Sperrungen in Leer  So lebt es sich im Schatten des Leeraner Stadtrings

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 09.06.2022 16:53 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Da die Schäden an den Stadtringbrücken deutlich schwerer sind als gedacht, bleibt die Strecke gesperrt. Foto: Wolters/Archiv
Da die Schäden an den Stadtringbrücken deutlich schwerer sind als gedacht, bleibt die Strecke gesperrt. Foto: Wolters/Archiv
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An den Brücken des Stadtrings sind gravierende Schäden aufgetreten. Rund um die Straße wohnen viele Menschen. Momentan genießen sie die Ruhe, doch so ruhig wird es nicht ewig sein.

Leer - Es ist ruhig. Nur das Rauschen der Blätter, die sich im Wind wiegen, ist zu hören. In einem Garten bellen zwei Hunde und in weiter Ferne sind Geräusche eines Bohrers zu hören. Der Blick geht ins Grüne. „Jetzt gerade ist es super ruhig“, sagt Manfred Trotte und lacht. Und die Ruhe wird noch eine ganze Zeit bleiben, denn Manfred Trotte lebt mit seiner Frau Anke im Schatten des eigentlich viel befahrenen Stadtrings.

Was und warum

Darum geht es: Anwohner des Stadtrings genießen aktuell viel Ruhe.

Vor allem interessant für: alle, die sich für die Arbeiten an der wichtigen Straße interessieren

Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, was Anwohner von den Arbeiten halten.

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

Bis in den Oktober wird der Ring aller Voraussicht nach gesperrt bleiben. Grund ist, dass sich die Schäden an den Brücken als deutlich schwerwiegender herausgestellt hatten als befürchtet. „Die Straße ist im Abstand von etwa zwei Metern zu den Radwegen bis auf fünf Zentimeter mit Chloriden belastet“, so Markus Dinkela von der für den Stadtring zuständigen Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich. Das gelte für beide Brücken. „Es gibt Abschnitte, die sind stärker belastet, einige hingegen gar nicht“, so Dinkela. Es hätte sich gezeigt, dass die Abdichtung, die zwischen Asphaltdecke und Betongrund eingebracht werden muss, fehle. So hatte mit Streusalz versetztes Wasser leichtes Spiel.

Hoffnung auf Ruhe

Das Ehepaar Anke und Manfred Trotte verbindet die nun festgestellt Schäden mit einer Hoffnung. „Vielleicht wird das ja jetzt vernünftig gemacht und es bleibt ruhiger“, so Manfred Trotte. Sein Kritikpunkt: „Die Abrollgeräusche waren nach der Sanierung im Jahr 2017 sehr präsent“, sagt er. Damals sei ihm gesagt worden, dass sich der Belag noch zufahren müsse, dann würden auch die Abrollgeräusche verschwinden. „Drei Jahre später habe ich drauf hingewiesen, dass es immer noch laut war“, sagt er.

Als dann im letzten Jahr an den Brücken gearbeitet wurde, wuchs bei dem Ehepaar die Hoffnung, dass die störenden Abrollgeräusche nun Geschichte wären. Dann kam aber ein neues Geräusch: „Das Abrollen war viel leiser aber beim Übergang von Straße auf Brücke gab es auf einmal Klackgeräusche. Ich verstehe nicht, warum sie das nicht hinbekommen“, so Trotte.

Fehler nicht aufgefallen

Fürs Erste ist nun aber Ruhe am Stadtring. „Wir wissen, dass wir an einer Verkehrsader wohnen, und der Stadtring ist für den Verkehr sehr wichtig“, so Trotte. In den letzten Jahren sei der Verkehr immer stärker geworden, daran habe man sich aber gewöhnt. Unbegreiflich sei ihm jedoch, dass so oft an Brücken gearbeitet wurde, die Fehler aber nicht aufgefallen sind.

Tatsächlich wurde erst, als vor wenigen Wochen die Deckschicht abgefräst wurde, erkannt, dass es gravierende Schäden gibt. Für die niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr steht nun erst einmal Schadensbegrenzung im Raum. Dennoch werde man sich auch um den Verursacher kümmern. „Aktuell arbeiten wir aber noch intensiv an der Umsetzung zur Lösung dieser Folgen. Anschließend werden wir den Ursachen auf den Grund gehen“, so Frank Buchholz, Leiter der Auricher Behörde.

Wunsch der Anwohner

Dass es für die ausführende Firma, die an den Bauwerken nicht so gearbeitet hat, wie es hätte passieren müssen, Folgen geben könnte, ist also nicht vom Tisch. Klar ist auch: Es wird noch Monate am Stadtring gearbeitet. „Vielleicht bauen sie ja diesmal Flüsterasphalt ein. Dann würde es für uns ruhiger bleiben“, hofft Manfred Trotte.

Bisher wurde hier ein anderes Material verwendet. „Auf den Brücken ist Gussasphalt eingebaut. Auf diesem wurde bei dem Einbau auf der noch heißen Oberfläche eine Gesteinskörnung aufgebracht, um die Griffigkeit und damit die Verkehrssicherheit zu erhöhen“, so Buchholz vor den Arbeiten im vergangenen Jahr.

Erst hatte man überlegt, ob man die akustischen Verhältnisse zum Beispiel durch das Einfräsen von Rillen oder andere Maßnahmen verbessern könnte. „Aufgrund des hohen Kostenaufwandes verbunden mit den beengten Verhältnissen und Zweifel daran, dass sich dauerhaft eine Verbesserung einstellt, wurden diese Pläne wieder verworfen“, erklärte Buchholz.

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