Deutschland  Warum es Fabian Köster leicht fällt, über Friedrich Merz Witze zu machen

Daniel Batel
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Von Daniel Batel
| 09.06.2022 10:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 11 Minuten
Fabian Köster wurde 2018 mit dem Nachwuchspreis beim Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Er zählt zu den bekanntesten Gesichtern der „Heute Show“ im ZDF. Foto: dpa/Henning Kaiser
Fabian Köster wurde 2018 mit dem Nachwuchspreis beim Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Er zählt zu den bekanntesten Gesichtern der „Heute Show“ im ZDF. Foto: dpa/Henning Kaiser
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Fabian Köster zählt als Teil der „Heute Show“ mit 26 Jahren schon zu den bekannten Fernsehgesichtern. Welcher Auftritt ihm bis heute besonders im Gedächtnis geblieben ist, wie er sich auf Parteitage vorbereitet und ob er noch ans lineare Fernsehen glaubt, verrät er im Interview.

Fabian Kösters Schlagfertigkeit in Gesprächen mit Spitzenpolitikern ist berüchtigt. Bei der „Heute Show“ machte er sich einen Namen als angriffslustiger Außenreporter. An der Seite von Lutz van der Horst ist er bald wieder in einer Spezialausgabe der Satiresendung zu sehen.

Frage: Herr Köster, ich habe Ihnen ein Kartenspiel mitgebracht, das sogenannte Tyrannen-Quartett. Ziel ist es, den jeweiligen Stich zu gewinnen. Ich gebe zu, die Kategorien sind äußerst makaber. Sie fangen an.

Antwort: Ich habe den chilenischen Diktator Pinochet und nehme mal die Kategorie Herrschaftsdauer: 17 Jahre.

Frage: Netter Versuch, ich habe den früheren spanischen Machthaber Franco, der hat 36 Jahre geherrscht. Der Stich geht an mich. Versuchen Sie es nochmal.

Antwort: Oh, ich habe die Oberkategorie Völkermörder und dann auch noch Saddam Hussein gezogen. Also gut... Hier steht, Todesopfer 1,3 Millionen.

Frage: Ihr Stich. Ich habe den serbischen Despoten Slobodan Milosevic, der kommt auf weniger Tote. Können Sie über so ein Spiel lachen?

Antwort: Nicht wirklich. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine führen einem solch schrecklichen Zahlen das Leid der Menschen nochmal besonders vor Augen.

Frage: Lassen sich über den Krieg in der Ukraine überhaupt Witze machen?

Antwort: Über den Krieg direkt nicht, nein. Wenn, dann eher über Umstände. Zum Beispiel, wenn bei dieser Militärparade in Russland die Jets wegen angeblich schlechtem Wetter nicht fliegen, bei 20 Grad und Sonnenschein.

Frage: Ist Putins Bösartigkeit ein leichtes Ziel für politische Satire?

Antwort: Putin ist ja so böse, dass man das Gefühl hat, darüber Witze zu machen, ist nicht hart genug. Über demokratische Politiker lässt sich einfacher späßeln. Zurzeit begleite ich zum Beispiel mit meinem Kollegen Lutz van der Horst für ein „Heute Show Spezial“ Mitte Juni die CDU in der Opposition. Da kann man einfach viel befreiter Witze machen. Auch wenn Friedrich Merz das vielleicht anders sieht (lacht).

Frage: Wie schwierig ist es für Sie, aktuell nicht den Humor zu verlieren?

Antwort: Es ist schon schwierig. Ich weiß noch, als Putin einmarschiert ist, war in Köln Weiberfastnacht. Das ist hier quasi der höchste Feiertag. Man ist aufgewacht und hat diese Eilmeldung gesehen. Da war einem nicht nach Feiern zumute.

Frage: Verlassen wir mal das Weltgeschehen und kommen nun zu Ihnen. Wandern Sie inzwischen eigentlich gerne? Sie ahnen bestimmt, worauf ich hinauswill.

Antwort: Na klar, meinen ersten Auftritt bei TV Total. Doch, ich gehe jetzt auch manchmal wandern. Das Wandern war bei dem Beitrag auch nicht der Hauptangriffspunkt. Es ging eher um diese Situation, die jeder Jugendlicher kennt, mit der Familie den Sonntagsspaziergang machen zu müssen.

Frage: Was war das für ein Gefühl, mit 18 Jahren bei Stefan Raab aufzutreten?

Antwort: Stefan Raab ist für meine Generation eine Legende. Man hat früher immer TV Total geguckt und sich auf dem Schulhof darüber unterhalten. In der Sendung zu sein, die ich als Jugendlicher immer geguckt habe, war total aufregend.

Frage: Seitdem ist ja einiges passiert. Sie sind inzwischen ein bekanntes Gesicht im ZDF und fester Bestandteil der „Heute Show“.

Antwort: Das stimmt.

Frage: Ihr Markenzeichen ist Ihre Schlagfertigkeit in Interviews mit Politikern. Woher kommt diese Fähigkeit?

Antwort: Da müssten Sie jetzt meine Lehrer fragen.

Frage: Haben die unter Ihnen gelitten?

Antwort: Ach was, nein. Wahrscheinlich hatte ich schon immer eine gewisse Schlagfertigkeit. So ein bisschen Improvisationstalent muss man glaube ich haben. Das sieht man auch bei meinem Drehpartner Lutz van der Horst.

Frage: Sie provozieren Politiker ja schon sehr, manchmal wird es auch persönlich.

Antwort: Ich glaube, dass Politiker bei uns am Mikrofon durchaus gewinnen können. Dafür braucht es nur etwas Selbstironie und Lust auf einen Schlagabtausch.

Frage: Wer fällt Ihnen da spontan ein, der sich da gut verkauft hat?

Antwort: Karl Lauterbach ist zum Beispiel ein Naturtalent mit seiner rheinischen Art. Der älteste Politiker der CDU, Philipp Amthor, macht das aber auch ganz gut (lacht).

Frage: Haben Sie mittlerweile eigentlich die Nummer von Andreas Scheuer?

Antwort: (lacht) Nee, aber die will ich auch gar nicht.

Frage: Sind Ihre Punchlines eigentlich vorbereitet? Warten Sie nur darauf, dass Ihr Gegenüber Ihnen einen bestimmten Ball zuspielt?

Antwort: Das ist schon zu technisch gedacht. Die Gespräche gehen oft in eine völlig andere Richtung, als man es erwartet hat. Vorher überlegt man sich ja, wie die Grundhaltung des Beitrags sein soll. Darauf komme ich als rote Linie möglichst immer wieder zurück.

Frage: Dafür muss man sicher gedankenschnell sein, oder?

Antwort: Wahrscheinlich, ja. Ich merke persönlich immer, dass ich nach Drehs wirklich erschöpft bin. Also nicht im körperlichen Sinne, sondern psychisch. Es zehrt an einem, wenn man die ganze Zeit über total unter Anspannung steht und fokussiert bleiben muss. Gerade auf Parteitagen, wo man häufig nur eine Chance für einen Spitzenpolitiker hat, weil der dann nur genau diese drei Minuten Zeit hat. Wir wollen ja keine Abläufe stören, und dann muss alles punktgenau in dem Moment passen.

Frage: Wo haben Sie schon überall Hausverbot? Bei der FDP vielleicht?

Antwort: Tatsächlich nirgendwo, und die Liberalen haben überraschend viel Selbstironie.

Frage: Sind Sie schon mal irgendwo körperlich angegangen worden?

Antwort: Nicht auf Parteitagen. Von den demokratischen Parteien freuen sich eigentlich die meisten, wenn wir kommen. Die sind dann gespannt, worüber wir bei ihnen herziehen. Aber ich war einige Male auf Querdenken-Demos und bei Pegida. Da ist uns wenig Zuneigung entgegen geschlagen. Dass mein Kollege Abdelkarim und unser Kamerateam in Berlin verprügelt wurden, hat mich sehr mitgenommen.

Frage: Welcher Politiker fehlt Ihnen noch in Ihrer Sammlung?

Antwort: Angela Merkel haben wir tatsächlich nie vors Mikrofon gekriegt. Wahrscheinlich auch ganz clever von ihr. Mit ihrem Bodyguard hatte man aber irgendwann ein ganz witziges Verhältnis, weil der einen dann wiedererkannt hat. Ich weiß noch, einmal sagte er zu mir: „Na, wieder da? Das wird heute wieder nichts.“

Frage: Haben Sie Olaf Scholz schon mal getroffen?

Antwort: Ja, vor der Bundestagswahl 2021.

Frage: Wie packt man so jemanden, der alles an sich abperlen lässt?

Antwort: Vielleicht genau damit. Dass man den Leuten zeigt, wie er auf kritische Fragen antwortet. Das kann ja auch irgendwie unterhaltsam sein.

Frage: Also „Let Scholz be Scholz.“ Wie könnte man Sie kategorisieren, passt der Begriff Comedian?

Antwort: Ich finde diese Kategorien selten passend. Letztendlich möchte ich einfach nur unterhalten.

Frage: Was tragen Sie denn in Formularen bei „Berufsbezeichnung“ ein?

Antwort: Selbstständig. Das ist schön neutral (lacht).

Frage: Wann haben Sie gemerkt, dass Sie Talent für das haben, was Sie heute tun?

Antwort: Ich habe schon zu Schulzeiten auf Bühnen gestanden. Da gab es schon früh Situationen bei der Interaktion mit dem Publikum, in denen ich improvisieren musste. Als ich dann bei der „Heute Show“ als Autor angefangen habe, war Lutz van der Horst mein Vorbild. Ich habe irgendwann einfach Moderator Oli Welke gefragt, ob ich sowas auch mal machen darf.

Frage: Haben Ihre Freunde Sie auf die Bühne gezerrt und gesagt, dass Sie dorthin gehören oder wollten Sie das von Beginn an selbst?

Antwort: Ich wollte selbst auf die Bühne, habe gerne Texte geschrieben und wollte die dann vortragen. Es hat sich dann so ergeben, dass ich in der Schule einen regelmäßigen Poetry-Slam veranstaltet habe. Den gab es aber vorher schon. Irgendwann kamen dann Auftritte bei Formaten wie „Night Wash“ dazu.

Frage: Welchen Auftritt haben Sie mal so richtig versemmelt?

Antwort: Am schlimmsten war meine Laudatio beim Deutschen Comedypreis. Da saßen alle Größen der Szene im Publikum und haben fünf Minuten einfach geschwiegen. Das war wirklich hart. Aber durch dieses Stahlbad geht man durch und lernt daraus (lacht).

Frage: Ab wann konnten Sie von Ihren Auftritten leben?

Antwort: Ich glaube leben konnte ich von der Comedy erst, als ich fester Autor der „Heute Show“ wurde. Von den Auftritten allein wäre es am Anfang schon schwierig gewesen. Aber das war ja das Coole für mich: Dadurch, dass ich so früh angefangen habe, konnte mir das mit 16 egal sein, da musste ich mein Leben noch nicht selbst finanzieren und habe Zuhause gewohnt.

Frage: Ihre Eltern sind beide Pädagogen. Mussten Sie Zuhause mal nachsitzen?

Antwort: Ich hatte eine ganz normale Erziehung. Wir sind kein klassischer Lehrerhaushalt, wo man morgens um 6 mit gebügeltem Hemd am Frühstückstisch sitzen muss.

Frage: Wofür sind Sie Ihren Eltern dankbar?

Antwort: Für eine aufgeklärte Erziehung, die mir gewisse Werte mitgegeben hat wie Respekt und Toleranz gegenüber anderen Menschen. Man könnte auch sagen, es sind klassische Kölner Werte.

Frage: Sind Ihre Brüder auch so lustige Gestalten wie Sie oder wie sind die Charaktereigenschaften in ihrer Familie verteilt?

Antwort: Mein jüngerer Bruder ist zum Beispiel viel musikalischer als ich, da muss ich Abstriche machen (lacht). Mein anderer Bruder ist wiederum viel sportlicher als ich. So verteilt sich das ganz gut.

Frage: Über Ihr Privatleben ist nur wenig bekannt. Halten Sie es bewusst aus der Öffentlichkeit heraus?

Antwort: Ja, schon. Ich möchte unterhaltsam sein, aber nicht mit Privatem. Ich muss jetzt nicht mit meiner Freundin beim Deutschen Fernsehpreis über den roten Teppich gehen. Wir treffen uns einfach drinnen.

Frage: Ist die Kölner Komikerin Gaby Köster eigentlich Ihre Tante?

Antwort: Nee, der andere Kölner Kabarettist Gerd Köster ist auch nicht mit mir verwandt.

Frage: Sind Sie sicher? In Köln weiß man während der Karnevalszeit ja nie...

Antwort: (lacht) ziemlich sicher.

Frage: Gab es von Ihren Eltern auch mal ein „Junge, mach lieber was Vernünftiges“ zu hören?

Antwort: Meine Eltern haben mich zum Glück immer unterstützt. Als ich noch keinen Führerschein hatte, haben sie auch oft genug den Fahrdienst gemacht und mir dabei geholfen, meinen Traum zu verwirklichen.

Frage: Sie haben ja auch mal Sozialwissenschaften studiert, das Studium kurz danach aber wieder abgebrochen. Denken Sie manchmal, dass Sie da eine wichtige Lebensphase verpasst haben?

Antwort: Klar denkt man sich das manchmal. Auf der anderen Seite haben meine Freunde ja alle studiert und mich mit zu den Partys genommen. Die coolen Seiten des Studentenlebens habe ich also mitgenommen.

Frage: Wollten Sie später gerne mal Anthony Giddens zitieren können oder welcher Plan steckte ursprünglich hinter der Studienwahl?

Antwort: Das hatte einen ziemlich banalen Grund. Man konnte Politikwissenschaft in Köln nur im Master studieren. Also habe ich mich für Sozialwissenschaften eingeschrieben, weil ich hier ungern wegziehen wollte.

Frage: In Köln wird auch die „Heute Show“ produziert. Die geht jetzt in die Sommerpause. Dafür kommt am 17. Juni wieder eine Spezialausgabe mit Ihnen und Lutz van der Horst. Können Sie darüber schon etwas verraten?

Antwort: Noch ist nicht alles im Kasten. Ich kann aber schon mal so viel verraten: Es wird sehr unterhaltsam, wir waren nämlich bei der CDU, die ja noch Ihre Rolle in der Opposition sucht.

Frage: Würden Sie mit Lutz van der Horst auch in eine WG ziehen?

Antwort: Hmm... Vielleicht, wenn er die Einkäufe übernimmt.

Frage: Ihre sogenannte „Corona-WG“ mit Hazel Brugger mündete ja schließlich in einer Paartherapie.

Antwort: Ja, wir haben versucht, uns von Karl Lauterbach therapieren zu lassen. Warum das gescheitert ist, verstehe ich wirklich nicht (lacht).

Frage: Was meinen Sie, ist das Fernsehen ein langsam aussterbender Ausspielkanal?

Antwort: Ich glaube nicht. Gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat wieder an Relevanz gewonnen, weil die Leute seriös informiert werden wollen. Ich bin mir aber sicher, dass sich das mehr und mehr ins Internet verlagern wird. Der Mediathek wird die Zukunft gehören, das wissen aber auch alle.

Frage: Bei Instagram haben Sie mehr als 300.000 Follower. Auch bei Twitter, TikTok und YouTube sind Sie aktiv. Machen Sie das alles nur zum Spaß?

Antwort: Ja, da habe ich einfach Spaß dran. Bei Twitter ist es immer ein guter Indikator, wenn man in die Trends geht. Wenn es da ein Aufregerthema gibt, gucke ich, ob mir dazu etwas einfällt oder ich ein passendes Bild dazu finde. Vor einigen Wochen ging es ja damit los, dass die Insel Sylt große Angst vor den 9-Euro-Ticket Urlaubern hat. Das fand ich ein total lustiges Thema, nach dem Motto „Die ganzen Assis kommen auf unsere Insel und wollen uns den Moët wegsaufen.“ Ich hatte zufällig noch ein Foto von Boris Johnson auf dem Handy gespeichert, das zeigt, wie er aus einem Zug aussteigt. Da dachte ich: Jetzt passt es doch gut und habe daraus ein Meme gemacht.

Frage: Folgen Sie auf Instagram eigentlich auch Fabian Köster, dem Fußballer?

Antwort: Ist das so? Wo spielt der denn?

Frage: In der Kreisliga B Osnabrück.

Antwort: (lacht) der muss ja ein heiß gehandelter Spieler sein mit dem Namen.

Frage: Bleibt Ihnen neben den ganzen TV-Drehs selbst noch Zeit, ab und zu Fußball zu spielen?

Antwort: Ich jogge leider nur noch. Beim Fußball habe ich mir letztens das Kreuzband gerissen, die klassische Fußballverletzung also. Mein Arzt sagt, ich sollte lieber nicht mehr gegen den Ball treten.

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