Osnabrück Jasmin Amelia: Wer ist die Osnabrückerin aus dem Kuppel-TV?
Wenn die „Princess Charming“ bei RTL plus eine Freundin sucht, ist auch eine Osnabrückerin unter den Kuppel-Kandidatinnen: Wer ist Jasmin Amelia? Ein Gespräch.
Es ist erst ein Jahr her, dass mit dem „Bachelor“ Niko Griesert ein Osnabrücker das Kuppelfernsehen aufmischte. Und schon kommt die nächste Kandidatin aus der Stadt: Jasmin Amelia ist 28 Jahre alt, arbeitet im Vertrieb und versucht ihr Glück in der lesbischen Show „Princess Charming“, die ab heute auf dem Streamingdienst RTL+ zu sehen ist. Titelheldin der Show ist die Hannoveranerin Hanna, die in einer Villa auf Rhodos 19 Frauen kennen und eine davon hoffentlich lieben lernt. Jasmin Amelia ist eine der Kandidatinnen; und vielen Osnabrückern dürfte sie bekannt vorkommen – aus ihrer Zeit bei Footlocker und Runners Point zum Beispiel oder von ihren Jobs im Garbo, dem Green Mark oder der Skatehalle.
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Warum geht jemand, der bei der Arbeit sowieso viele Leute kennenlernt, überhaupt in ein Dating-Format? „Ich will mutig sein, mich zeigen und sagen, dass ich auch auf Frauen stehe“, erzählt Jasmin Amelia im Interview. „Ich bin erst vor sechs Jahren durch eine besondere Person in die queere Szene gekommen. In Osnabrück habe ich von dieser Szene nie was bemerkt. Ich wurde noch nie von einer Frau angesprochen. Und in Osnabrück hatte ich wirklich immer so ein Unwohlsein, wenn wir Händchen gehalten haben. Deshalb war mir wichtig, ein Zeichen zu setzen.“
Das ginge natürlich auch bei einer Sendung wie „Bauer sucht Frau“. Die RTL-Show erreicht zur Hauptsendezeit immerhin ein Millionenpublikum, während „Princess Charming“ erstmal nur im Netz startet und irgendwann mal bei Vox laufen soll. Aber: „Für mich kommt nur ‚Princess Charming‘ infrage“, sagt Jasmin Amelia. „Ich habe die erste Staffel gesehen und fand total schön, wie die miteinander umgegangen sind, wie offen sie gesprochen und wieviel sie bewirkt haben. Und ich hoffe, dass ich auch in Osnabrück was bewirken kann, wenn ich sage: Hey, ich stehe auf Frauen und das ist völlig normal und in Ordnung.“
Mit dem Impuls die 28-Jährige bei „Princess Charming“ nicht allein. Seit Paul Janke vor zehn Jahren als „Bachelor“ antrat, fluten Kuppelshows das Fernsehen. Mal wird nackt auf einer Insel geflirtet („Adam sucht Eva“), mal findet das Blind Date gleich auf dem Standesamt statt („Hochzeit auf den ersten Blick“). Die Fantasie der Programmmacher kennt keine Grenzen, nur auf eine Idee wäre lange keiner gekommen: dass dieses Genre einmal Preise gewinnen könnte.
Das änderte sich erst, als im Herbst 2019 „Prince Charming“ startete: Das erste schwule Dating-Format wurde mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Und auch das lesbische Pendant holte danach eine Nominierung für Deutschlands wichtigsten Fernsehpreis. Die Wertschätzung hat einen Grund: Shows wie der „Bachelor“ setzen auf Konfrontation und Konflikte – um eine Aufmerksamkeit zu schüren, mit der die Sender dann Quote machen und die Kandidaten sich am Boulevard positionieren. In den queeren Formaten dagegen steht hinter Zank und Eifersucht immer auch ein gemeinsames Anliegen: Sichtbarkeit für die Community zu schaffen.
Damit füllen „Prince“ und „Princess“ eine Lücke: Wer nicht hetero ist, musste im deutsche Dating-TV schließlich lange auf Identifikationsfiguren warten. Einen schwulen Mann hat Inka Bause erst in der siebten „Bauer sucht Frau“-Staffel verkuppelt; bis zur ersten lesbischen Bäuerin vergingen noch mal zwei Jahre. Hätte Jasmin Amelia in ihrer Jugend gern eine lesbische Kuppelshow gesehen? „Vielleicht, vielleicht auch nicht“, sagt sie heute. „Ich bin nicht komplett lesbisch und wusste lange gar nicht, dass ich auch Frauen interessant finde. Meine Erziehung war streng katholisch; da gab es keine Berührungspunkte mit der queeren Community. Ich habe mir einfach keine Gedanken darüber gemacht, dass ich auch mit einer Frau zusammen sein könnte. Vielleicht wäre das anderes gewesen, wenn ich lesbische Frauen im Fernsehen gesehen hätte. Vielleicht hätte ich mich dann früher geöffnet.“
Ihre ersten Beziehungen hatte Jasmin Amelia mit Männern; mit ihrer bislang einzigen Freundin kam sie dann im Alter von 24 zusammen. Und ohne Vorbilder ging es ihr dabei erstmal so: „Als ich meine Freundin kennengelernt hatte, war mein erster Gedanke: Oh, mein Gott! Bin ich komplett verrückt geworden?“ Geholfen haben ihr Freunde, die sie damals besser kannten als sie sich selbst. „Wenn nicht du, wer dann?“, haben die gesagt. Ein Grund für den Schritt ins Fernsehen ist jetzt also auch, mehr über sich rauszufinden: „War es damals nur die Person? Stehe ich wirklich auf Frauen? Wie reden andere Frauen über Frauen, die sie gut finden? Kann ich mich da einklinken?“, sagt Jasmin Amelia. „Beim Kennenlernen ist es bei mir nämlich immer so, bei Männern genauso wie bei Frauen: Ich sehe zwar, ob jemand schön ist – aber ich habe nicht gleich sexuelle Hintergedanken. Ich stehe auf den Menschen.“
Fest steht für Jasmin Amelia: In den drei Jahre mit ihrer Freundin erlebte sie eine ihrer schönsten Beziehungen. Und bis heute gehört die Ex zu den wichtigsten Menschen in ihrem Leben. „Sie war es auch, die ich am Flughafen vor der Abreise zum Dreh angerufen habe, total am Zittern, total am Heulen: Ich will da nicht einsteigen, ich kann da nicht rein.“ Die Ex-Freundin hat Jasmin Amelia Mut gemacht. „Hätte ich sie nicht gehabt, wäre ich jetzt nicht bei ‚Princess Charming‘.“
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Und was ist mit dem anderen Ratgeber, den Jasmin Amelia in Osnabrück direkt vor der Haustür hat? Wie es im Fernsehen zugeht, weiß kein Osnabrück besser als Ex-Bachelor Niko Griesert. Hat Jasmin Amelia den Kontakt gesucht? „Ich kenne ihn nicht persönlich; aber meine Freundinnen waren ganz aufgeregt, weil sie ihn von Tinder kannten“, antwortet sie. „Mit denen habe ich mir seine Staffel dann angeschaut.“ Und? Wie war’s? Jasmin Amelia ist skeptisch: „Ich würde als Frau niemals beim ‚Bachelor‘ mitmachen, obwohl ich auch auf Männer stehe. Aber dieses Gezicke dort, diese Missgunst und das Lästern – das fand ich furchtbar.“ Bei ihrer – schon abgedrehten – Staffel war das anders, erzählt sie: „Wir waren richtige Gönner!“
„Princess Charming“: Ab Dienstag, 14. Juni 2022, zeigt der Streamingdienst RTL+ immer dienstags eine neue Folge.