Plakate sollen mahnen  Aufsteller an Straße werben für Kinderrechte

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 08.06.2022 17:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ronja Lehmann (links) aus Jennelt und Ventje Paulsen aus Grimersum zählten zu den acht Kindern, die jetzt in Zusammenarbeit mit zwei Künstlern die Graffiti gestaltet haben. Fotos: Hillebrand
Ronja Lehmann (links) aus Jennelt und Ventje Paulsen aus Grimersum zählten zu den acht Kindern, die jetzt in Zusammenarbeit mit zwei Künstlern die Graffiti gestaltet haben. Fotos: Hillebrand
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Gruppen im Landkreis Aurich nehmen an der Aktion „Straße der Kinderrechte“ teil. So auch jetzt in Pewsum. Wie schlimm aber ist die Lage hierzulande überhaupt?

Pewsum/Norden - Mehr als 30 Jahre sind es her, dass die Vereinten Nationen (UN) ihre Kinderrechtskonvention veröffentlicht haben. Inzwischen haben sie alle Staaten unterzeichnet und mit Ausnahme der USA auch ratifiziert. Dennoch gibt es nach wie vor überall auf der Welt Kinder, die von diesen Rechten nur träumen können. Um für das Problem zu sensibilisieren, hat der Landesverband der Kunstschulen Niedersachsen (Kunst & Gut) die „Straße der Kinderrechte“ ins Leben gerufen. Auch Gruppen aus Ostfriesland nehmen an der Aktion teil.

Was und warum

Darum geht es: Eine neue Aktion stellt die Rechte von Kindern in den Mittelpunkt. Die Leiterin des Kinderschutzbunds in Norden erklärt, warum es von solchen Projekten nie genug geben kann.

Vor allem interessant für: Familien mit Kindern; Verkehrsteilnehmer, die sich bald über die Graffiti an der Straße wundern

Deshalb berichten wir: Die Ländliche Akademie Krummhörn-Hinte hat uns auf die Aktion aufmerksam gemacht.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Einige davon sind die Kunstschule Norden, der dortige Kinderschutzbund und die Oberschule, die gerade verschiedene Projekte vorbereiten. So soll unter anderem an der Alten Sielschule, dem Sitz des Kinderschutzbunds, ein Platz der Kinderrechte entstehen. In der Krummhörn hingegen ist bereits alles vorbereitet. An diesem Dienstag stellte die Ländliche Akademie Krummhörn-Hinte (LAK) zwei Plakate mit zwei von Kindern mitentworfenen Graffiti auf dem Marktplatz in Pewsum auf, die zusammen den Spruch „Lasst mich sein, wie ich bin“ ergeben. Sie sollen bald als zehn Quadratmeter großes Plakat am Neuen Weg aufgestellt werden, der die Stadt Emden und die Gemeinde Hinte miteinander verbindet. In den folgenden Monaten sollen die Plakate noch zweimal getauscht werden.

Wie aber geht es den Kindern hierzulande überhaupt? Darüber hat unsere Zeitung mit Maike Farny-Carow ein Interview geführt. Sie ist die Geschäftsführerin des Kinderschutzbunds in Norden und setzt sich seit vielen Jahren für das Wohl der Mädchen und Jungen in Norden und in der Region ein.

Frage: Frau Farny-Carow, wie ist es um die Kinderrechte bestellt?

Maike Farny-Carow: Wir sind schwer bedacht, für Chancengleichheit zu sorgen. Die Kinderrechte sollen hierzulande darum auch ins Grundgesetz, was leider noch nicht geschehen ist. Das ist wirklich schade, zumal die UN-Kinderrechtskonvention schon seit 1992 in Deutschland gilt. Dank des neuen Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes vom vergangenen Jahr sind wir aber auf einem guten Weg. Es soll denjenigen jungen Menschen helfen, die benachteiligt sind, die unter belastenden Lebensbedingungen aufwachsen oder die Gefahr laufen, von der sozialen Teilhabe abgehängt zu werden. Darüber hinaus merkt man allgemein, dass die Kinderrechte mehr in den Fokus genommen werden und die Gesellschaft einen anderen Blick darauf bekommt. Auch der Kinderschutzbund macht sich schon lange stark und hat viel umgesetzt. Es muss aber noch viel getan werden.

Wegen kriegsbedingter Lieferengpässe konnten die endgültigen Großplakate noch nicht am Neuen Weg zwischen Emden und Groß Midlum aufgestellt werden. Darum wurde die Aktion jetzt erst einmal provisorisch auf dem Pewsumer Marktplatz gestartet. Das Bild zeigt LAK-Mitglieder, die bei der Veranstaltung sangen. Am Mikrofon steht der LAK-Vorsitzende Hero-Georg Boomgaarden, vorne im Bild ist die LAK-Geschäftsführerin Christine Schmidt zu sehen.
Wegen kriegsbedingter Lieferengpässe konnten die endgültigen Großplakate noch nicht am Neuen Weg zwischen Emden und Groß Midlum aufgestellt werden. Darum wurde die Aktion jetzt erst einmal provisorisch auf dem Pewsumer Marktplatz gestartet. Das Bild zeigt LAK-Mitglieder, die bei der Veranstaltung sangen. Am Mikrofon steht der LAK-Vorsitzende Hero-Georg Boomgaarden, vorne im Bild ist die LAK-Geschäftsführerin Christine Schmidt zu sehen.

Frage: Was hat sich in den vergangenen Jahren schon in Sachen Kinderrechte verbessert?

Farny-Carow: Jede Einrichtung und Institution, die mit Kindern zu tun hat, muss jetzt ein Kinderschutzkonzept erstellen. Dabei muss man sich spätestens mit den Rechten der Kinder auseinandersetzen. Der Landessportbund Niedersachsen beispielsweise ist in dieser Angelegenheit ganz weit vorne und das finde ich herausragend.

Frage: Welche Folgen hatten die Corona-Shutdowns für die Kinder?

Farny-Carow: Das Recht auf Bildung ist in dieser Zeit ganz nach hinten gestellt worden, auch wenn das der Pandemie geschuldet war. Lange Zeit lief da außer der Digitalisierung gar nichts. Auch das System zur Sicherstellung von gewaltfreier Erziehung lag brach. Nun kommen wir wieder besser ins Gespräch mit den Eltern und Kindern. Das hat lange gedauert, aber ich finde, wir sind da jetzt auf einem guten Weg.

Frage: Was ist Ihrer Meinung nach gerade das drängendste Problem, wenn es um das Thema Kinderrechte geht?

Farny-Carow: Zumindest bei uns in Norden ist ein drängendes Problem das Kinderrecht auf Freizeit, Spiel und Erholung. Viele Familien haben wenig finanzielle Möglichkeiten und in Norden fehlt es in der Innenstadt an einem Spielplatz für die Kinder. Das Recht auf Bildung steht aber natürlich auch weiterhin im Vordergrund. Alle Institutionen bemühen sich zwar, Kinder und ihre Familien zu unterstützen, aber man muss Menschen finden, die das auch umsetzen können.

Frage: Reichen Aktionen wie die „Straße der Kinderrechte“ aus, um für das Thema Kinderrechte zu sensibilisieren?

Farny-Carow: Alleine reicht die auf keinen Fall aus, aber ich finde sie trotzdem toll. Es ist super, dass Aktionen dieser Art immer wieder von verschiedenen Institutionen durchgeführt werden. Es ist wichtig, dass die Kinderrechte immer und immer wieder in den Mittelpunkt gerückt werden.

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