle, einmal ohne
Bei der Gestaltung des Marktplatzes lässt sich die Stadt helfen. Für kommenden Mittwoch ist ein erstes Treffen mit der Freiflächenplanerin und Landschaftsarchitektin Anke Deeken (Bremen) geplant. Ziel sei die Erstellung von zwei Konzepten, so Feddermann – eins mit Markthalle, eins ohne. Der Bürgermeister plädiert aber dafür, die Markthalle auf keinen Fall abzureißen, wie es von Teilen der Politik gefordert wird. Um für alle eine zukunftsfähige Lösung zu finden, wolle die Stadt auch mit Marktbeschickern und Gastronomen am Marktplatz sprechen.
An dem Gespräch mit der Freiflächenplanerin wird auch der KV-Vorsitzende Udo Hippen teilnehmen. „Davon erhoffe ich mir viel“, sagte Hippen im Gespräch mit der Redaktion. Er hält an der Idee mit den Baumkübeln fest. Damit könne man auf dem Marktplatz Atmosphäre schaffen und auch die triste Nordseite der Markthalle beleben. Die habe momentan eher Hinterhofcharakter. Hippen hält es für machbar, die Bäume so zu platzieren, dass sie keine Fluchtwege blockieren. Der KV wolle auf keinen Fall den Wochenmarkt schwächen, betonte der Vorsitzende. „Dann wären wir ja mit dem Klammerbeutel gepudert.“ Der Wochenmarkt sei ein Zentrum der Begegnung und ein belebendes Element für die Innenstadt. Die Bäume könnten so platziert werden, dass er nicht beeinträchtigt werde.
Über die Verwendung der 250.000 Euro hat der Rat am Donnerstag noch nicht entschieden. Die Fraktionen werden noch einmal darüber beraten. Bis Ende Juni soll der Verwaltungsausschuss entscheiden. Der tagt stets nicht öffentlich.
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