Bund will Fischern helfen Tank-Rabatt nutzt Greetsieler Krabbenfängern nichts
Die Fischereibranche leidet aus steuerrechtlichen Gründen weiter unter teurem Diesel. Nun soll es Hilfe geben, die in Greetsiel aber skeptisch gesehen wird.
Krummhörn/Berlin - Seit diesem Monat soll ein Rabatt für etwas Entspannung an den Tankstellen sorgen. Zwar stehen Mineralölkonzerne in der Kritik, weil nach der Absenkung der Kraftstoffsteuer die Preise allmählich trotzdem wieder steigen. Deshalb wird aktuell auch bereits über eine „Übergewinnsteuer“ diskutiert. Trotzdem profitieren Autofahrer noch mehr von der Absenkung als beispielsweise die Fischer. Für sie ist durch den Rabatt alles sogar noch etwas teurer geworden, bestätigt Jann-Tjado Gosselaar.
Was und warum
Darum geht es: Die Schifffahrtsbranche profitiert nicht von Treibstoff-Steuersenkungen. Darum soll sie nun anderweitig bedacht werden.
Vor allem interessant für: Menschen, die von der Schifffahrt Leben oder deren Ware auf dem Wasserweg transportiert wird
Deshalb berichten wir: Wir hatten in der Vergangenheit bereits über die Probleme der Greetsieler Fischer berichtet, die wegen der hohen Dieselpreise zwischenzeitlich sogar zu Hause geblieben sind. Nun wollten wir wissen, was es Neues gibt. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Der Greetsieler Krabbenfischer erinnert daran, dass er und seine Kollegin ihren Diesel zumindest weitestgehend steuer- und zollfrei bekommen. Eine Steuererleichterung bringe ihnen also von vornherein nichts. Wenn die Mineralölkonzerne die Preise nun auch noch in der Hoffnung weiter anziehen, dass die Autofahrer es nicht so stark bemerken, sei die Lage für Gosselaar und die Seefahrtsbranche insgesamt noch schwieriger. Zwar lagen die Preise direkt vor Pfingsten etwa bei 1,04 oder 1,05 Euro pro Liter und damit unter den Spitzenwerten von März (rund 1,35 Euro). Dafür waren es im vergangenen Jahr nur 50 bis 60 Cent pro Liter gewesen und die finanziellen Reserven der Fischer werden immer knapper.
Hauthalt enthält Sprithilfe
Hoffen lässt nun die Ankündigung der Bundesregierung: Dank eines neu geschaffenen EU-Rechtsrahmens für Soforthilfen sollen insgesamt zehn Millionen Euro für Treibstoffhilfen zur Verfügung gestellt werden. Torsten Stein vom Büro des aus Pewsum stammenden SPD-Bundestagsabgeordneten Johann Saathoff bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass das Geld im diesjährigen Bundeshaushalt eingeplant ist. Und der soll an diesem Freitag verabschiedet werden, kündigt er an.
„Die Fördersummen sind nach Größenklassen gestaffelt. Ein Krabbenkutter zwischen zwölf und 18 Metern soll zum Beispiel pauschal 13.300 Euro bekommen.“ Insgesamt variieren die Summen pro Betrieb zwischen 450 Euro (Fahrzeuge mit passivem Fanggerät mit einer Länge von höchstens zehn Metern) und 35.000 Euro. Die gibt es aber grundsätzlich nur für Wasserfahrzeuge ab mindestens 24 Metern, Muschelfischerei-Fahrzeuge und bestimmte Hochsee-Fahrzeuge. Nach der Verabschiedung des Haushalts im Bundestag werde es laut Stein noch ein paar Tage dauern, bis das Gesetz im Bundesanzeiger veröffentlicht und damit wirksam werde.
Fischer werden angeschrieben
„Die Auszahlung der Treibstoff-Beihilfen läuft über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Auf Grundlage aktueller Untersuchungen des Thünen-Institutes zu den gestiegenen Betriebskosten der Fischereiflotte werden von der BLE Pauschalsätze ausgereicht, für die es keiner Antragstellung bedarf“, heißt es weiter. „Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung wird per Post auf die Fischereibetriebe zugehen.“
Für „pauschal 13.300 Euro“ pro Krabbenkutter hatte sich Saathoff auch bereits in einer am 20. Mai veröffentlichten Pressemitteilung ausgesprochen. Allerdings war zuvor immer nur von Hilfen in Höhe von „bis zu 35.000 Euro“ die Rede gewesen, worauf wohl auch viele Greetsieler Fischer gehofft haben. So sagte Gosselaar unserer Zeitung vor zwei Monaten, dass der Betrag auch nicht niedriger sein sollte, um überhaupt noch etwas von der Entlastung zu spüren. Der Deutsche Fischerei-Verband hatte ein paar Tage später bereits von den ersten Insolvenzen in der Branche gesprochen und von „verbrauchten Substanzen“. Manche Fischer etwa hätten gar Lebensversicherungen für die Altersversorgung gekündigt, um sie in den Betrieb zu stecken, so Verbands-Generalsekretär Peter Breckling.
Zumindest Gosselaar hatte zuletzt noch etwas Glück gehabt und kann derzeit von gebunkertem Treibstoff leben, der während eines Zwischentiefs für 90 Cent pro Liter eingekauft wurde, sagt er. Dennoch müsse sein Betrieb „sparen, sparen, sparen“, betont der Fischer. Auf die Hilfen des Bundes schaut er indes mit Skepsis. Wenn die Fischer diese – wie auch die Corona-Nothilfen von vor zwei Jahren – zu einem späteren Zeitpunkt zurückzahlen müssten, wäre das nur ein „in die Länge gezogenes Leid“ und er werde lieber von vornherein auf das Geld verzichten, kündigt der Greetsieler an. Gleichzeitig warnt er davor, dass der Erzeugerpreis weiter steigt und sich damit auch auf das Endprodukt in den Supermärkten niederschlägt. Wenn das Krabbenbrötchen zu teuer werde, verzichte der Kunde im Zweifel lieber darauf, als mehr zu zahlen, befürchtet er.
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