Hamburg/Berlin Psychotherapeuten wollen Cannabis legalisieren und Alkohol teurer machen
Alkohol muss teurer werden, Cannabis legalisiert und alles nur noch in Fachshops verkauft werden: Wenn es nach Deutschlands Psychotherapeuten geht, sind alle (bald) legalen Drogen gleich.
In diesem Artikel erfährst Du:
An der Tankstelle ein Bier kaufen, es trinken und mit dem Auto nach Hause fahren – kein Problem. Unterwegs kurz stoppen am Automaten, ein Päckchen Zigaretten ziehen und qualmend weiterfahren: Auch das ist nicht verboten. Ein Tütchen Gras für später in der Tasche dabei haben? Uiuiuiui, das könnte bei einer Polizeikontrolle Ärger gebe und ein Bußgeld zur Folge haben.
Mit dieser Ungleichbehandlung der berauschenden Substanzen soll bald Schluss sein, wenn es nach der Bundespsychotherapeutenkammer geht. Diese hat sich öffentlich Stellung bezogen und fordert einen härteren Umgang mit Alkohol – und die Legalisierung von Cannabis.
So trinke fast jede und jeder Fünfte in Deutschland riskant viel davon. Alkohol könne tödlich sein. Cannabis gelte dagegen als moderat schädliche Droge.
Die deutschen Psychotherapeuten plädiert für ein Mindestalter von 18 Jahren für den Kauf aller legalen Drogen. Die Abgabe an Minderjährige müsse stärker als bislang sanktioniert werden.
Für die Millionen Menschen, die regelmäßig Bier, Schnaps und Wein trinken, soll es nach Ansicht der Kammer neue Hürden geben. Die Psychotherapeuten fordern höhere Alkoholsteuern und einen Mindestpreis für Alkohol.
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Cannabis, Alkohol und Zigaretten: Die Bundespsychotherapeutenkammer schlägt vor, alle legalen Drogen nur noch in lizenzierten Geschäften abzugeben.
Was die Deutschen über Cannabis aus der Apotheke denken, zeigt dieses Video:
Bei der Beschränkung aller legalen Drogen auf Lizenz-Shops schwebt der Kammer eine „Abgabe durch Fachpersonal“ vor, ausgebildet in Suchtprävention. Die Therapeuten beklagen, dass legale Drogen etwa in Supermärkten, Tankstellen, über Automaten oder das Internet fast überall rund um die Uhr verfügbar seien. Künftig solle das Fachpersonal über die Wirkungen informieren und das Alter prüfen.
Die Legalisierung von Cannabis ist bereits in vollem Gange. Anfang Mai verkündete das SPD-geführte Gesundheitsministerium, dass bereits im Herbst 2022 ein Gesetzesentwurf vorgelegt werden soll.
Sichtlich euphorisch war auch der entsprechende Tweet:
Verantwortlich dafür ist maßgeblich der Bundesdrogenbeauftragte Burkhard Blienert (SPD). Viel ist noch nicht darüber bekannt, wie der Gesetzesentwurf final aussehen könnte. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Carmen Wegge sagte Ende Mai in einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“, dass 20 bis 30 Gramm im Gespärch seien.
Auch er spricht sich seit längerem für einen härteren Umgang mit Alkohol aus. „Für mich sprechen viele medizinische Argumente dafür, das Erwerbsalter für Bier, Wein und Sekt auf 18 Jahre zu erhöhen“, sagte er Anfang des Jahres der „Welt“. Aktuell liegt das Alter für den Kauf bei 16 Jahren.
Die Psychotherapeutenkammer fordert für alle legalen Drogen das Verbot von Werbung. Generell sollte die Drogenpolitik nach Ansicht der Psychotherapeuten auf Regulierung und Prävention setzen – aber auch auf „aufgeklärten, kompetenten und eigenverantwortlichen Gebrauch von Drogen“. Das sei der beste Schutz vor Missbrauch. Den Menschen verfügbar gemacht werden müssten viel mehr professionelle Angebote, fordert die Kammer, die rund 55.000 Psychotherapeutinnen und -therapeuten vertritt. Angeboten werden solle mehr Früherkennung, Behandlung und Rehabilitation von Suchterkrankungen.
„Das Ziel bleibt das gleiche wie das der bisherigen Drogenpolitik: Drogenmissbrauch und -abhängigkeit vermeiden“, so die Therapeuten. Cannabis sei nicht harmlos und berge insbesondere das Risiko von Psychosen. Doch der Gebrauch von Cannabis nehme trotz Verbot seit Jahrzehnten zu. Die bisherige Politik mit dem Ziel der Einschränkung von Cannabis-Gebrauch sei gescheitert. Der Gehalt des psychoaktiven Wirkstoffs THC solle aber auf höchstens 15 Prozent beschränkt werden, schlagen die Psychotherapeuten vor.