Abschied auf dem Wochenmarkt  Nach 33 Jahren verlässt Kartoffel-Heike ihren Stand

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 10.06.2022 17:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Frühkartoffeln gab es bei ihr am Freitag nicht mehr: Heike Polmann und ihr Mann Jan-Wilhelm stellen ihre Direktvermarktung von landwirtschaftlichen Produkten ein. Fotos: Boschbach
Frühkartoffeln gab es bei ihr am Freitag nicht mehr: Heike Polmann und ihr Mann Jan-Wilhelm stellen ihre Direktvermarktung von landwirtschaftlichen Produkten ein. Fotos: Boschbach
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Schock für Hunderte Kunden auf den Auricher Wochenmarkt: Sie können ihre Eier und Kartoffeln nicht mehr bei Bauer Jan-Wilhelm und seiner Frau kaufen. Das Paar gibt auf.

Aurich - Freitagmittag, kurz vor halb eins auf dem Auricher Wochenmarkt. Anne Leidenfrost hat sich am Kartoffel-Stand von Heike Polmann in die lange Kunden-Schlange eingereiht. Geduld ist gefragt. Heute wie an den anderen Markttagen. „Qualität ist eben begehrt“, sagt eine junge Frau, die sich als Julia aus dem Restaurant El Gringo vorstellt. Seit Jahrzehnten beziehe die Gaststätte ihre Eier und Kartoffeln von Jan-Wilhelm. „Super Ware“, setzt Julia hinzu. In diesem Moment ist Anne Leidenfrost zu hören: „Das kann doch nicht wahr sein?! Jetzt bin ich aber bestürzt.“ Eben hatte die Kundin erfahren, dass die Tage der „super Ware“ zu Ende sind. Knall auf Fall. „Heute ist mein letzter Tag“, sagt Heike Polmann. Aus gesundheitlichen Gründen gebe ihre Familie das Wochenmarktgeschäft und die Direktvermarktung im Hofladen auf. Nach 33 Jahren sei Schluss mit dem Verkauf von Kartoffeln und Eiern, die von ihrem Hubertus-Hof in Neuharlingersiel (Landkreis Wittmund) stammen. „Dort bauen wir demnächst nur noch Getreide an“, sagt die Landwirtin.

Marktmeisterin Marina Willms-Bürger (links) hat sich von Heike Polmann mit einem Blumenstrauß verabschiedet.
Marktmeisterin Marina Willms-Bürger (links) hat sich von Heike Polmann mit einem Blumenstrauß verabschiedet.

Die Arbeit mit den Kartoffeln und Eiern sowie der Verkauf seien einfach nicht mehr zu schultern gewesen, vor allen Dingen wegen der Krankheit ihres Mannes Jan-Wilhelm. Schwer falle ihr dieser Schritt aber trotzdem: „Seit meinem 17. Lebensjahr habe ich immer mit dem Verkauf und mit Menschen zu tun. Mich konnte man nie in einem Büro einsperren.“ Auch den Kunden geht der Abschied an die Herznaht. „Heike war immer sehr nett, sehr hilfsbereit und sehr mitfühlend“, sagt Anne Leidenfrost. Seit drei Jahren komme sie regelmäßig, um sich bei ihr mit Kartoffeln zu versorgen. Bei diesem Produkt, das fast immer Frauennamen hat, ist nicht eine wie die andere. Laura, die Rotschalige, beispielsweise, gilt unter Feinschmeckern als Delikatesse. Die Konsistenz ist leicht mehlig und dabei cremig. Dann gibt es noch etliche weitere Sorten, die Gloriette etwa, eine neue und sehr frühe Sorte, die geschmacklich fein und aromatisch ist. Damit das so bleibt, gilt vor allen Dingen eines: „Kühl müssen sie stehen, sonst keimen sie“, gibt Heike Polmann eine Empfehlung.

Wiedersehen auf dem Weinfest

„Wo soll ich denn jetzt hingehen?“, gibt sich eine andere Kundin ratlos. So einfach sei diese Lücke nicht zu schließen, findet auch Gerd-Arnold Ubben. Der Journalist nimmt sogar die Anfahrt aus der Gemeinde Ihlow auf sich, um jeden Freitag bei „Heike“, wie sie alle nennen, seine Eier zu holen: „Die schmecken einfach. Das kann man nicht von allen behaupten. Manche riechen schon komisch, wenn sie nach dem Kochen aus dem Wasser geholt werden. Solche Eier mag ich nicht essen.“

Über den Tag verteilt kommen immer wieder Kunden und Marktbeschicker vorbei, um sich von „Heike“ zu verabschieden. Die 50-Jährige wird geknuddelt, erhält Blumensträuße und viele freundliche Worte. Eine Kundin bricht sogar in Tränen aus, als sie hört, dass es in der nächsten Woche keine Eier und Kartoffeln mehr gibt. Und vor allen Dingen keine Heike Polmann mehr auf dem Auricher Markt geben wird. „Wann sehen wir uns denn wieder?“, will jemand wissen. „Beim Weinfest in Aurich. Das besuche ich immer“, tröstet die Beschickerin ihn und setzt hinzu „Und dann gibst du mir einen aus.“

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